Von Afrika an die Westküste : Äthiopier zu Gast an der Eider

Die Hochzeitstruhe in Elke Wegmanns Ferienhaus erinnerte die afrikanischen Gäste an eigene Traditionen.
Die Hochzeitstruhe in Elke Wegmanns Ferienhaus erinnerte die afrikanischen Gäste an eigene Traditionen.

Wie Tourismus professionell betrieben wird, darüber informierten sich drei Äthiopier an der Westküste und in der Eider-Region. Sie arbeiten für das erste Biosphärenreservat des afrikanischen Landes.

von
30. Juli 2015, 11:00 Uhr

Die meisten von Elke Wegmanns Gästen kommen aus Schleswig-Holstein, dem übrigen Deutschland oder den Nachbarstaaten. Eine so weite Anreise aber wie diese drei Besucher hatte noch keiner. Drei äthiopische Fachleute in Sachen Ökotourismus und Naturschutz besuchten das Fjord Gestüt Wegmann in Süderstapel gemeinsam mit Anne Evers vom Naturschutzbund (Nabu) und Yannek Drees von der Eider-Treene-Sorge GmbH.

Yitayal Admasu, Tilahun Teshome und Muluken Mekuria arbeiten im Kafa-Biosphärenreservat, dem ersten seiner Art im nordostafrikanischen Äthiopien. Mit rund 760.000 Hektar ist es etwa halb so groß wie Schleswig-Holstein. Einen großen Teil der Fläche bedecken immergrüne Bergnebelwälder, in denen die letzten Exemplare des wilden Arabica-Kaffees wachsen. Die Verbindung in die Eider-Treene-Sorge-Region stellte der Nabu her, denn Jahr für Jahr zieht es deutsche Vogelkundler und -freunde nach Kafa. Dort sind zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten zu finden.

Um das Herkunftsland der deutschen Gäste näher kennenzulernen, findet der erste Gegenbesuch statt. Zwei Monate lang besuchen die drei Afrikaner verschiedene Gebiete in Schleswig-Holstein. Zwei Wochen wohnten sie in Bergenhusen im Herzen der Flusslandschaft Eider-Treene-Sorge. Yannek Drees von der ETS GmbH informierte über den Tourismus und die Region. Vorher waren sie unter anderem auf Sylt und in St. Peter-Ording. Den Äthiopiern hat gerade die Ruhe und die natürliche Umgebung in der Flusslandschaft gefallen. Am Bargener Fähranleger etwa zeigte Yannek Drees die kleine Fähre und erklärte auch, wie die Infrastruktur für den Kanutourismus aufgebaut wurde.

Einen Kontrast zu den Hotels und Promenaden der Küste boten auch die Ferienwohnungen von Elke Wegmann in Süderstapel. Vier Ferienwohnungen und zwei Reetdach-Ferienhäuser stehen zur Auswahl. Wegmann präsentierte auch die hauseigene Reitanlage. „Die meisten Gäste kommen zum Reiten her, aber viele wollen auch einfach ausspannen“, sagt Elke Wegmann.

Die Afrikaner fanden Gefallen an der individuellen Ausstattung, die modernes Design mit alten Bauernmöbeln kombiniert. Spannend war unter anderem eine alte Hochzeitstruhe, denn in dieser Tradition ähneln sich die so weit voneinander entfernten Länder: Auch in Äthiopien wurde die Mitgift der Braut traditionell in einer Truhe mitgegeben. Jetzt gebe man vielerorts Smartphones, Autos und vergleichbare Statussymbole. Dennoch: Die traditionelle Verbindung besteht.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert