Westküstenleitung : Ärger um Strommasten direkt vor der Haustür

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Weil sie nördlich von Husum bis auf 50 Meter an Wohnhäuser heranrücken würde, wird ein Planänderungsverfahren für die 380-kV-Westküstenleitung angestrebt.

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26. April 2018, 10:00 Uhr

Während im fünften Abschnitt zum Ausbau der 380-kV-Westküstenleitung zwischen Niebüll und dänischer Grenze eben erst das Dialogverfahren angelaufen ist, sind die Planungen im vierten Abschnitt zwischen Husum und Niebüll bereits weit gediehen. Nun zeichnet sich allerdings ab, dass es nördlich von Husum – im Bereich der Ostermarsch bei Horstedt – noch zu einem Planänderungsverfahren kommen muss. Hintergrund ist die Tatsache, dass die vom Übertragungsnetz-Betreiber Tennet angepeilte Trasse „erhebliche Beeinträchtigungen für die Anwohner nach sich ziehen würde“. Das erläuterte der Leiter des Fachbereichs Kreisentwicklung, Bauen, Umwelt und Kultur, Burkhard Jansen, jetzt im Wirtschaftsausschuss des Kreises.

Der Hintergrund: Wird der im laufenden Planfeststellungsverfahren vorgesehene Trassenverlauf umgesetzt, würden die mehr als 60 Meter hohen Strommasten – sie sollen dort auch die 110-kV-Leitung mitführen – bis auf 50 Meter an die Wohnbebauung heranrücken. Üblich sind Abstände von 200 Metern oder mehr. Diese Problematik war offensichtlich im Dialogverfahren nicht klar angesprochen worden, hatte dann aber zuletzt zu Anfragen im nordfriesischen Kreistag, Protesten der Anwohner und der Gemeinde Horstedt und im Nachgang zu vielen Gesprächen und Aktivitäten geführt.

„Bei aller gebotenen Vorsicht“, so Burkhard Jansen, zeichne sich danach für den vierten Abschnitt der Höchstspannungsleitung ab, dass es zu einem Planänderungsverfahren kommen solle – mit einem neuen Trassenverlauf, der sowohl den Belangen der Tennet als auch der Anwohner Rechnung tragen und den 200-Meter-Abstand einhalten würde. „Das ist noch keine Entwarnung“, betonte Jansen. Alles stehe zurzeit noch unter dem Vorbehalt, dass die Chefetage der Tennet, die hinsichtlich der Kosten-Anerkennung auf das Okay der Bundesnetzagentur angewiesen ist, ihren Segen gibt und auch die Bundeswehr mit Blick auf Richtfunkstrecken keine Einwände anmeldet. Dabei verwies der Fachbereichsleiter darauf, dass derlei Angelegenheiten leichter zu händeln wären, wenn es eine verbindliche Rechtsgrundlage für Abstandsregelungen geben würde. „Das hätte man auch in Zusammenhang mit der Energiewende mal diskutieren müssen“, fügte er seine persönliche Auffassung an.

Der vierte Abschnitt der 380-kV-Westküstenleitung von Husum bis Niebüll soll nach derzeitigem Stand Mitte 2018 genehmigt werden, vorbereitende Arbeiten wie Baugrund-Untersuchungen laufen bereits. Der erste Abschnitt der Leitung von Brunsbüttel bis Süderdonn ist bereits seit Ende 2016 in Betrieb. Der zweite von Süderdonn bis Heide ist im Bau, der dritte zwischen Heide und Husum wurde im März 2017 genehmigt. Bis Ende 2021 soll die Westküstenleitung dann nach Dänemark weitergeführt werden.

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