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Husumer Nachrichten

26. September 2017 | 05:55 Uhr

ADS wieder in ruhigerem Fahrwasser

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Finanzielle Situation im Verband hat sich verbessert / Nun stehen verstärkt Sanierungen und Ausbildung der Erzieher im Fokus

shz.de von
erstellt am 09.Jun.2015 | 17:52 Uhr

Seit mehr als 60 Jahren engagiert sich der ADS-Grenzfriedensbund sozial und kulturell im deutsch-dänischen Grenzraum. Allein im vergangenen Jahr wurden in 29 Kindertagesstätten der Arbeitsgemeinschaft Deutsches Schleswig (ADS) knapp 1800 Kinder betreut. Zusammengehörigkeit und Sprachenvielfalt – das präsentierten die Kinder und Erzieherinnen vom Verbund NF1, zu dem die ADS-Kindergärten Bredstedt, Husum, Friedrichstadt und Tönning zählen. Auf Deutsch, Plattdeutsch, Friesisch und Dänisch hießen sie die Teilnehmer der jüngsten Mitgliederversammlung des ADS-Grenzfriedensbundes im Husumer Kreishaus willkommen.

Landtagsmitglied Lars Harms (SSW) freute sich über die Gesangseinlage. „Die Mehrsprachigkeit der Kinder prägt unsere Landschaft und Nordfriesland“, erklärte er und betonte: „Mehrsprachigkeit kommt nicht von allein.“ Nordfrieslands Kreispräsident Heinz Maurus bezeichnete die ADS in seinem Festvortrag als verlässlichen Partner und deren Bemühungen um die deutsch-dänische Zusammenarbeit als vorbildlich.

Doch Lob und fröhliche Kinderstimmen konnten nicht ganz darüber hinwegtäuschen, dass die Zuhörer angespannt den Ergebnissen des Geschäftsberichts entgegenfieberten. Denn auf der vorigen Jahresversammlung wurde bekannt, dass der ADS-Grenzfriedensbund in eine finanzielle Notlage geraten war. Der Verband schrieb 2013 rote Zahlen. Das hatte Konsequenzen. Das vom Verband getragene Müttergenesungsheim in Langballig (Kreis Schleswig-Flensburg) musste seinen Betrieb einstellen. Auch der damals baufällige Flensburger Kindergarten Sophiesminde musste aufgegeben werden – trotz langwieriger Verhandlungen mit der Stadt Flensburg. Deren Jugendhilfeausschuss beschloss im vergangenen Jahr, einen Neubau des Gebäudes selbst für einen kommunalen Kindergarten zu nutzen – und nicht mehr in die Trägerschaft des ADS-Grenzfriedensbundes zu übergeben. „Das ist nach unserem Empfinden ein Verstoß gegen das Subsidiaritätsprinzip“, erklärte ADS-Geschäftsführer Ernst-Peter Rodewald.

Eine Entscheidung, die auf vielen Seiten auf Unverständnis stößt. Auch Stefan Ploog, Vorstandsmitglied des Deutschen Grenzvereins und Bürgermeister der Gemeinde Kropp (Kreis Schleswig-Flensburg), zeigte sich überrascht von der Entwicklung im Flensburger Rathaus. Er bezeichnete die Entscheidung als „vertane Chance der Stadt“. Während zum Beispiel Konrad Görsch vom Ausschuss für Soziales und Jugend der Stadt Husum kürzlich betonte, wie froh er darüber sei, dass sich in Husum die Kindergärten vorwiegend in privater Trägerschaft befänden.

Auch das Schullandheim Langholz an der Eckernförder Bucht musste verkauft werden. Der Grund: Es war nicht genügend ausgelastet, was einen kostendeckenden Betrieb unmöglich machte. Von Verhandlungen mit den neuen Eigentümern hängt nun ab, ob ADS es nach 2015 überhaupt noch weiter betreiben wird.

Wer auf der Mitgliederversammlung weitere Hiobsbotschaften befürchtete, konnte aufatmen. „Es geht aufwärts mit uns“, sagte Verbands-Vorsitzender Lothar Hay. „Das Jahr 2015 läuft bisher gut. Ziel ist es jetzt, das Defizit abzubauen und Sanierungen zu verwirklichen.“

Aus dem Geschäftsbericht, den Geschäftsführer Rodewald vortrug, geht hervor, dass dem Verband derzeit insgesamt 453 Mitglieder angehören, knapp 500 Mitarbeiter und 100 Honorarkräfte sind bei ADS-Grenzfriedensbund beschäftigt. Der Verband will in Zukunft auf die Weiterentwicklung des Sprachenprofils, Fortbildung der Mitarbeiter und verstärkte Sanierungen setzen. Ein Beispiel: der Neubau eines integrativen Kindergartens in Tarp.

Den Einnahmen an 19  161650 Euro im Jahr 2014 stehen Ausgaben von 19  160  253 Euro gegenüber. An sich kein schlechtes Ergebnis, hätte der Verband nicht mit einem Verlust von 578  957 Euro zu kämpfen, der noch aus den Vorjahren stammt. 2014 gab der ADS-Grenzfriedensbund eine betriebswirtschaftliche Begutachtung seiner Arbeit und Organisation in Auftrag, um seine Zukunft zu sichern. Dieser Business-Plan setzt seinen Schwerpunkt deutlich auf die Grenzland-Arbeit. Im Herbst wurde er der Kieler Staatskanzlei vorgelegt. Und die gab grünes Licht für einen sogenannten Globalzuschuss in Höhe von 725  000 Euro, der dem ADS-Grenzfriedensbund die Zukunft sichert. „Ohne diesen Zuschuss hätten wir weder unseren Haushalt finanzieren noch unser politisches Engagement im Grenzland fortführen können“, erklärte Rodewald auf Anfrage unserer Zeitung.

Trotz ruhigeren Fahrwassers wird die ADS in den nächsten Monaten weitere Klippen umschiffen müssen: Der Kreis Schleswig-Flensburg hat bereits angekündigt, die Zuschüsse zu kürzen: von 500  000 auf 100  000 Euro.

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