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Idee aus Nordfriesland : Ach du heiliger Slam: Wettstreit um Gottes Wort

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der etwas andere Gottesdienst in Heide: Fünf Theologen predigen die Kunst der Rhetorik – und die Kirchengemeinde bestimmt mit der Lautstärke ihres Gesangs den Sieger.

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erstellt am 23.Feb.2017 | 09:00 Uhr

Die trauen sich was: Fünf Theologinnen und Theologen treten am Sonntag, 26. Februar, in der Heider St.-Jürgen-Kirche in den Wettstreit um die rechte Auslegung der Heiligen Schrift, darunter auch drei Geistliche aus Nordfriesland. Wer gewinnt, entscheidet endlich einmal nicht das theologische Prüfungsamt, sondern die Gemeinde. Sie wird mit Gesang ab- und bei der besten Predigt das kräftigste Gotteslob anstimmen.

„Die Idee ist gut reformatorisch“, sagt dazu Friedemann Magaard, der als Leiter des Breklumer Christian-Jensen-Kollegs (CJK) gemeinsam mit dem Kirchenkreis Dithmarschen die Idee entwickelt und vorangetrieben hat. In Lübeck, so erzählt der Pastor, habe es 1529 einen Singestreit gegeben, bei dem die durch Luthers Gedankengut selbstbewusst erstarkte Gemeinde einen Priester, der ihr missfiel, durch lauten Gesang während seiner Predigt vom Hof gejagt habe. „So weit wollen wir es aber nicht kommen lassen“, erklärt Magaard lächelnd.

Dass Zuhörer unter verschiedenen Texten einen Favoriten auswählen, ist heute bewährte Praxis in Kulturhäusern: Poetry-Slam heißt diese Gattung. Inspiriert vom Lübecker Singestreit findet nun in der Heider Marktkirche ein Predigt-Slam statt. Ziel sei ein fairer und fröhlicher Wettstreit um das Gotteswort, ein ehrliches Ringen darum, die Zuhörer möglichst gut zu erreichen und dabei die theologische Lauterkeit nicht außer Acht zu lassen. Das mit rhetorischer Leichtigkeit zu erreichen, ist eine hohe Kunst.

Weil die Aufgabe schön, aber nicht leicht ist, holten sich Kirchenkreis und CJK den bekannten Poetry-Slammer Björn Högsdal mit ins Boot. In einem Workshop bereitete er die Pastorinnen und Pastoren auf ihre Aufgabe vor, gab Tipps, weckte Kreativität und machte vor allem Mut. „Für mich ist es toll, mit Menschen zu arbeiten, die viel von Sprache verstehen und die es gewohnt sind, vor Publikum zu sprechen“, sagt er. Erste Werkstücke mithilfe des Meisters zeigten, was da noch geht und wie groß die kreative Kraft ist – keiner der Kandidaten hat bisher Erfahrungen in diesem Metier. Alle sind gespannt, wie es wird.

Eine Herausforderung ist auch die Aufgabe, diesen Wettstreit in einen Gottesdienst zu integrieren. Es geht also nicht darum, sich persönlich in den Vordergrund zu schieben – das stellte Friedemann Magaard heraus. Im Mittelpunkt stehen die Vermehrung des Gotteslobs und die Verkündigung des Evangeliums.

Noch etwas ist bei dieser Form anders als beim klassischen Slam-Programm: Die fünf Theologen setzen sich alle mit demselben, vorgeschriebenen Predigttext des Sonntags auseinander, der die Geschichte von Maria und Martha erzählt. „Mir ist wichtig, die Fülle evangelischer Deutung aufzuzeigen“, sagt dazu Inke Raabe, Öffentlichkeitsreferentin im Kirchenkreis und Mit-Initiatorin. „Manche glauben, die Bibel sei eindimensional und enthalte nur eine einzige Wahrheit. Die Bibel ist lebendiges Wort, und ihre Fülle erschließt sich in der Vielfalt der Auslegungen.“

Die fünf Kandidaten kommen aus allen Richtungen: Johannes Ahrens ist Stadtpastor in Flensburg, Gesche Schaar Vikarin in Husum, Andreas Hamann Bischofsreferent in Schleswig und Sylvia Goltz Pastorin in Schwabstedt. Als einzige Dithmarscherin geht Ina Brinkmann ins Rennen.
Sie ist Pastorin am Meldorfer Dom. Friedemann Magaard und Inke Raabe gestalten den liturgischen Rahmen. Der Gottesdienst in St. Jürgen beginnt um 10 Uhr – und die Kirchengemeinde Heide freut sich als Hausherrin auf zahlreiche Gäste in der Kirche an der Südwestecke des Marktplatzes.

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