Oldenswort : „Absurdistan lässt grüßen“

Pastorin Inke Thomsen-Krüger bei ihrer Ansprache.
Foto:
Pastorin Inke Thomsen-Krüger bei ihrer Ansprache.

Beim Neujahrsempfang der Wirtschaftsgemeinschaft war das Nahversorgungszentrum Thema.

shz.de von
16. Januar 2018, 10:00 Uhr

Noch einmal deutlich für ein Nahversorgungszentrum in Oldenswort sprach sich Udo Bruhn beim Neujahrsempfang der Wirtschaftsgemeinschaft Oldenswort (WGO) aus. Der WGO-Vorsitzende begrüßte dazu gut 60 Gäste aus den meisten Oldensworter Vereinen, ferner waren Bürgermeister Frank-Michael Tranzer, Ehrenbürger Hauke Koopmann, Pastorin Inke Thomsen-Krüger sowie einige Mitglieder im Handelskrug erschienen.

Zunächst gab der Vorsitzende einen Rückblick. „Wir leben in einer noch intakten Kommune, denn wir haben eine gute Infrastruktur. Die gibt es in anderen Orten längst nicht mehr.“ Das wüssten besonders die Zweitwohnungsbesitzer und Touristen zu schätzen. Trotz schlechten Wetters seien die Quartiere weitgehend ausgebucht gewesen, und es sei Geld im Dorf geblieben, sagte er unter anderem. Das vom Verein ins Leben gerufene Essen in Gemeinschaft sei nach wie vor der Renner. Toll sei auch, dass so viele Ehrenamtler dabei mithelfen. Er bedauere, dass der Boßelverein Gemütlichkeit an der Hemme mangels Masse aufgeben musste. „Wir müssen mehr junge Leute an das Ehrenamt heranführen“, so Bruhn.

Dann ging es um das Nahversorgungszentrum. Was er nicht noch einmal erleben wolle, sei eine Gemeindevertreter-Sitzung wie im Dezember und das damit verbundene plötzliche Hinauszögern der Umsetzung eines Nahversorgungszentrums, so Bruhn. „Uns ist allen klar, dass beim Kaufmann die Lichter in zwei Jahren ausgehen werden. Wenn wir eine Zukunft haben wollen, muss ein Versorgungszentrum her. Die Wirtschaftsgemeinschaft wird dafür tun, was sie kann. Ich freue mich, dass die SPD weiter verhandelt und nach Lösungen sucht.“

Bürgermeister Tranzer ging detailliert auf die Entscheidungsfindung in den gemeindlichen Gremien ein. „Ich beginne mit der Aussage der CDU-/WVO-Fraktion, die Kosten eines Versorgungszentrums wären zu hoch und nicht so zu erwarten“, so Tranzer. Als der Gemeinderat im Frühjahr 2016 beschlossen hatte, einen Markttreff zu errichten, habe man sich sehr wohl nach Kosten erkundigt. Die Zahlen seien allen seit fast eineinhalb Jahren bekannt und beschlossen gewesen. Im November 2016 wurde bereits ein Gutachten namens „Standortcheck“ den Gemeindevertretern vorgestellt, die auch Grundlage der Einwohnerversammlung im Februar 2017 war. Das neue Gutachten – in Auftrag gegeben im Juni 2017 – forderte eine genaue Bestimmung des Standortes mit Wirtschaftlichkeitsberechnung. Das hätten alle Gemeindevertreter erhalten, und es wurde in der Lenkungsgruppe im September 2017 vorgestellt, im Oktober 2017 im Finanzausschuss durchgewunken, im November ein zweites Mal im Lenkungsausschuss beraten und ohne Gegenstimme beschlossen sowie in der Einwohnerversammlung im Dezember vorgestellt. „Nach eineinhalb Jahren Beratungen und Sitzungen, dreier Gutachten und 50.000 Euro Gutachterkosten haben die Fraktionen auf einmal Fragen und einige, die nicht ausreichend beantwortet sind. Absurdistan lässt grüßen und eines steht fest: Die Gemeindevertretung hat im Dezember 2017 beschlossen, die Zukunft Oldensworts zu beenden“, so Tranzer. Genauso sei der Haushalt 2018 von der CDU abgelehnt worden, obwohl alle Fraktionen und Verantwortlichen denselben aufgestellt und zum zweiten Mal beraten hatten. Auch die Ablehnung einer Vorlage zur Ausbaubeitragssatzung werde negative Auswirkungen haben.

Abgesehen davon entwickele sich die Kommune positiv. Junge Familien fühlen sich wohl. Nicht umsonst werden insgesamt 70 Kids in der Kindertagesstätte betreut.

Ansonsten gab es beim Empfang reichlich Gelegenheit zum Gedankenaustausch in lockerer Runde. Im Gespräch bleiben, so Bruhn, sei in heutiger Zeit wichtiger denn je.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen