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Geheimnisvoller Ort : Abstieg in die Welt des Kalten Kriegs

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Bunker unter dem Stollberg stieß beim ersten Amts-Kultur-Natur-Tag auf großes Interesse. Insgesamt 500 Besucher wollten sich die Anlage ansehen, die im Kalten Krieg dem Zivilschutz dienen sollte und vor 25 Jahren geschlossen wurde.

Stau am Stollberg auf der Bundesstraße 5. Weder Urlaubsverkehr noch Unfall sind Ursache, sondern der erste Amts-Kultur-Natur-Tag des Amtes Mittleres Nordfriesland. „Alle wollen in den Bunker“, freut sich Johann Georg Carstensen von der Amtsverwaltung, der die Idee zur Veranstaltung hatte. Auch er schafft es mit seinem Fahrzeug nicht, einen der Parkplätze zu erreichen. Er muss ausweichen auf einen Feldweg. Gut 500 Menschen haben sich mittlerweile vor dem Eingang zum Bunker versammelt. Ehrenamtler Klaus Lemke ist überrascht. Gemeinsam mit Bürgermeister Peter Reinhold Petersen beschließt er: „Ich mache viertelstündige Kurzführungen mit jeweils 50 Personen. Dann kommt jeder in den Genuss.“ Geduldig warten die Besucher, bis sich für sie die Tore zur unterirdischen Welt im Innern der zweithöchsten Erhebung Nordfrieslands öffnen.

Die Augen müssen sich an das schummerige Licht gewöhnen. Die Neonröhren an den Decken bringen nicht viel Helligkeit. Es riecht muffig. Die Luft fühlt sich feucht an. „Ein bisschen beklemmend, trotz der Größe“, stellt Heinrich Callsen aus Bremen fest. Schließlich ist die Fläche so groß wie zwei Fußballfelder. Doch die vielen Stützpfeiler und Eisentüren vermitteln den Eindruck von Enge. „Faszinierend, dass alles funktionsfähig ist“, staunt Lorenz Peter Feddersen aus Hattstedtermarsch. Bei Hans-Heinrich Marquardt aus Hamburg werden Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg geweckt. Er habe damals in einem allerdings viel engeren Bunker ausharren müssen.

Die Anlage auf dem Stollberg ist, so Lemke, Anfang der 1960er Jahre von der Bundeswehr für zivile Zwecke mitten in einer Kiesgrube gebaut worden – komplett mit Lazarett. Nach dem Mauerfall sei der Bunker geschlossen worden, das Inventar wurde Syrien überlassen. Von außen sind lediglich die Schächte der Lüftungsanlage und ein Notausstieg zu sehen. Bald werden sie aber von der sommerlichen Vegetation verdeckt sein.

„Ich bin überrascht, wie groß das hier unten ist. Mich beruhigt das. Im Ernstfall lässt sich das wieder aktivieren“, so der Struckumer Jörg Tessin. Er mache sich angesichts der politischen Weltlage schon Sorgen um die Sicherheit. Die 24-jährige Manuela Larsen aus Flensburg: „Ich hätte Angst hier reinzugehen, obwohl die Sauerstoffzufuhr gewährleistet ist.“ Lautes Getöse erschallt, als Lemke kurz die Belüftungsanlage laufen lässt. Sie habe von dem Tag aus unserer Zeitung erfahren und den Bunker als erstes Ziel auserkoren. Danach wolle sie ins Naturzentrum Mittleres Nordfriesland und sich über Deichbau informieren sowie das Ringreiter-, Schützen- und Ringradel-Geschehen in Högel verfolgen.

Eine Stunde zuvor hat der Tag in kleiner Runde in der Bargumer Mühle angefangen. Besitzer Thomas Carstensen zeigt den Besucher jeden Winkel des Domizils. Die Gäste aus der Pfalz wollen danach zu den Biogasanlagen in Bohmstedt und Sönnebüll sowie zum Grillen.

Am Ende zieht Carstensen ein positives Resümee. Er freue sich, dass alle 20 Gemeinden des Amtes sowie die Gemeinde Reußenköge mitgemacht haben. Eine bessere Werbung hätte es für die Region nicht geben können. Bei seinen Stippvisiten habe er durchweg positives Echo erfahren. Alle Führungen, wie beispielsweise durch die St.-Laurentius-Kirche Langenhorn, die Ockholmer Kirche, die Heimatmuseen Goldebek und Drelsdorf, das Amsinck-Haus, Haus Sprackelberg in Struckum, zu den Hügelgräbern Söbenbargen, durch das Naturschutzgebiet Lütjenholmer Heidedünen und den Garten von Petra und Dieter Franke in Joldelund, seien gut besucht gewesen. Das habe auch für den Dorfnachmittag mit Programm in Vollstedt und Goldebek gegolten. Der Aufwand habe sich gelohnt.








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