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Pole-Poppenspäler-Tage : Abschluss mit Rück- und Ausblick

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Mit einer Inszenierung der US-Puppenspieler-Ikone Eric Bass sowie der Bachelor-Arbeit der Figurentheater-Studentin Mirjam Ellenbroek sind gestern die Pole-Poppenspäler-Tage zu Ende gegangen. 6500 Besucher sahen in zehn Tagen 60 Stücke.

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erstellt am 23.Sep.2013 | 12:00 Uhr

Das Festival 2013 ist vorüber. Es lebe das Festival 2014. Doch selbst wenn der Termin für die nächsten Pole-Poppenspäler-Tage (12. bis 21. September) schon feststeht, ganz so schnell sollte die gestern zu Ende gegangene Spielzeit dann doch nicht abgehakt werden. Und völlig zu Recht wurden die ehrenamtlichen Initiatoren schon vor der gestrigen Matinée mit lautstarkem Applaus bedacht. Dank für ein zehntägiges Feuerwerk der Fantasie und Kreativität. Kein Wunder, dass einige die Pole-Poppenspäler-Tage auch als „fünfte Jahreszeit“ bezeichnen und dabei durchaus nichts Närrisches im Sinn haben.

Den Abschluss des Jubiläums-Festivals bildete gestern das Aufeinandertreffen zweier Puppenspieler-Generationen aus der alten und der neuen Welt. Da war zum einen der US-Amerikaner Eric Bass, der im Rahmen seiner Europa-Tournee in Husum Station machte – im Reisegepäck ein Programm, mit dem er bereits vor eineinhalb Jahrzehnten hier war, das aber nichts von seiner Aktualität und Intensität verloren hat. „Autumn Portraits“ sind Szenen aus dem Herbst des Lebens. Der mag unterschiedliche Gesichter haben, aber er erzählt immer und überall dieselbe Geschichte. Es ist Ernte-Zeit – und nicht nur höhere Mächte bestimmen, wie diese ausfallen wird, sondern auch und vor allem die Menschen selbst. Bass ist ein Geschichten-Erzähler, dessen Bilder tief ins Bewusstsein der Zuschauer eindringen, sie dort erreichen, wo diese sich gern mal hinter Beton und Stacheldraht verschanzen. Mit heiterer Melancholie gelingt es diesem Meister seines Fachs, unseren Blick von den Spuren in Nachbars Geharktem auf die eigenen Ziele, Wünsche und Träume, aber auch auf Enttäuschungen und Verwerfungen zu lenken. Und dann ist da ja noch Conferencier O’Neill – auch er kein junger Hüpfer mehr, und ob er jemals bessere Zeiten gesehen hat, bleibt offen. Aber wenn er das Publikum kollektiv zum Zwitschern bringt, segelt auch die geplagteste Seele davon wie ein Feder im Sommerwind. Und das mitten im Herbst des Lebens.

Zauberhaft, aber ganz anders Mirjam Ellenbroeks Märchen „Wortschatz“ – ein „Spiel mit Buchstaben und Worten“, das nicht nur seinem Titel, sondern auch dem Untertitel alle Ehre macht. Das Stück ist Ellerbroeks Bachelor-Arbeit an der Musikhochschule Stuttgart, wo sie Figurentheater studiert. Es erzählt die Geschichte eines Königs, der seine Tochter zwar permanent mit Buchstaben und Worten belädt, aber eben nicht mit ihr redet. Buchstaben und Worte sind die erklärten Stars dieser Inszenierung – jedenfalls soweit sie die Fantasie beflügeln und etwas zu sagen haben. Gespielt wird hinter, auf und unter einem Tisch (im Keller), wobei die Stuttgarterin dank einer 90-Grad-Doppel-Maske mit gesenktem Kopf in die Rolle des Königs und mit aufrechtem in die der Prinzessin schlüpft. Erst als Vater und Tochter das „Du“ entdecken, beginnen sie endlich, miteinander zu reden – „und wenn sie nicht gestorben sind, dann tun sie das noch heute“. Nicht jedes Märchen bleibt zwischen Buchrücken gefangen.

Wie mit diesen beiden Stücken zum Abchluss können Husums Poppenspäler genauso zufrieden sein mit dem Festival-Verlauf insgesamt. Zehn Tage lang wurde hier nicht nur höchstes Niveau, sondern auch manch schwer verdaulicher Stoff geboten, der nicht jedem behagen mag, aber doch Teil unseres Lebens ist und daher erzählt gehört. Aber nicht nur der Inhalt des 30. Festivals wusste zu überzeugen, sondern auch die Vielfalt der Darstellungsformen. Sei es „Die Dicke“, die Husums Bürgern als Walk-Act den einen oder anderen konsternierten Blick abnötigte, Raphael Mürles fantastische „Bilder einer Ausstellung“ nach dem gleichnamigen Musikstück von Modest Mussorgsky oder Detlef-A. Heinichen Theater-Version des Anders-Thomas-Jensen-Films „Adams Äpfel“. So darf es weitergehen. Aber Husums Poppenspäler sind selbstkritisch genug, um sich nicht auf Lorbeeren auszuruhen. Schon bald wollen sie sich treffen und schauen, „was wir noch besser machen können“, wie Birgit Empen vom Vorstand es ausdrückt.

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