Stau auf der Husumer Westtangente : Absage an ein „edles Provisorium“

Politiker und Vertreter der Stadt beim Ortstermin an der Kleikuhle. Im Hintergrund der Bahnübergang, der so viele Probleme bereitet.
Politiker und Vertreter der Stadt beim Ortstermin an der Kleikuhle. Im Hintergrund der Bahnübergang, der so viele Probleme bereitet.

Der Verkehrsfluss der Westtangente wird erheblich behindert, sobald der Bahnübergang geschlossen ist – aber Abhilfe zu schaffen ist schwierig. Eine Abbiegespur für sechs bis acht Autos ist mangels Platz nicht machbar.

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16. Juni 2015, 15:00 Uhr

Es ist ein ständiges Ärgernis für alle, die im morgendlichen Berufsverkehr die Westtangente befahren: Sobald die Schranken am Bahnübergang an der Kleikuhle geschlossen sind und Autos Richtung Dockkoog abbiegen wollen, entsteht wegen der extrem kurzen Abbiegespur ein Rückstau – und nichts geht mehr auf dieser wichtigen Verkehrsader. Wie kann man dem Problem begegnen, fragen sich die Mitglieder des Bauausschusses schon seit Monaten. Und trafen sich nun zum Besichtigungs-Termin am Ort des Geschehens.

Bei der anschließenden Beratung kristallisierte sich schnell heraus: Eine dauerhafte Lösung kann es momentan nicht geben, denn alles hängt davon ab, wann die Deutsche Bahn mit ihren Arbeiten für die geplante Verlegung des Übergangs beginnt. „Und das ist frühestens in vier Jahren der Fall“, sagte Klaus Lorenzen vom Bauamt. Das Ganze sei ein kompliziertes Unterfangen: „Erst einmal ist ein Planfeststellungsverfahren notwendig. Und dann ist die Strecke dort nur eingleisig. Wenn sie wegen der Bauarbeiten nicht befahrbar ist, muss ein Bus-Ersatzverkehr eingerichtet werden.“ Das könne aber auch noch zehn Jahre dauern, warf Dr. Ulf von Hielmcrone (SPD) ein. „Wir wissen ja nicht, ob die Bahn wegen der US-Konkurrenz im direkten Niebüll-Westerland-Verkehr nicht bald ihre Autozüge von Husum oder Hamburg fahren lässt.“ Das ergebe dann eine völlig neue Situation: „Dann können die den neuen Bahnübergang doch erst einmal gar nicht bauen.“ Aber irgendwann komme der bestimmt, erwiderte Lorenzen.

Mit zwei Varianten hatte sich der Ausschuss beschäftigt, um die Situation zu entschärfen: Eine Nutzung der derzeitigen Rechtsabbiegerspur als Durchfahrtspur oder die partielle Verengung von Fahrrad- und Fußweg auf der Ostseite der Straße. Gegen letztere legte Dr. Barbara Ganter (Grüne) sogleich Einspruch ein. Richtig zufrieden stellen konnten allerdings beide Varianten nicht, denn die Besichtigung hatte ergeben, dass der zur Verfügung stehende Platz immer nur vier bis fünf Autos zum Abbiegen aufnehmen könne. Wollen jedoch mehr in Richtung Dockkoog, gibt es bei geschlossenen Schranken sofort wieder den gefürchteten Rückstau.

„Wenn das alles ist, wird das zu teuer für den erzielten Effekt“, klagten SPD und SSW unisono. Kosten von 100.000 Euro hatte Lorenzen für die von ihm favorisierte Lösung auf der Westseite veranschlagt. „Wir brauchen doch aber gar keine dauerhaft haltbare Straße, sondern nur eine mit zehn Jahren Lebensdauer“, warf Alfred Mordhorst (CDU) ein. Ein „edles Provisorium“ sei doch ohne hohen Kostenaufwand möglich.

Mit dieser Idee konnte sich Lorenzen nun überhaupt nicht anfreunden. „Das wird eine Landesstraße, und die können wir nicht provisorisch, sondern nur nach den bestehenden gesetzlichen Bestimmungen bauen.“ Und egal wie: „Eine Abbiegespur für sechs bis acht Autos bekommen wir da einfach nicht hin.“

Am Ende war man sich untereinander weitestgehend einig: Ein Provisorium – auch ein „edles“ – sei keine echte Lösung. Und man müsse erst einmal abwarten, was die Bahn vorhat. Also: Wiedervorlage auf der Sitzung im September. Und es staut sich munter weiter.

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