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Mit eigenen Kreationen auf dem Markt : Abiturient gründet eigenes Mode-Label

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der 18-jährige Jaap Terheggen aus Husum-Schobüll war unzufrieden mit der aktuellen Mode. Von ihm entworfene Kleidung gibt es nun auch in Husum zu kaufen.

Jaap Terheggen lacht. Nein, ein Zen-Meister sei er nicht, aber das mit der negativen Energie stimme schon irgendwie, sagt er. Vor drei Jahren fasste der angehende Abiturient den Entschluss, negative Energie in positive umzuwandeln. „Ich war unzufrieden mit dem, was ich in der Mode-Branche zu sehen bekam“, betont der 18-Jährige.

Und was macht man, wenn der Markt nichts hergibt? Man wird selbst aktiv und frischt ihn auf. Ein Ergebnis ist das graue T-Shirt im Waffelmuster-Look der Marke „Good North“, das er auf den Tisch legt – seine Marke für den Sommer 2016.

Die Herbst-Winter- und die neue Sommer-Kollektion seien bereits in Arbeit, berichtet der junge Mann mit stylischer Brille auf der Nase und flotten Sneakers an den Füßen. Es gibt also auch Modisches, das ihm gefällt. „Sicher“, sagt Terheggen und bekennt, „Sneaker-affin“ zu sein. Aber so Manches geht aus seiner Sicht eben auch besser. Deshalb hat er im vergangenen November das eigene Label „All Good Everything“ gegründet – mit allem, was dazu gehört: von der Umsatzsteuerpflicht über die Mitgliedschaft in der Industrie- und Handelskammer bis zur Buchhaltung seiner Mini-GmbH, bei der ihm allerdings Mutter Isgard zur Seite steht.

Zu haben sind Terheggens Modeschöpfungen im eigenen Online-Shop (www.allgoodeverything.com), aber auch bei C. J. Schmidt. „Eigentlich hatte ich Peter Cohrs nur um ein Feedback bitten wollen“, erklärt Jaap bescheiden. „Doch dann hat er mir angeboten, die Sachen auch bei sich zu verkaufen.“ Da sagt man natürlich nicht Nein.

Das tut Terheggen indes umso entschiedener, wenn es darum geht, unter welchen Bedingungen seine Kreationen produziert werden. „Ich würde niemals in China produzieren lassen“, sagt er. Was dort geschehe, sei moderne Sklaverei. Gleiches gilt für die erschütternden Bilder von der eingestürzten Textilfabrik in Bangladesh 2013: „Das will ich weder mit mir noch mit meiner Marke verbunden sehen.“ Aber was ist aus seiner Sicht eine Alternative?

„Wenn es nur ums Geld beziehungsweise um die Produktionskosten ginge, gäbe es keine“, räumt Jaap Terheggen ein. Doch für ihn ist Qualität entscheidend. Und auf diesem Sektor habe der europäische Markt nach Jahrzehnten der Billigkonkurrenz wieder deutlich an Boden gewonnen. Terheggen hat für seine Kollektion einen Produzenten in Portugal, in Braga, unweit von Porto, gefunden. „Die sind günstig, aber qualitativ sehr gut“, sagt er.

Die Inspiration für seine Kreationen holt sich Jaap aus dem Internet. „Ich bin viel in Blogs unterwegs und schaue auch sonst, was im Trend ist.“ Aber vieles ist ihm dann doch zu sehr Mainstream: Die Marke „Gant“ zum Beispiel mag er, „aber alles in allem ist sie mir einen Tick zu schick“. Diesen Schick versucht er mit seiner Kollektion zu durchbrechen. Dabei ist es Jaap ungemein wichtig, Kontrolle über die gesamte Produktion, also auch über die Schnitte, zu haben. Der Waffelstoff zum Beispiel wurde eigens nach seinen Wünschen gefertigt. „Das Muster habe ich im Bereich der Thermo-Unterwäsche gefunden“, sagt er, „und wollte es etwas größer skaliert auf meine Mode übertragen.“

Oft geht es ihm auch um die Frage, wie man längst aus der Mode Geratenes „im coolen Sinne“ zurückholen kann. Definiere „cool“: „Das ist subjektiv“, räumt Terheggen ein. Aber im Grundsatz gehe es darum, aus den eigenen Empfindungen und Interessen Trends abzuleiten. Und das tut er dann auch.

Durch seinen einjährigen Aufenthalt im US-Bundesstaat Virginia hat Jaap zum Beispiel eine Vorliebe für die Skateboard- und Sneaker-Kultur, aber auch für die College-Drucke der US-Top-Universitäten entwickelt.

Mode-Designer will er trotzdem nicht werden, wohl aber ins Mode-Geschäft einsteigen. Und mal sehen: Vielleicht ergibt sich alles andere von ganz allein, und aus Jaap wird irgendwann vielleicht ein neuer Joop.

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