Bordelum : Abheben und landen wie die Großen

 Vorsitzender Günther Lönne zeigt, wie ein Modell (hier eine Focke-Wulf FW 189) entsteht.
1 von 2
Vorsitzender Günther Lönne zeigt, wie ein Modell (hier eine Focke-Wulf FW 189) entsteht.

Rund 100 Maschinen waren beim sechsten Flugtag der Modellfluggruppe Leck auf dem Bordelumer Platz zu bestaunen.

shz.de von
28. Mai 2018, 09:00 Uhr

Sie sind genauso faszinierend, wie die großen Vorbilder: die mit viel Liebe zum Detail erbauten Modellflugzeuge. Fast hundert unterschiedliche Flugkörper verschiedener Größen mit Elektro-, Benzin- oder Turbinenantrieb ausgestattet gab es im Rahmen der sechsten Flugtage der Modellfluggruppe (MFG) Leck auf dem Bordelumer Modellflugplatz zu bestaunen. Unterstützung erhielten die 27 Mitglieder mit ihrem Vorsitzenden Günther Lönne einmal mehr von Freiwilligen des Modellsportclubs Hamburg mit Vereins-Chef Norbert Trost. „Wir sind schon eine Familie geworden und kommen gern nach Bordelum. Einen so tollen Platz mitten in der Natur findet man kaum sonst irgendwo“, so Trost. Er sorgt für Sicherheit auf dem Gelände, hilft mit beim Auftanken der kleinen Maschinen, legt Hand an bei kleinen Reparaturen oder weist die Hobby-Piloten und -bauer ein.

Was seinen Kollegen Lönne aus Leck umtreibt, ist das Thema Mitgliederwerbung. „Wir bräuchten jüngere Leute und Jugendliche, aber es ist schwierig geworden. Da kann wohl jeder Verein ein Lied davon singen“, stellt er fest. Er hat als Hingucker sein neuestes Bauwerk, eine Focke-Wulf FW 189, mitgebracht. Das Original sei von der deutschen Luftwaffe als Nahaufklärungsflugzeug genutzt worden. „Daran baue ich schon ein Jahr, habe es leider nicht rechtzeitig geschafft. Ich dachte, ich zeige mal den Gästen, wie so ein Flugzeug entsteht, und ich hoffe, dass ich im Herbst meinen Jungfernflug machen kann. Darauf bin ich gespannt, denn es ist immer die Frage, ob ein neues Flugzeug richtig gut fliegt“, so Lönne schmunzelnd. 0,8 Millimeter Balsaholz verwende er, und alles müsse sauber verarbeitet werden. Dazu habe er schon immer Lust gehabt. Jeden Freitagnachmittag steht er auf dem Vereinsgelände parat, um junge und ältere Flugschüler auszubilden. Schließlich will es ja gelernt sein, sein Flugzeug mit der Fernbedienung zu beherrschen. „Bei uns lernen die Jugendlichen auch das Bauen von Modellen“, so Lönne.

Apropos Arbeit mit jungen Leuten: Vereinskollege Uwe Petersen aus Rantrum, ein ebensolcher Baufreak, erzählt, dass er etwa ein Jahr Modellflugbau im Rahmen der Offenen Ganztagsschule in der Bredstedter Grundschule angeboten habe. Sehr motivierte Kinder habe er gehabt, die auch schon die ersten Flugübungen mit Bravour gemeistert hätten, doch sie hätten nach und nach aufgehört. Das Interesse an Sport und dem Internet habe überwogen. Aber man wisse ja nie, ob sie nicht eines Tages wieder dabei sind. Jeder sei willkommen.

Interessierte werden vom Verein in jeglicher Hinsicht, auch finanziell, unterstützt. Beispielsweise werden die Fernbedienungen gestellt. Er selbst habe schon ganz viele Modelle selbst kreiert, berichtet Uwe Petersen. Bauanleitungen von namhaften Konstrukteuren finde man auch via Internet. Heute wolle er seinen neuen Euro-Fighter an den Start bringen und ansonsten zuschauen, was die Modellfreunde alles so auf das Rollfeld bringen.

Mit dabei ist auch wieder der Rentner Herbert Försterling aus Bredstedt mit seiner „Beriol“ – einem Flugzeug, das im ersten Weltkrieg eingesetzt wurde. Gebaut hat er es aus Sperrholz. Seit 1987 ist er aktiv. Bereits als Jugendlicher hatte Försterling das Modellfliegen für sich entdeckt. Heiko Mast aus Garding, der seit 40 Jahren dem Hobby frönt, ist mit seinem Selbstbau, dem polnischen Agrarflugzeug, einer Wilga-35 PZL angereist. Staunenden Blicken der Gäste und Fragen begegnet er gelassen.

„Das war ein toller Tag“, freut sich der Husumer Friedrich Hansen. Er hat sich vorgenommen, im Rentenalter sich mit Modellbau zu beschäftigen. In drei Jahren ist es soweit.


zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen