Breklum : Abenteuer Kirchensanierung

Sind mit dem Verlauf der Arbeiten zufrieden: (v. l.) Torsten Domnik, Simon Frömming und Olaf Jordt.
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Sind mit dem Verlauf der Arbeiten zufrieden: (v. l.) Torsten Domnik, Simon Frömming und Olaf Jordt.

Der erste Abschnitt – die Instandsetzung des Breklumer Kirchturmdaches – ist fast abgeschlossen. Die gesamte Baumaßnahme soll etwa zwölf Jahre dauern.

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06. Juli 2018, 12:00 Uhr

Pastor Simon Frömming und Torsten Domnik, Bautechniker im evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Nordfriesland, sind erleichtert: Der erste Abschnitt, die Sanierung des Breklumer Kirchturmdaches, ist bald abgeschlossen. Auch Olaf Jordt von der gleichnamigen Zimmerei und Dachdeckerei aus Neukirchen freut sich über das Erreichte. Bis hierher aber war es für alle schon ein langer und spannender Weg.

Olaf Jordt und Simon Frömming fahren, begleitet von Praktikantin Naemi Feist (16), mit einem Förderkorb etwa 30 Meter am Baugerüst in die Höhe. Von hier oben haben sie nicht nur einen unglaublichen Ausblick, man hat auch eine Vorstellung davon, was bisher geleistet wurde und noch an Arbeiten ansteht.

Olaf Jordt, Simon Frömming und Torsten Domnik erinnern sich an die zurückliegenden Wochen: Mit Verzögerungen hatten im Frühjahr die Arbeiten begonnen. Geplant war ursprünglich, den Turm im September einzurüsten. Domnik: „Dazu ist ein spezielles Gerüst notwendig, das nur wenige anbieten können.“ Doch die gute Konjunktur und das Wetter machte den Planern einen Strich durch die Rechnung, die Gefahr der Herbst- und Frühjahrsstürme war zu groß. So machte man sich auf die Suche nach einem Gerüstebauer, der angesichts des Baubooms noch freie Kapazitäten hatte. Der war im Frühjahr gefunden, sagte aber zwei Wochen vor dem Aufbautermin wieder ab. Und weiter ging die Suche.

Zeit spielt eine wichtige Rolle. Der Gerüstbauer benötigt etwa vier Wochen für das Aufstellen, berichtet Olaf Jordt. Zwölf Wochen bleibt es während der Arbeiten stehen, danach wird es abgebaut – aus Kostengründen und, weil für die weiteren Arbeiten bis zur Traufe ein Standgerüst ausreicht.

Beim Blick vom Turm gab es für den Zimmermann dann die nächste Überraschung. „Erst von hier oben kann man erkennen, welche Farben benutzt wurden und die genaue Stückzahl ermitteln.“ Verwendet wurden ursprünglich walisische Schindeln in den Farben rot, grün und schwarz. Torsten Domnik ergänzt, dass sie im Laufe der Jahrhunderte hier und da durch anderes Material, wie Faserzementschindeln aus Spanien, ersetzt wurden. „Auch hat man damals historisch nicht genau gearbeitet – aber das findet man in jeder Kirche.“ Das alles wirke sich jetzt auf die Finanzen aus. „Unsere Kostenschätzung belief sich nicht auf walisische Schindeln, sondern auf kanadische. Die Denkmalpflege aber schreibt walisischen Schiefer vor.“ Und das sei auch richtig so. Domnik: „Wir wollen zurück zu dem Alten – nicht nur bei der Dachdeckung, sondern auch bei dem Mauerwerk.“

Das Problem: Der Schiefer kommen aus einer Grube im britischen Wales. Aber wie gelangten er einst hierher? Olaf Jordt: „Früher wurden Rinder nach England verschifft, auf der Rückfahrt bestand die Ladung der Schiffe dann aus diesen Schindeln.“ Was einst eine Notlösung war, erweist sich heute als problematisch. Denn nur eine Firma hat in England mittlerweile die Abbaurechte, in Deutschland gibt es nur ein Unternehmen, dass von dieser Grube beliefert wird. Hinzu kommt, dass derzeit überall gebaut und saniert wird – das gilt auch bei Kirchen. Das wiederum wirkt sich auf die Preise, aber auch die Lieferfristen aus. Ständige Kommunikation und Verhandlungen führten zu Teillieferungen – schließlich zum Ziel. Weiterhin wurden an den Schallfenstern die Eichenhölzer ausgetauscht, die Klampenluken repariert und der Stahlbund überarbeitet. „Herr Jordt hat eine sehr gute Arbeit geleistet und viel aushalten müssen“, erklären Simon Frömming und Torsten Domnik.

Die Maßnahme möglich gemacht haben, und beide betonen das immer wieder ausdrücklich, die vielen Spender – nicht nur aus den sieben zur Kirchengemeinde gehörenden Dörfern, sondern auch aus der Umgebung. 17.000 Euro sind zusammengekommen – genau der Eigenanteil der Kirchengemeinde an dem ersten Bauabschnitt. „Das ist sensationell, wir danken herzlich für die Unterstützung“, sind Frömming und Domnik begeistert. Die Stiftung Kirchenbau hat 10.000 Euro beigetragen, der Rest der etwa 250.000 Euro wird aus dem Baufonds des Kirchenkreises bestritten. Eine große Summe, für die Frömming sehr dankbar ist „Das Geld ist ein Geschenk treuer Kirchenmitglieder.“ Denn der Baufonds ist für alle 70 Kirchengemeinden des Kirchenkreises zuständig. Ihm stehen jährlich aus Kirchensteuern 600. 000 Euro zur Verfügung. „Das Spendensammeln geht weiter“, sagt Pastor Frömming. „Die Gelder sind zweckgebunden für die weiteren Bauabschnitte.“ Dazu gehören Mauerwerke des Turmes und des Schiffes sowie das Kirchendach.

Zehn bis zwölf Jahre wird die Gesamtmaßnahme vermutlich dauern und rund 700.000 Euro kosten. Die Innenraumsanierung und die Orgel kommen noch einmal hinzu.

Am 12. August, 10 Uhr, informieren Simon Frömming und Torsten Domnik in einem Baustellen-Gottesdienst.

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