Bäcker auf grosser Tour : Abenteuer eines Wandergesellen

Seine Eindrücke und Geschichten fesselten die Dörpumer Landfrauen von der ersten Sekunde an: Daniel Lorenzen versteht es, lebendig zu erzählen.
Seine Eindrücke und Geschichten fesselten die Dörpumer Landfrauen von der ersten Sekunde an: Daniel Lorenzen versteht es, lebendig zu erzählen.

Bäckermeister Daniel Lorenzen aus Joldelund war dreieinhalb Jahre als Wandergeselle unterwegs und berichtete Landfrauen von seinen Erlebnissen. Dreieinhalb Jahre war er auf Tour und hat auch Australien bereist.

shz.de von
27. Januar 2015, 13:30 Uhr

Als Bäckermeister Daniel Lorenzen nach dreieinhalb Jahren „Tippelei“ zurück in seinen Heimatort Joldelund zurückkehrte, war er sehr reich. Nicht im Sinne von materiellen Dingen, sondern reich an Erfahrungen, die er unterwegs auf der Walz machen konnte. Die Erlebnisse in vielen Orten auf der Welt hat er zu Geschichten verpackt und erzählt diese vor Publikum. Sie sind sehr eindrucksvoll, denn der 29-Jährige hat die Gabe, Menschen durch seine authentische Art zu begeistern. So auch in Dörpum, wo er auf Einladung des Landfrauenvereins zu Gast war.

Im November 2008 begann für Daniel Lorenzen das Abenteuer, von dem schon als kleiner Junge geträumt hat: Auf die Walz gehen, so wie sein Onkel es getan und ihm davon Geschichten erzählt hat. In den ersten drei Monaten werden Wandergesellen von Alt-Gesellen begleitet – in Daniels Fall war es Steffi, eine Schreinerin aus Franken. Sie und weitere Handwerkerinnen und Handwerker holten ihn in Joldelund ab. Der Abschied von der Familie und Freunden war mit einem Fest verbunden, danach folgten Tränen – kurz bevor er ging, das Ortsschild überstieg und mit seinen überschaubaren Habseligkeiten ins Nirgendwo verschwand. Drei Jahre und einen Tag durfte er sich nicht näher als 50 Kilometer von seinem Heimatort entfernt aufhalten.

Erste Station war Bamberg, wo er kurzweilig wohnte und sich Geld in einer Bäckerei verdiente. Als der Postbote ihn nach einigen Wochen mit Vornamen kannte, wanderte er weiter. Das erste Jahr Weihnachten ohne Familie und heimelige vier Wände stand an und das war für ihn mehr als hart. Nach einem Telefonat in die Heimat wollte er nur noch dahin zurück, wurde aber von seinem Vater ermutigt, nicht aufzugeben. Das tat er auch nicht und erreichte nach drei Monaten die Eigenständigkeit, die sogenannte Ehrbarkeit, und war darauf „Stolz wie Bolle“.

Eine weitere Station war Wien, wo er mit Wandergeselle Patrick landete. Vom Dirigent der Wiener Staatsoper wurden sie eingeladen, sein Gast zu sein. Die beiden nahmen in typischer Kluft in den Reihen Platz und fielen natürlich dem elegant gekleideten Publikum auf. Für die beiden kein Problem, allerdings lautete Daniels Fazit nach dem Abend in der Oper: „Mir sind Rockkonzerte lieber.“

Überwiegend wurde er unterwegs gut behandelt, konnte viel in anderen Bäckereien lernen und genoss die Gastfreundschaft zahlreicher fremder Menschen. Sie hörten sich seine und er hörte sich ihre Geschichten an, wie beispielsweise von einem Banker aus Wiesbaden. Auch er lud den Wandergesellen ein, nahm ihn mit in ein Spitzenrestaurant und stellte ihn seinen Freunden vor. „Mein Haus, mein Auto, mein Garten. Sie erzählten sich von dem, was sie haben und fragten nicht nach, wie es dem anderen geht“, erzählte Daniel Lorenzen, der unangenehm berührt von der Oberflächlichkeit war. Der Banker schien alles zu haben und doch hatte er nichts, wie sich später in seinem Penthouse herausstellte. „Er fing an zu weinen, weil er keine Frau fand, die nicht nur sein Geld wollte, sondern die es nur ehrlich mit ihm meinte.“ Der Nordfriese begriff dadurch schnell, das Geld nicht alles im Leben ist. Er dagegen war sehr verliebt in Bine, die er in Bremen kennenlernte – und das zählt er zu einem seiner schönsten Erlebnisse während der Wanderschaft.

Die Liebe hielt an, auch als er in der Welt unterwegs war. Das Paar trennte sich allerdings vor anderthalb Jahren. Denn Bine kommt aus der Stadt und Joldelund ist ein Dorf. Als Bäckermeister weiß er um seine Verantwortung dem Betrieb und den Mitarbeitern gegenüber. Außerdem liebt er seinen Beruf und Nordfriesland – ein Umzug kommt für ihn daher nicht in Frage. Für Bine allerdings auch nicht. Dubai, Australien und Neuseeland sind nur einige Länder, die Lorenzen bereiste. Neben Tätowierungen an seinen Ellenbogen von den Maori, den Ureinwohnern Neuseelands, sind ihm zahlreiche Erinnerungen im Kopf geblieben. Der Joldelunder lässt Interessierte daran teilhaben, erzählt von den Begegnungen, Nächten unter freiem Himmel im Tausend-Sterne-Hotel, seiner ausschließlich fußläufigen Wanderung vom Bodensee nach Kiel, seinen Arbeiten, singt zwischendurch Lieder und beantwortet geduldig Fragen zu Stenz (Wanderstock), Deckel (Hut) und vielem mehr.

Vergangenes Jahr erzählte er von seiner Walz auf 40 Veranstaltungen, das Honorar spendete er. Derzeit ist er in seiner Freizeit in Argentinien unterwegs – allerdings nur musikalisch: Ein Tangokursus ist angesagt und zwar in Nordfriesland.

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