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Niedrigschwellige Beratung : Ab sofort gibt's ein anonymes Elterntelefon

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Diakonische Werk und der Kreis sind zwei der Partner für ein neues, vertrauliches und kostenloses Hilfsangebot, um Mütter und Väter in Not aufzufangen. Viermal in der Woche stehen neun geschulte Ansprechpartner zur Verfügung. Sie ersetzen keine amtliche Stelle und geben nichts an ein Amt weiter.

Um Punkt 17 Uhr wird es heute freigeschaltet: das Anonyme Elterntelefon Nordfriesland. Unter der Nummer 0800-0800670 können sich Schwangere, Frauen oder Männer mit kleinen Kindern, aber auch Familien beraten lassen, wenn sie Sorgen und Fragen haben oder ihnen Probleme über den Kopf zu wachsen scheinen. Viermal in der Woche stehen ihnen am anderen Ende der Leitung neun erfahrene und eigens dafür geschulte Ansprechpartner zur Verfügung, denen sie ihr Herz ausschütten dürfen, und die Wege aufzeigen, welche Lösungsansätze und Hilfsangebote möglich sind. Eine Hemmschwelle gibt es dabei nicht: Der Kontakt via Sorgen-Telefon ist vertraulich, anonym und kostenfrei.

„Nun legen wir los. Ich freue mich richtig“, sagt Susanne Baum. Sie ist im Diakonischen Werk Husum zuständig für den Bereich Beratung und Therapie für Familien sowie das von der „Aktion Mensch“ geförderte Angebot „Familie leben“. Romy Dobbert, Leiterin der Elternstarthilfe der Lebenshilfeeinrichtungen Niebüll GmbH (LENI) geht es ebenso. Denn es hat eine Weile gedauert, bis alle Hürden genommen waren, um mit dem Anonymen Elterntelefon und damit einem neuen regionalen Angebot der „Frühen Hilfen“ an den Start zu gehen.

Nachdem eine junge Husumerin vor eineinhalb Jahren gestanden hatte, fünf ihrer Babys getötet zu haben, „waren viele erschrockene Menschen zusammengekommen, um zu überlegen, wie es um unser Hilfesystem bestellt ist“, schildert Susanne Baum die Anfänge. Zwar war sich die Fachwelt schnell einig, dass sich solche Fälle nie ganz verhindern lassen und das Hilfe-Netz ausreichend ist. Aber einen Ansatzpunkt gab es dennoch: „Wir erreichen Menschen vor allem durch gute Vernetzung. Aber wir wissen nicht, für wie viele es eine Hürde ist, irgendwohin zu gehen“, erläutern Baum und Dobbert.

Zum Start der Kampagne „Vertrauen aufbauen! Hemmschwellen abbauen!“ war deshalb bei einer Podiumsdiskussion in Breklum die Idee eines anonymen und kostenlosen Sorgen-Telefons für werdende Familien und Eltern in Notsituationen vorgetragen worden. Das ambitionierte Ziel, dieses bereits zum Sommer 2013 einzurichten, ließ sich nicht realisieren. „Aber nun haben wir alle Schleifen gedreht“, sagt Susanne Baum.

Jetzt ist es soweit. Bei dem Projekt sind viele Partner mit im Boot – vom Kreis Nordfriesland, über die Diakonischen Werke Husum und Südtondern bis hin zur Lebenshilfe Husum, LENI und Kompass, eine gemeinnützige Gesellschaft für soziale Hilfen in Nordfriesland.

Das Anonyme Elterntelefon Nordfriesland soll in den nächsten Wochen überall im Kreisgebiet mit Hilfe von 60.000 knallgelben Flyern bekannt gemacht werden. Diese werden in Kindertagesstätten, Krippen, Kneipen, aber auch Sozialzentren und Behörden ausliegen. Allerdings, das betonen Baum und Dobbert: „Das Elterntelefon ist keine amtliche Stelle, und es wird auch nichts an ein Amt weitergegeben.“

„Es ist ein Test“, erklärt Romy Dobbert. Denn niemand weiß heute zu sagen, in welchem Umfang das mit vergleichsweise bescheidenen finanziellen Mitteln initiierte niedrigschwellige Angebot in Zukunft angenommen wird – eine gute Idee und einen Versuch wert ist es allemal.“

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