Zugausfälle auf Eiderstedt : Ab Montag soll es besser werden

Nur im Zwei-Stunden-Takt fuhren am Donnerstag tagsüber die Züge zwischen Husum und St. Peter-Ording.
Nur im Zwei-Stunden-Takt fuhren am Donnerstag tagsüber die Züge zwischen Husum und St. Peter-Ording.

Die Zugausfälle auf der Strecke Husum-St. Peter-Ording belasten seit Tagen die Kunden. Ursache ist Personalmangel.

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17. August 2018, 07:00 Uhr

Was sich zurzeit auf der Bahnstrecke Husum-St. Peter-Ording abspielt (oder eben nicht), „ist überhaupt nicht hinnehmbar“, das sagen sowohl St. Peter-Ordings Bürgermeister Rainer Balsmeier als auch Eiderstedts Amtsdirektor Herbert Lorenzen. Seit Tagen beklagen Bahnkunden, dass es auf dieser Strecke immer wieder zu massiven Zugausfällen kommt. Höhepunkt war der vergangene Montag (13. August), als die Strecke nur einmal von einem Zug bedient wurde und insgesamt zwölf Fahrten ausfielen. Am Donnerstag (16. August) wurde die Linie laut Fahrplan nur tagsüber im Zwei-Stunden-Takt bedient, für den Abend und die Nacht und ebenso heute sollten die Züge dann wieder im normalen Rhythmus fahren. So weit die Ankündigung.

Doch die Informationen der Deutschen Bahn, die für die Strecke derzeit zuständig ist, zum Eiderstedter Fahrplan haben so ihre Tücken, wie Regina Thoms-Zander aus St. Peter-Ording festgestellt hat. Sie ist auf die Bahn angewiesen, wie sie sagt. Nicht nur ganz persönlich, sondern auch weil sie Geflüchteten, die in St. Peter-Ording leben, hilft. „Die müssen in Husum zu ihrem Integrationskurs, da müssen sie den Zug um 7.30 Uhr nehmen. Wenn der ausfällt, müssen wir alles umorganisieren. Und das oft ganz kurzfristig. Denn am Abend heißt es im Fahrplan im Internet noch, dass der Zug fährt, und am nächsten Morgen fährt er dann doch nicht. “ Nein, auf die Fahrplanauskunft der Bahn vertraut Regina Thoms-Zander in diesen Tagen nicht. Wer keinen Zugang zum Internet hat und/oder nicht Deutsch kann, sei komplett aufgeschmissen. „Man kann nicht im Voraus planen, weil es keine Informationen gibt.“ Auf der Internet-Seite der Deutschen Bahn unter der Rubrik „Aktuelle Verkehrsmeldungen“ nachzuschauen, hilft auch nicht: Denn dort kommt Schleswig-Holstein gar nicht vor. Auf der Internet-Seite von Nah-SH (Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein) wird auch erst direkt im Fahrplan auf die Änderungen hingewiesen.

Der von der Bahn eingerichtete Schienenersatzverkehr ist nach Ansicht von Regina Thoms-Zander keine Lösung. „Der Bus fährt eine halbe Stunde früher, aber den schafft der nicht, der vom Zugausfall zu spät erfährt.“ Außerdem sei er für Gehbehinderte nicht nutzbar, und er komme in Husum zu spät an, um die Anschlusszüge zu erreichen. Das musste sie selbst am Montag erfahren, als sie früh mit der Bahn nach Neumünster zum Arzt wollte. Der Zug in St. Peter-Ording fiel aus. Gestern war das Problem noch größer: Sie wollte mit einem Flüchtling per Bahn nach Kiel. Er sollte dort operiert werden. Regina Thoms-Zander fragte am Montag bei Nah SH und bei der Deutschen Bahn an, ob der Züge führe – „ich habe nicht mal eine Antwort erhalten“.

Wie üblich bedauert die Deutsche Bahn die Unannehmlichkeiten für ihre Kunden. Die Zugausfälle beruhen auf Personalmangel im gesamten Bereich der DB Regio Nord. Wie eine Bahnsprecherin auf Anfrage unserer Zeitung erklärte, seien in der vergangenen Woche viele kurzfristige Krankmeldungen und zusätzliche Langzeitkranke zu verzeichnen gewesen. „Aufgrund der aktuellen Urlaubszeit lassen sich diese Ausfälle leider nur sehr unzureichend kompensieren.“ Sie verweist weiter darauf, dass bislang schon 20 zusätzliche Lokführer geschult worden seien, zehn davon in Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur. Zusätzlich seien in den vergangenen Monaten weitere Triebfahrzeugführer eingestellt worden, und es seien weitere Einstellungen vorgesehen. „Wenn die Eiderstedt-Strecke jetzt nicht richtig bedient werden kann, weil Personal fehlt, wirft das kein gutes Licht auf die Bahn“, erklärt Amtsdirektor Lorenzen, die seiner Ansicht nach insgesamt in Nordfriesland derzeit kein gutes Bild abliefere, wenn man an die Marschbahn denkt.

Nun fragen sich die Betroffenen, wie es in der kommenden Woche weitergeht, wenn die Schule wieder anfängt. Immerhin sind viele Eiderstedter Schüler auf den Zug angewiesen, um nach St. Peter-Ording oder Tönning zur Schule zu gelangen. Dazu die Bahnsprecherin: „Wir werden alles daran setzen, den Fahrplan umzusetzen.“ Bürgermeister Balsmeier hat von Nah SH erfahren, dass sich der Betrieb ab Montag wieder normalisieren soll. „Ich werde da auf jeden Fall mein Augenmerk drauf haben.“

„Mit dieser Unzuverlässigkeit holt man die Leute nicht vom Auto weg“, stellt Regina Thoms-Zander fest. Denn bereits in den vergangenen Monaten habe es immer wieder Zugausfälle auf der Eiderstedter Route gegeben.



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