Corona in Nordfriesland : Bund will fördern, Schulträger sind kritisch: Keine mobilen Luftfilter für Schulen in NF?

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Ein Luftfilter steht in einem Klassenraum an einer Grundschule: Werden die Geräte sich durchsetzen, oder ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein?
Ein Luftfilter steht in einem Klassenraum an einer Grundschule: Werden die Geräte sich durchsetzen, oder ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein?

Der Kreis Nordfriesland hat sich bereits im vergangenen Jahr intensiv mit dem Thema Luftreiniger an Schulen auseinandergesetzt. Überraschenderweise sehen die meisten Schulträger diese eher kritisch.

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15. Juli 2021, 15:55 Uhr

Nordfriesland | Lockerungen, Impffortschritt, Sommerferien: Ein wenig Gelassenheit und Normalität ist in den Corona-Alltag eingekehrt. Doch im Hinblick auf leicht steigende Zahlen, die Delta-Variante und die ungeimpfter Kinder un Jugendlicher schauen alle gespannt auf den Schulstart nach den Sommerferien. Im Fokus stehen sogenannte Luftfilteranlagen für Schulen. Mitte der Woche erklärte der Bund, den Einbau von Luftfilteranlagen an Schulen mit 200 Millionen Euro zu fördern. Schleswig-Holstein soll sieben Millionen bekommen.

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Doch die Diskussion um die Geräte ist nicht neu: In Nordfriesland wurde schon im letzten Jahr intensiv über den Einbau solcher Anlagen diskutiert. Im November 2020 beauftragte der Kreistag die Verwaltung, den Einbau solcher Luftfilteranlagen zu prüfen. Zudem wurden 200.000 Euro im Haushalt bereitgestellt, um die kreiseigenen Schulträger bei einem möglichen Einbau solcher Luftfilter zu fördern. Der Betrag wurde mit einem Sperrvermerk versehen, weil zunächst Lüftungsfachleute angehört sowie die Meinung der Schulträger eingeholt werden sollte.

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Und hier kam es zu einem überraschenden Ergebnis: Fast alle nordfriesischen Schulträger, inklusive der vier Leiter der kreiseigenen Schulen, sahen die Anschaffung von mobilen Luftfilteranlagen kritisch. So zu lesen in einer Vorlage aus dem März diesen Jahres.

Hohe Wartungskosten und gestörter Schulfrieden

Dort heißt es von Seiten des Schulleiters der Beruflichen Schule Husum, Michael Kwauka, etwa: „Wir sind den mobilen Luftfilteranlagen gegenüber höchst skeptisch. Wenn Sie das leisten sollen, was wir wollen bzw. müssten, würden hohe Anschaffungs-, Wartungs- und Energiekosten zu erwarten sein und das für 150 plus X Räume.“ Und: „Da halte ich das klassische Lüften und das Tragen von Masken, während der heißen Phase, für deutlich sinnvoller.“ Auch in Niebüll war man skeptisch, hier wurden ein zu hoher Lautstärkepegel angeführt, auch zweifele man daran, dass die hohe Zahl der Geräte überhaupt angeschafft werden könne. Zudem könnte es zu emotionalen Diskussionen kommen, wenn nicht alle Räume gleichermaßen ausgestattet würden. Das störe den Schulfrieden.

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Auch die Rungholtschule in Husum meldete der Verwaltung zurück, dass der Einbau solcher Anlagen keinen Sinn mache, weil ausreichend Möglichkeit zum Lüften bestünden. Ein weiteres Argument sei der Platzmangel in Klassenzimmern. Wie die Schule in der Stellungnahme mitteilt, würden mobile Raumlüfter nur zur Stolperfalle werden.

An der Carl-Ludwig-Jessen-Schule in Niebüll stünde man der Diskussion zwar offen gegenüber und würde einen Einsatz von Luftfilter begrüßen, sofern diese die lernhinderlichen Maßnahmen, wie das Tragen einer Maske oder ständiges Stoßlüften entfallen könnten. Aber: „Ich persönlich habe hier ganz große Zweifel, dass die Geräte das leisten können. Die Face to Face-Arbeit – und das ist ein ganz wesentlicher Teil der Arbeit am Förderzentrum (wickeln, füttern, körperlicher Kontakt zum Beruhigen, Anleiten …) – wird in Pandemiezeiten „uneingeschränkt eingeschränkt“ bleiben, teilt Schulleiter Florian Pagel mit. Auch Platzmangel in den Räumen und der zu hohe Geräuschpegel wurden genannt.

Land sprach sich zunächst gegen Lüftung aus

Die Schulträger der Schulen, die nicht in Trägerschaft des Kreises sind, bezogen sich eher auf Aussagen des Landes und einen Mangel an Fördermöglichkeiten: So hatte das Amt Nordsee-Treene den Einbau zwar in Erwägung gezogen und sich diesbezüglich auch mit dem Bauamt abgestimmt, das Vorhaben aber aufgrund mangelnder Fördermöglichkeiten wieder verworfen.

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Aus dem Amt Föhr-Amrum heißt es, dass die mobilen Luftfilteranlagen nicht geeignet sind, um Schulräume sinnvoll und wirksam zu betreiben. Allerdings seien gerade der Corona-konforme Betrieb von Raumlufttechnischen Anlagen (RLT-Anlagen) sowie die vielfältigen (Werbe-) Angebote und Anfragen hinsichtlich Lüftwäschern/Virenfiltern auch in unserem Hause und mit den Einrichtungen (Schule, Kiga, Museum) kontrovers diskutiert worden.

Theodor-Storm-Schule machte den Test

Auch die Stadt Husum sieht mobile Luftfilteranlagen nicht als Lösung, auch wenn diese das Infektionsrisiko senke würden, bleibe das Risiko der Tröpfcheninfektion. Kosten und Wartungsaufwand wurden ebenfalls angeführt. Allerdings gab es in Husum auch eine Ausnahme: So hatte die Theodor-Storm-Schule über ein Sponsoring sechs Geräte leihweise bis zu den Abiturarbeiten im Betrieb.

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Allerdings liefen diese nach Auskunft des Hausmeisters lediglich auf der kleinsten Funktionsstufe und wurden „somit nicht richtig wirksam betrieben, da in den höheren Schaltstufen die Lüftergebläse zu laut und somit störend für den Unterricht sind“, teilte die Schule mit.

Das Amt Viöl hatte sich ebenfalls gegen den Einsatz entschieden. Ebenso das Amt Südtondern, das hatte sich nach den Maßgaben des Landes gerichtet, welches den Einsatz damals nicht für zielführend hielt. Ebenso argumentierte der Schulleiter auf Pellworm.

Wie sich die sieben Millionen vom Land Schleswig-Holstein letztendlich in Form von Luftfilter in den Schulen wiederfinden, bleibt spannend. Ebenso die Frage, ob die Schulen aufgrund der Förderzusage ihre Meinung zum Thema Luftfilter geändert haben.

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