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Steigende Müllgebühren : 80.000 Haushalte müssen mehr zahlen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Leerung der grauen Tonne wird für Nordfrieslands Haushalte von Januar an um 4,7 Prozent teurer. Die Abfallwirtschaft im Kreis bleibt dennoch konkurrenzlos günstig.

Pünktlich zum Jahreswechsel wird vielerorts an der Preisschraube gedreht. Dies gilt auch für die Müllgebühren in Nordfriesland. Sie sollen von Januar 2016 an um rund 4,7 Prozent steigen. Formal fehlt noch die Zustimmung des Kreistages, der sich in seiner Sitzung am 11. Dezember mit dem Thema befassen wird. Diese gilt allerdings als sicher, zumal in der Abfallwirtschaft kostendeckend gearbeitet werden muss. Die höheren Gebühren für die Restmüllentsorgung via grauer Tonne treffen mehr als 80.000 Haushalte im Kreisgebiet. Tröstlich dabei: Für jeden einzelnen führt das unter dem Strich lediglich zu einer Mehrbelastung von wenigen Euro pro Jahr.

Für das Gros der Haushalte bedeutet die anstehende Gebühren-Anpassung konkret: Wer seine graue 60-Liter-Tonne alle zwei Wochen leeren lässt, zahlt künftig jährlich 68,76 statt heute 65,64 Euro. Bei einer 80-Liter-Tonne steigt die Gebühr von 87,60 auf 91,68 Euro. Keine Veränderungen ergeben sich bei den Gebühren für die braune Bioabfalltonnne sowie die Selbstanlieferung von Abfällen an der Sortierschleife in Ahrenshöft oder bei den Umschlagstationen im Kreisgebiet. Auch an der linearen Gebührenstruktur – ansteigend mit Volumen und nach Abfuhrhäufigkeit – wird festgehalten, zumal dieses Modell einen Anreiz zur Abfallvermeidung bietet.

In Nordfriesland sind jährlich fast 225 Millionen Liter Restabfall abzufahren und zu entsorgen. Insgesamt sind mehr als 70.000 graue Tonnen und bis zu 1100 Liter fassende Großbehälter im Umlauf. Die Gebühr für die graue Tonne umfasst auch die Bereitstellung und Abfuhr der grünen Papiertonne, die Sperrmüll-Entsorgung sowie die Kosten der Schadstoff-Sammlung.

Nachdem die Ausgleichsrücklage bereits 2013 aufgezehrt war und die Gebühren für die Restmülltonne im Folgejahr um mehr als ein Drittel erhöht wurden, müssen diese jetzt aus mehrerlei Gründen erneut angepasst werden. Zum einen sind Grundkosten gestiegen, zum anderen brechen wichtige Einnahmen weg: So lässt sich Altpapier zurzeit schwerer vermarkten als in der Vergangenheit.

Was aber in der Gesamtkalkulation der Abfallwirtschaftsgesellschaft Nordfriesland (AWNF) für die graue Tonne – insgesamt knapp zehn Millionen Euro – deutlich schwerer wiegt: Die Zinserträge aus der Rücklage für die Nachsorge der Deponie in Ahrenshöft schmelzen dahin. Die Geldanlage in Höhe von rund 25 Millionen brachte zuletzt etwa 800.000 Euro an Einnahmen pro Jahr, was letztlich die Gebührenzahler entlastete. Im neuen Jahr ist nur noch mit der Hälfte der Summe zu rechnen.

Dennoch steht Nordfriesland mit seiner Abfallwirtschaft und den günstigsten Gebühren landesweit nach wie vor sehr gut da. Das machten einmal mehr die Informationen und Beratungen im jüngsten Finanz- und Bauausschuss des nordfriesischen Kreistages deutlich, der die Gebühren-Anpassung ohne Kritikpunkte absegnete. Anderorts muss für die gleiche Leistung nämlich meist deutlich mehr berappt werden – ein Grund dafür, dass die Entsorgungsbranche insgesamt ins Visier des Bundeskartellamtes geraten ist. Schon der Blick nach Schleswig-Flensburg und Dithmarschen zeigt, dass die Nordfriesen wenig Anlass haben, über ihre Gebührenbescheide zu klagen: In den Nachbarkreisen muss für die Regelabfuhr einer gleich großen Tonne rund 50 Euro pro Jahr mehr bezahlt werden.

Während andere Kreise in Schleswig-Holstein private Partner mit ins Boot geholt hatten, war vor zwei Jahrzehnten in Nordfriesland die kreiseigene AWNF aus der Taufe gehoben worden. „Mit dieser Lösung sind wir damals einmalig gewesen und auch nach 20 Jahren hat sich das als gutes Vorgehen bewahrheitet“, sagte Bernd Petersen, zuständiger Sachbearbeiter aus dem Fachbereich Zentrale Dienste. In Ostholstein etwa versucht man bereits, das Rad zurückzudrehen und privatisierte Anteile zurückzukaufen.

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