Kreistag Nordfriesland : 53 Mandate oder doch noch mehr?

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Die Amrumer Nachwahl gibt am 27. Mai den Ausschlag, ob es bei 53 Abgeordneten im neuen nordfriesischen Kreistag bleibt.

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08. Mai 2018, 09:00 Uhr

Klassische Hochburgen werden weiter geschliffen, und die Vielzahl der politischen Gruppierungen lässt einen unwillkürlich an Weimarer Verhältnisse denken: Erstmals in der bald fünfzigjährigen Geschichte des Kreises Nordfriesland ist die Zahl der Akteure im Kreistag auf neun angewachsen, darunter acht Parteien und eine Wählergemeinschaft.

Dem neuen Kreistag, der am 29. Juni im Husumer Kreishaus zu seiner konstituierenden Sitzung zusammentritt, gehören 53 Abgeordnete an (siehe nebenstehend) – einer mehr als in der Wahlperiode zuvor. Je nachdem wie am 27. Mai die Nachwahl auf Amrum ausgeht, könnte diese Zahl jedoch noch um ein oder gar zwei Sitze steigen. Das ist – so kurios es zunächst klingt – aber nur dann der Fall, wenn Martin Drews als Kandidat der Christdemokraten den Wahlkreis gewinnen sollte. Da die CDU bereits mehr Direktmandate holen konnte als ihr aufgrund ihres Stimmenanteils zustehen, gibt es dann wohl weitere Ausgleichsmandate für die Mitbewerber im auf dem Papier eigentlich nur 45 Mitglieder zählenden Kreistag. Gewinnt auf Amrum Jürgen Jungclaus von der WG-NF – er zieht als Spitzenkandidat ohnehin wieder in den Kreistag ein –, wird sich an der Konstellation wohl nichts ändern.

Am Sonntag hatte die CDU 20 der insgesamt 23 nordfriesischen Wahlkreise gewonnen. Nur in zwei Fällen – in den Wahlkreisen Husum 3 und Husum 4 / Mildstedt – setzten sich die SPD-Kandidaten Jürgen Laage und Truels Reichardt durch. Am politischen Gefüge im Kreistag ändert sich denn auch nichts, die Mehrheit im Kreistag bleibt – wie schon seit zehn Jahren – bis 2023 bei den drei Jamaika-Fraktionen von CDU, Grünen und FDP.

Die CDU hat trotz leichter Verluste ihre Position als stärkste politische Kraft in der Fläche behauptet. Top-Werte erzielten der bisherige und wohl auch künftige Finanzausschuss-Vorsitzende Florian Lorenzen im Wahlkreis Viöl (54,7 Prozent) sowie der alte und bald auch neue Kreispräsident Heinz Maurus im Wahlkreis Sylt 1 (45 Prozent), wo die Sozialdemokraten gerade noch zweistellig blieben. Die SPD dümpelt meist im Mittelfeld. Nur im Wahlkreis Husum 2 musste sie sich mit 30 Stimmen Abstand knapp geschlagen geben. Die Grünen sind im Aufwind und haben fast durchweg zweistellige Stimmenanteile eingefahren. Ihr bestes Ergebnis erzielten sie mit 20,4 Prozent im Amt Pellworm. Während die FDP im Schnitt überall leicht zulegen konnte und die Linke ihren Stimmenanteil verdoppelte, mussten SSW und Wählergemeinschaft Nordfriesland leichte Verluste hinnehmen. Die AfD erhielt bei der Kreiswahl in Nordfriesland weniger Stimmen als im Landesschnitt. Allerdings war sie auch nur in 22 der 23 Wahlkreise angetreten. Ihr Spitzenergebnis erzielte sie mit 7,0 Prozent im Wahlkreis Husum 2. Die im Zuge der Klinikums-Debatte entstandene „Zukunft.NF“ punktete vor allem auf den Inseln und im Umfeld von Klinik-Standorten.

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