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Langer Segeltörn : 4300 Seemeilen zum Geburtstag

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Skipper Hermann Peters aus Friedrichstadt erfüllt sich einen Traum und segelt in 81 Tagen von Split nach Hause. Er und seine Crew müssen unterwegs einige Stürme bestehen.

Wenn er morgens den Wind heulen hört, packt ihn die Unruhe: „Dann will ich am liebsten gleich wieder raus auf See“, sagt Hermann Peters. Dabei ist er gerade erst angekommen: nach einem Törn von 4300 Seemeilen, der ihn an 81 Tagen durch sieben Länder führte. „35 Häfen sind wir angelaufen“, erzählt der 70-Jährige, der gemeinsam mit seinem Vetter Jochen Ludewig (75) und Manfred Schönwis (66) am 10. April im kroatischen Split in See stach. Dort lag die „Maja 1“, eine hochseetaugliche Bavaria 44, die Hermann Peters 2016 gekauft hatte und jetzt heim nach Friedrichstadt bringen wollte. „Dieser Törn war ein Traum, ein Wunsch, den ich mir zu meinem 70. Geburtstag erfüllt habe“, sagt Peters. Da Ehefrau Sonja auf keinen Fall mitwollte und der Vetter lediglich als Gast mitsegelte, inserierte der Skipper in einer Fachzeitschrift und fand in Manfred Schönwis Crew-Verstärkung. „Ich wäre sonst auch allein gesegelt“, meint Peters.

Für den Friedrichstädter wurde die Überführung seiner Yacht das bislang größte Segelabenteuer: „Meine weiteste Tour war vorher Stockholm gewesen.“ Und das ganz ohne GPS, nur nach Seekarten navigierend, machte sich die Crew auf den Weg: von Split nach Bari, um Sizilien herum, durch die Straße von Messina Richtung Sardinien und von dort über Menorca, Mallorca, durch die Straße von Gibraltar, an der portugiesischen und spanischen Küste entlang, durch den für seine starken Stürme berüchtigten Golf von Biskaya und entlang der französischen, belgischen und holländischen Küste, vorbei an den ostfriesischen Inseln Richtung Brunsbüttel. „Freitagmorgen um 3.30 Uhr waren wir dort“, berichtet Peters. Von Brunsbüttel ging es nonstop bis Friedrichstadt. Möglich war dies nur, weil die Schleusenwärter mitspielten: „Bei der Schleuse in Friedrichstadt hatte man sich in diesem besonderen Fall bereit erklärt, auch außerhalb der Dienstzeiten zu öffnen“, freut sich Peters. Als sie auf ihrem Liegeplatz beim Motorboot-Club der Grachtenstadt festmachten, wusste der Skipper eines mit Sicherheit: „Auf meine Maja ist Verlass. Das Schiff hat in allen Bereichen meine Erwartungen erfüllt.“

Ihre erste Bewährungsprobe absolvierte die Bavaria 44, die die Crew erst in Split seeklar machen musste, bereits in der Straße von Messina: „Wir hatten ein heftiges Gewitter, starke Strömung und regen Schiffsverkehr“, erinnert sich Peters. Zur Geduldsprobe wurde später die Strecke von Sardinien nach Menorca: „Wir segelten drei Tage lang bei Flaute.“ Auf Mallorca dann ein Malheur: Hermann Peters wurde die Brieftasche mit Pass und Kreditkarten gestohlen. Auf dem Konsulat von Palma bekam er zwar einen Ersatzausweis: „Aber nur für vier Wochen. Das reichte gerade mal bis Portugal.“ Ehefrau Sonja daheim in Friedrichstadt wusste Abhilfe: Sie kümmerte sich um Papiere und Kreditkarten und gab sie Bürgermeister Eggert Vogt und seiner Stammtisch-Truppe mit, da diese demnächst nach Alicante in Spanien aufbrechen wollten. Da auch Hermann Peters diesen Hafen auf seinem Törn-Plan hatte, klappte die Übergabe der Papiere reibungslos, und weiter ging’s Richtung Gibraltar. „Dort hielten wir uns in Küstennähe von Marokko, weil wir die für Gibraltar notwendige britische Flagge nicht an Bord hatten“, erklärt Peters. Später war die Biskaya erst mal „haarig“: „Aber da wächst man rein.“ Auch 5 bis 6 Windstärken beim Auslaufen aus den geschützten Häfen verloren schnell ihren Schrecken: „Sobald man draußen ist, tanzt man auf den Wellen. Das ist ein unbeschreiblich tolles Gefühl“, schwärmt der Skipper, der den Zwischenstopp in Barcelona in besonders schöner Erinnerung behält: „Und die vielen Delfine, die uns begleitet haben.“

Der alte Wikingerspruch „Gå På – Geh durch“ sei ihr Motto gewesen, sagt der ehemalige Industriekaufmann und Kneipenwirt von „Tiedes Hütt“ in Friedrichstadt und sinniert: „Ich glaube, meine Vorfahren waren Wikinger. Oder Piraten.“ Denn am wohlsten fühlt sich Hermann Peters auf See: „Und wenn das Wetter hier nicht besser wird, ist die Crew bereit, sofort wieder zurück zu segeln“, schmunzelt er.

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