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Flugabwehrraketengeschwader auf Übung : 350 Soldaten simulieren in Husum den Ernstfall

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Drei Tage lang üben die Soldaten des Flugabwehrraketengeschwaders 1 die Zusammenarbeit: Wie bei einem Orchester müssen die einzelnen Komponenten miteinander harmonieren

Bevor das Spiel ernst wird, nimmt Oberleutnant Nils Boieck noch einen Schluck Kaffee aus dem weißen Plastikbecher. Es ist kurz vor acht Uhr. Auch wenn er am Nachmittag noch ein paar Stunden schläft, hat er einen langen Einsatz vor sich. In der Nacht wird er seine Schicht führen, doch bis dahin ist noch viel zu tun. Der Mann mit dem Bart und der runden Brille ist Erkundungsoffizier – und damit der erste Soldat, der gestern den Truppenübungsplatz Schauendahl betrat. Dort findet noch bis morgen eine dreitägige Übung des in Husum beheimateten Flugabwehrraketengeschwaders 1 „Schleswig-Holstein“ statt.

Die Aufgabe ist fiktiv, die Arbeiten sind real. Die Geräte werden gen Südwesten ausgerichtet. Ziel der Übung ist es, einen Hafen (in dem erdachten Szenario ist es Tönning) und ein Kraftwerk (auf Nordstrand) zu schützen. „Wir simulieren einen Einsatz in einem verbündeten Nato-Land“, erklärt Boieck. „Die Infrastruktur ist vorhanden, die Verbündeten haben aber nicht unsere Fähigkeiten.“

350 Soldaten sind im Einsatz. Eine Übung dieser Größe hat es in Husum und Umgebung seit zwei Jahren nicht mehr gegeben. Drei Staffeln sind beteiligt: Je eine aus Husum – von der Flugabwehrraketengruppe 26 – sowie aus den mecklenburg-vorpommernschen Standorten Sanitz (FlaRak-Gruppe 21) und Bad Sülze (FlaRak-Gruppe 24). Eine Einheit übt in der Storm-Stadt, die zweite in Lütjenholm, die dritte in Heide – doch alle trainieren sie gemeinsam.

Auf dem Fliegerhorst Schwesing laufen die Information zusammen. Verantwortlich ist hier der Kommandeur der 26er, Oberstleutnant Andreas Noeske. Später wird er erklären: „Wir wollen Grundlagen vermitteln und das komplette Spektrum des Möglichen zeigen.“ Es geht um Ressourcen- und Personalmanagement. Wie müssen die Soldaten in bestimmten Situation reagieren? Welche Infos sind wie an wen weiterzugeben? Auch Schicht-Rhythmus und Übergaben müssen geübt werden. Noeske: „Wir spielen verschiedene Lagen durch.“ Etwa was zu tun ist, wenn ein Fahrzeug ausfällt, eine Antennenanlage defekt ist oder ein Soldat seinen Dienst quittiert und schlichtweg aufstehen und gehen will.

Die Uhr zeigt halb neun, als die 58 Soldaten der zweiten Staffel der FlaRak-Gruppe 26 mit ihrer Fahrzeugkolonne auf den Truppenübungsplatz biegen. Oberleutnant Boieck begrüßt die Soldaten in jedem Auto, bespricht letzte taktische Details. Alleine diese Staffel ist mit 43 Fahrzeugen unterwegs. Hintereinander aufgereiht und mit dem auf Straßen nötigen Abstand ist das sogenannte Marschband vier Kilometer lang. Würde die Kolonne durch den Elbtunnel fahren, wäre das erste Fahrzeug schon lange durch, wenn der Fahrer des letzten Gefährts den Tunnel erblickt.

Dann geht es schnell, die Soldaten kennen ihre Aufgaben. An der einen Stelle wird der Führungsgefechtsstand errichtet, an einer anderen die Fernmeldekomponente aufgebaut, ebenso die acht Abschussgeräte für die Lenkflugkörper. Die einzelnen Posten werden mit Stacheldraht vor Gegnern gesichert. Das Radar wird in Stellung gebracht. Dort ist die Strahlungsgefahr hoch: „Das ist wie bei
einer Riesen-Mikrowelle“, erklärt Oberleutnant Boieck. Am Eingang zum Gelände sind Schilder angebracht, auf denen steht: „Betreten verboten – Lebensgefahr!“ Es gilt ein Mindestabstand.

Ob alle Sicherheitsvorschriften eingehalten werden und die Übung zur Zufriedenheit der Bundeswehr verläuft, kontrollieren insgesamt 50 Bewerter mit spitzem Bleistift. Jeder Fehler wird festgehalten. Es ist eine spieltechnische Übung, aber es ist kein reines Spiel, denn das dreitägige Manöver ist gleichzeitig eine Überprüfung der Einsatzbereitschaft.

„Eine Übung wie diese ist jedes Mal neu und jedes Mal anders, weil die Konstellation der Soldaten nie gleich ist“, sagt Staffel-Chef Hauptmann Daniel Kleffner. „Jeder für sich beherrscht sein Instrument. Wir müssen aber zusehen, dass das Orchester auch gemeinsam harmonisch klingt.“ Beim Aufbau gab es „nur wenige Misstöne“, sagt Kleffner. „Und die sind ganz normal. Schließlich heißt das hier Übung und nicht Könnung.“ Dem stimmt Oberleutnant Boieck zu. Allerdings wird er alles dafür geben, dass möglichst wenig Fehler passieren. Denn dann kann er auch den nächsten Kaffee in Ruhe trinken.

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erstellt am 25.Mär.2015 | 11:30 Uhr

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