Ende einer Ära : 32 Jahre der Lehrer der Hallig-Kinder

Abschluss-Jahrgang: Lehrer Uwe Jessel mit seinen Schülern.
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Abschluss-Jahrgang: Lehrer Uwe Jessel (im Spielgerät) mit seinen Schülern der Halligschule.

Hallig-Lehrer Uwe Jessel verlässt Hooge. Der 64-Jährige hat zuletzt sieben Kinder von der ersten bis zur neunten Klasse unterrichtet. Seine Nachfolgerin ist Bianca Schümann.

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10. Juli 2015, 13:00 Uhr

Großer Bahnhof in der Schule auf Hooge. Das Gebäude war bis auf den letzten Platz besetzt: Schulrätin, Bürgermeister, Gemeindevertreter sowie Mütter und Väter gesellten sich zu den Schülern bei der offiziellen Verabschiedung des Hooger Schulleiters Uwe Jessel. Nach 32 Jahren packen der Nordfriese und seine Frau Renée Oetting-Jessel ihre Koffer. Das Ehepaar zieht auf das Festland. Genau wie es dessen drei Töchter vorgemacht haben.

Jedoch fiel es weder den Eltern noch den Mädchen leicht, als sie seinerzeit von der Hooger Schule auf die weiterführende Bildungs-Einrichtung in Niebüll wechselten. Nun sind allerdings Mutter und Vater im Begriff, der geliebten Hallig schweren Herzens den Rücken zu kehren. Sie ziehen an die Ostseeküste nach Eckernförde zu Freunden. „Wir kennen uns seit dem Studium, haben damals schon in einer WG gewohnt“, beschreibt Renée Oetting-Jessel einen Beweggrund in den Kreis Rendsburg-Eckernförde zu ziehen – zunächst in eine Wohnung. Ihr Mann hingegen unkt bereits, dass er beim ersten Landunter schnell wieder auf der Hallig sein möchte.

Die Geologin und der Lehrer beenden einen Lebensabschnitt, in dem Uwe Jessel beeindruckende Ergebnisse als Schulleiter auf der Hallig zurücklässt – aber die Erinnerungen mitnehmen kann. Auch seine Partnerin engagierte sich indem sie neben der Kindererziehung die Bücherei leitete, die im selben Gebäude untergebracht ist. Außerdem gab es noch einige Ehrenämter, die Renée Oetting-Jessel in den vergangenen mehr als 30 Jahren bekleidet hat.

Nordfrieslands Schulrätin Astrid Finger dankte dem scheidenden Schulleiter für seine Arbeit. Der 64-Jährige ging nach seinem Referendariat in Pinneberg sofort zurück nach Nordfriesland. Zunächst auf seine Geburtstinsel Sylt und dann auf die Hallig. Die Schulrätin bezeichnet Jessel als Elder Statesman. So wie Politiker benannt werden, die nach ihrem Ausscheiden aus einem hohen Staatsamt weiterhin große Hochachtung genießen. „Alt wird man äußerlich auf der Hallig nicht“, macht Astrid Finger dem Lehrer, der im August 65 Jahre alt wird, ein weiteres Kompliment zum Abschied.

Mit Jessel wurde auch die Schülerin Merle Dell Missier verabschiedet. Die 15-Jährige geht nach den Sommerferien in Husum auf das Hermann-Tast-Gymnasium. „Der Kapitän und der erste Steuermann gehen von Bord“ verglich der Schulleiter, als die Beiden zeitgleich das im Klassenraum drapierte Ruderboot verließen, in dem alle Mädchen und Jungen mit ihrem Lehrer vor den Besuchern eindrucksvoll ein Lied inszenierten. Merle verlässt gemeinsam mit ihrer Mutter Samar Sidani-Dell Missier die Hallig. „Aber meinen Vater besuchen wir so oft es geht“, betont das Mädchen. Dadurch, dass ihre Mutter sie begleitet, hatte die Gemeinde sogleich eine weitere Vakanz auszugleichen. Die Erzieherin Samar Sidani-Dell Missier war Leiterin der Kindertagesstätte auf Hooge. „Die Erziehrin Rosa Mertens zieht am 15. August auf die Hallig“, informierte Bürgermeister Matthias Piepgras sodann, dass bereits eine Nachfolgerin für die Kita gefunden wurde.

Für das Gemeindeoberhaupt und die Halliglüüd endet eine Ära, beschrieb der 60-Jährige, dass Hooge wohl einen Lehrer auf diese Dauer nicht mehr bekommen werde. Ein Halliglehrer sei für alles verantwortlich, setzte Piepgras nur ein kleines Schlaglicht auf die Arbeit des Lehrers. „Alle Halligkinder in der Schule und Kita sind so zusammengewachsen, was immer so bleiben soll“, dankte der Bürgermeister Uwe Jessel für dessen engagierte Arbeit. Die Schulrätin ergänzte: „Er hat es immer so toll gemacht. Abschließend trugen Bianca, Nick, Rike, Emma, Fynn und Melf mit Schlagzeug, Gitarre und Gesang ihrem Schulleiter mit so viel Inbrunst ein selbst komponiertes Lied vor – sodass kaum ein Auge trocken blieb.

Auch der Hallig-Pastor Martin Witte bedankte sich und sprach davon, dass seit den zurückliegenden Jahren die Kirch- und Schulwarft ganz dicht beieinander liegen. Gemeinsam sangen alle Anwesenden das Lied „Ins Wasser fällt ein Stein – der heimlich, still und leise seine weiten Kreise zieht.“

Zumindest konnte ein Kreis geschlossen werden. Denn: die Schulrätin informierte am Ende der Veranstaltung, dass zum neuen Schuljahr eine junge Kollegin die Nachfolge Uwe Jessels übernimmt. Bianca Schümann wird nach den Sommerferien ihren Unterricht als Schulleiterin beginnen.

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