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Information des Innenministeriums : 2000 Flüchtlinge nach Seeth

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Bis Ende des Jahres sollen in Seeth in der Stapelholmer Kaserne 2000 Flüchtlinge untergebracht werden. Darüber informierte das Landes-Innenministerium im Rahmen einer Einwohnerversammlung in Schwabstedt.

Etwa 300 Einwohner aus Seeth, Drage, Süder- und Norderstapel und Schwabstedt waren in die Mehrzweckhalle Schwabstedt gekommen, um an der von den Gemeinden zusammen einberufenen Einwohnerversammlung teilzunehmen. Das Thema Erstaufnahme-Einrichtung in Seeth war vielen wichtiger als das Qualifikationsspiel der Fußball-Nationalmannschaft gegen Irland. Kein Wunder, denn auch die Staatssekretärin des Innern aus Kiel, Manuela Söller-Winkler, sowie der Koordinator der Landespolizei, Joachim Gut, hatten ihre Teilnahme zugesagt. Und die vielen Einwohner waren nicht überrascht, dass die Kieler Politikerin das bestätigte, was Seeths Bürgermeister Wilhelm-Peter Dirks schon in seiner Begrüßung mitgeteilt hatte. Die Erstaufnahme-Einrichtung soll auf 2000 Plätze aufgestockt werden.

Doch zur Überraschung der Kieler Gäste blieb es im Saal relativ ruhig, wenn auch leichtes Murren zu hören war. Erfahrungen aus anderen Versammlungen dieser Art im Land hatte die Politik dazu bewogen, auch genügend Polizei in der Halle zu postieren. Doch, wie sagte Dirks schon zu Anfang: „Bi uns löpt dat friedlich, wi brukt keen Polizei.“

Der Bürgermeister der 600-Seelen-Gemeinde fühlt sich von der „hohen Politik“ verraten. „Wie soll ein so kleines Dorf mit so vielen Menschen klarkommen?“ Zudem beklagte er, dass entgegen der Zusage, Gemeinden mit einer Erstaufnahme-Einrichtung müssten keine zusätzlichen Flüchtlinge mehr aufnehmen, in Seeth demnächst 20 Asylsuchende untergebracht werden sollen. Die Staatssekretärin unterstrich allerdings, dass dies Sache des Kreises sei. Da müsse Dirks Landrat Dieter Harrsen, der dies öffentlich verkündete, in die Pflicht nehmen. Da sei das Land raus.

Bei den Bürgern der Gemeinden bedankte sich Manuela Söller-Winkler für die „hervorragende Arbeit, die von den vielen freiwilligen Helfern geleistet werde. Seeth ist ein Vorbild, so sollte es in den anderen Einrichtungen auch sein“, sagte sie.

Zur Begründung für die Aufstockung der Quartiere in der Stapelholmer Kaserne von anfänglich maximal zugesagten 600 auf nun 2000, führte sie den unaufhaltsamen Flüchtlingsstrom an. Täglich, so betonte sie, kämen rund 400 neue Asylsuchende nach Schleswig-Holstein. „Und wir können diese Menschen doch nicht unter Brücken schlafen lassen, wir sind es ihnen schuldig, ihnen ein Dach über dem Kopf zu bieten. Seeth bietet dafür ideale Voraussetzungen.“

Joachim Gutt, der aus Norderstapel stammt und in Husum die Schule besucht hat, unterstrich, dass er die Sorgen der Bevölkerung in der Region gut nachvollziehen könne. Er stellte auf Nachfrage klar, dass in allen Erstaufnahme-Einrichtungen des Landes die Kriminalität gen Null tendiere. „Aber, in einem Dorf mit 2000 Einwohnern leben auch nicht nur Gute.“ Und dann brachte er ein Beispiel. „In der überfüllten Neumünsteraner Einrichtung müssen die Leute teilweise bis zu drei Stunden für das Essen anstehen, da ist doch nachvollziehbar, dass es durchaus zu Spannungen kommen kann.“ Er forderte die Bevölkerung auf, bei Fehlverhalten der Flüchtlinge diese auch anzusprechen. Die Erfahrung habe gezeigt, dass Hinweise dankbar angenommen werden. Besonders der Vize-Bürgermeister aus Süderstapel, Rainer Langbehn, hatte nämlich darüber geklagt, dass dort, wo sich größere Gruppen von Asylsuchenden treffen, sehr viel Müll auf den Straßen liege.

Manuela Söller-Winkler sagte nach massiven Beschwerden über die Überlastung der vielen Ehrenamtlichen, dass das Land massiv die hauptamtlichen Stellen aufstocken werde. Kirsten Bohn, Vorsitzende des DRK-Ortsvereins Seeth, fragte sich allerdings, wie es bei einer Belegung mit 2000 Asylsuchenden weitergehen solle. „Mehr als 80 Helfer, wie mir zur Zeit zur Verfügung stehen, kann ich nicht ranholen. Wir sind alle schon an der Belastungsgrenze“. Peter Dirks ergänzte, dass auch eine Lösung gefunden werden müsse, wie die vielen Ehrenamtler bei der Stange gehalten werden können. Denn nicht jeder könne es sich auf Dauer leisten, täglich 100 Kilometer auf eigene Kosten zu fahren – nur um zu helfen. Die Staatssekretärin versprach, sich um diese Problematik zu kümmern.

Der DRK-Vertreter Lars Christophersen schilderte dann, was so alles in einer Erstaufnahme-Einrichtung zu erledigen sei, angefangen bei der Versorgung, bis hin zur Einkleidung. Mittlerweile gebe es eine Kindertagesstätte, einen Supermarkt und demnächst auch eine Schule, allerdings werde schon jetzt Deutschunterricht erteilt. Und, so Christophersen, es sei schon beeindruckend, wenn in der Turnhalle ein Syrer mit dem Iraker gegen oder mit einem Afghanen ein Spiel austrägt.

Die Aufstockung auf 2000 Plätze in der Stapelholmer Kaserne, so Gutt, werde sukzessive bis Ende des Jahres erfolgen, denn ein Teil, der Flüchtlinge müsse dann auch in Containern untergebracht werden – und die seien im Augenblick Mangelware.

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erstellt am 11.Okt.2015 | 08:00 Uhr

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