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Nordfriesland : 200 Hektar weniger für Windkraft

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Neue Regionalplanung bringt für Nordfriesland gravierende Änderungen. Und es gibt zwei Sonderregelungen in Südtondern. Die vier sichergestellten charakteristischen Landschaftsräume werden von Rotoren freigehalten.

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erstellt am 07.Dez.2016 | 12:00 Uhr

Die Details werden Windmüller, potenzielle Investoren und die Experten in den Kommunen noch über Wochen und Monate beschäftigen. Kritik an der gestern vorgelegten Windplanung für Schleswig-Holstein gibt es schon jetzt. Für den Planungsraum I, zu dem die Kreise Nordfriesland und Schleswig-Flensburg sowie die Stadt Flensburg gehören, sind nach dem Entwurf des neuen Regionalplans Vorranggebiete für die Windenergienutzung im Umfang von 12  137 Hektar ausgewiesen. Dies entspricht 2,89 Prozent der Gesamtfläche und spiegelt den Ist-Zustand mit intensiver Windenergie-Nutzung an der Westküste wider. Statt Eignungsgebieten wie in der gerichtlich gekippten alten Version des Regionalplans gibt es nun einerseits rund 11  000 Hektar Vorranggebiete für die Windenergie-Nutzung sowie andererseits 1137 Hektar mit Vorrang für das Repowering von Anlagen (0,27 Prozent) – zehn Jahre ab Wirksamkeit der Regionalpläne.

Nordfriesland hat nach Experten-Schätzungen künftig rund 7500 Hektar Flächen für die Windkraft-Nutzung – etwa 200 Hektar weniger als noch in den ehemaligen Eignungsgebieten, in denen die Gemeinden planerisch in gewissem Umfang steuern konnten. Das ist bei den neuen Vorranggebieten nicht mehr der Fall. Und „repowert“ werden darf eben nicht mehr an allen Altstandorten von Anlagen. Sondern nur in speziell für diesen Zweck ausgewiesenen Vorranggebieten – selbst wenn es sich, wie in Nordfriesland gang und gäbe, um Bürgerwindparks mit hoher Akzeptanz handelt. Ob sich durch die Neuausrichtung der Windplanung am Ende weniger Rotoren im Kreisgebiet drehen als bisher, muss sich zeigen.

Zwei Sonderregelungen in einer Größenordnung von rund 230 Hektar gibt es im gestern vorgelegten Entwurf für den Bereich Südtondern: Dabei geht es um zwei Trainingsanlagen für das Zentrum für die On- und Offshore-Windenergie (Offtec) im Bereich Enge-Sande sowie Areale im Umfeld der Bundeswehr-Anlagen Bramstedtlund.

Vor einem Windkraft-Wildwuchs bewahrt bleiben die vier als charakteristische Landschaftsräume eingestuften großen Gebiete, die der Kreis Nordfriesland weitsichtig als Landschaftsschutzgebiete vorläufig sichergestellt hatte (wir berichteten). Dabei handelt es sich um die Wiedingharde und den Gotteskoog, die Geest- und Marschlandschaften der Soholmer Au und der Arlau sowie die Eider-Treene-Sorge-Region mit einer Gesamtfläche von 38  620 Hektar, die von einer Windenergienutzung freigehalten werden.

Bereiche der Geest und Marsch sind nach Einschätzung der Landesplaner – mit der Ausnahme von Eiderstedt und der künftigen Landschaftsschutzgebiete – schon heute durch einen hohen Bestand von Windkraftanlagen geprägt: „Ein weiterer Zubau in diesen Bereichen war nur in untergeordnetem Maße raumverträglich möglich.“

Die CDU-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Astrid Damerow erwartet unterdessen, dass die neue Windplanung zu heftigen Diskussionen führt: „Es ist unverständlich, dass die Landesregierung plant, Gebiete, in denen bereits jetzt eine hohe Akzeptanz für Windkraft vorhanden ist, für Repowering nicht mehr vorzusehen. Dafür werden aber Gebiete neu vorgesehen, um die es bereits heftige Diskussionen bei der betroffenen Bevölkerung gibt.“ Der Bundesverband Windenergie (BWE) forderte gestern, mehr Modernisierungen von Anlagen zu ermöglichen und insgesamt mehr Flächen bereitzustellen.

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