Tote Tiere : 15 tote Lämmer in Eiderstedt – Geht der Wolf wieder um?

Bereits im September 2017 hat ein Wolf in Eiderstedt mehrere Lämmer und Schafe getötet.
Bereits im September 2017 hat ein Wolf in Eiderstedt mehrere Lämmer und Schafe getötet.

In Eiderstedt wurden in den vergangenen Tagen 15 Schaflämmer gerissen. Ob es ein Wolf war, soll eine DNA-Untersuchung klären.

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15. Juni 2018, 07:00 Uhr

Wenn Landwirt Peter Theodor Hansen morgens nach seinen Schafen und ihren Lämmern sieht, hat er ein ungutes Gefühl. Denn er weiß nicht, ob wieder der unheimliche Besucher da gewesen ist. Eine Woche ist es her, dass er auf einer Koppel mehrere tote Lämmer fand – mit Kehlbiss und aufgerissenem Bauch. Hansen kam ein schlimmer Verdacht: Hatte ein Wolf hier sein Unwesen getrieben?

Immerhin war in derselben Woche  in der Nähe von Uelvesbüll ein gerissenes Lamm gefunden und in Westerhever sehr dicht an einer Hofstelle ein wolfähnliches Tier gesehen worden (wir berichteten). Im ersten Fall steht der Nachweis noch aus, im zweiten Fall lässt sich nicht beweisen, ob es tatsächlich ein Wolf war.

DNA-Untersuchungs soll eine Erklärung geben

Landwirt Hansen meldete den Vorfall dem Landes-Wolfsbetreuer Jens-Uwe Matzen. Es wurden Proben von den toten Tieren genommen und an das Senckenberg-Institut in Frankfurt/Main geschickt.

Damit war die Sache für Hansen aber noch nicht ausgestanden. Denn auch am Dienstag und Mittwoch dieser Woche fand er auf seinen Koppeln tote oder schwerverletzte Lämmer. Insgesamt zehn Tiere wurden angegriffen. Immer nach demselben Muster: Kehlbiss und aufgerissener Bauch. Drei lebten noch, als Hansen sie fand, sie mussten eingeschläfert werden. Ein Lamm war in einem Graben ertrunken, ein weiteres am Schock gestorben, wie ihm der Tierarzt erklärte. Und besonders tragisch: Unter den Opfern war auch das Lamm seiner Tochter.  „Und das ist alles gar nicht weit vom Hof passiert,  die Koppeln liegen nur 200 bis 500 Meter entfernt. Dabei heißt es doch immer, dass der Wolf den Menschen meidet.“ 

Experte: Der Kehlbiss sei typisch für einen Wolf

Der Landwirt, der 150 Mutterschafe hält,  ist sich ziemlich sicher, dass sich ein Wolf an seinen Lämmern bedient hat. Ein Experte habe ihm gesagt, dass der Kehlbiss  typisch sei. Ein wildernder Hund würde eher in die Flanken beißen. Angespannt wartet Hansen  nun auf das Ergebnis der DNA-Untersuchung im Senckenberg-Institut, das  aber erst in ein paar Wochen feststehen wird. Die Kadaver wurden ins Landeslabor nach Neumünster gebracht.

Aber Peter Theodor Hansen ist nicht der einzige Betroffene in Eiderstedt. Auch Landwirt Harry Johns im benachbarten Sieversfleth (Gemeinde Tetenbüll) hat fünf Lämmer verloren. Sie wurden in der vergangenen Woche an mehreren Tagen gerissen, wieder mit Kehl- und Bauchbiss. Proben wurden eingeschickt.

Das nächtliche Aufstallen der Schafe kostet zu viel Zeit

„Man fühlt sich wehr- und machtlos“, sagt Hansen. Denn wirklich schützen kann er seine 150 Mutterschafe und Lämmer nicht. Seine Hunde haben zwar nachts Freigang, damit sie sofort Alarm schlagen können, wenn der Wolf auf den Hof komme. Die Schafe nachts aufzustallen, kommt wegen des Zeitaufwands für ihn nicht infrage.

Sollte es sich tatsächlich um einen Wolf handeln, würde ihm das Land einen Schutzzaun stellen, den er selbst aufbauen müsste. „Aber ich bräuchte für meinen Betrieb 20 Kilometer Zaun.“ Auch Herdenschutzhunde seien keine Lösung, er bräuchte 30 und die seien teuer. Völlig unrealistisch sei  die  Empfehlung eines Experten vom Wildpark Eekholt. Der habe ihm geraten den Wolf zu verscheuchen. „Aber ich kann doch nicht jede Nacht Patrouille gehen.“

Er kritisiert zudem die Entschädigungsrichtlinie des Landes. Demnach gebe es keine Entschädigung, wenn ein Wolf innerhalb von drei Wochen auf derselben Koppel zuschlage. „Außerdem ziehe ich meine Lämmer nicht auf, damit der Wolf sie frisst und um eine Entschädigung zu erhalten.“ Zudem werde nur der Zeitwert ersetzt.

2016 wurde der erste Wolf auf Eiderstedt nachgewiesen

Hansen und Johns sind sich einig: Der Wolf gehöre nicht in die Kulturlandschaft. Sie und ihre Familien belastet die unsichere Situation und das Leid der Tiere auch zunehmend psychisch. Sie glauben, dass ein Wolf sich auf Eiderstedt irgendwann mal niederlassen könnte, immerhin sei der Tisch angesichts der vielen Schafe reich gedeckt. „Es heißt zwar, dass der Wolf weiterzieht und bis zu 50 Kilometer pro Nacht zurücklegt“, so Hansen. „Aber was ist, wenn der Wolf auf Eiderstedt im Kreis läuft?“

 

Der erste Vertreter dieser Art in Eiderstedt wurde 2016 nachgewiesen. Im September 2017 riss ein Wolf neun Schafe und Lämmer in Kirchspiel Garding und Poppenbüll (wir berichteten). Im Mai wurden mehrere Wolfsrisse in Dithmarschen gemeldet.

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