Wettbewerb in Schleswig-Holstein : 12.000 Kondome im Erdbeer-Pack

Holte den ersten Preis für ihre Schule: Marlene Spaude (M.), umringt von ihren Klassenkameraden, sowie Schulleiter Hans Ferdinand Sönnichsen, Katrin Samulowitz, Dr. Petra Schulze-Lohmann und Kunstlehrerin Elke Knaack (v. l.).
Holte den ersten Preis für ihre Schule: Marlene Spaude (M.), umringt von ihren Klassenkameraden, sowie Schulleiter Hans Ferdinand Sönnichsen, Katrin Samulowitz, Dr. Petra Schulze-Lohmann und Kunstlehrerin Elke Knaack (v. l.).

Die 15-jährige Marlene Spaude setzt sich mit ihrer Idee beim Landes-Wettbewerb gegen 279 Konkurrenten durch. Schrille Verpackungen sollen die Prävention erleichtern.

shz.de von
24. Juli 2015, 15:00 Uhr

Wer sagt denn, dass Kondom-Verpackungen immer langweilig sein müssen? „Süße Früchte“ hat Marlene Spaude (15) ihren Entwurf genannt. Die gelbe Papphülle ist mit Trauben, Bananen, Äpfeln und Kirschen bedruckt. Klappt man das Mäppchen auf, purzelt das verschweißte Kondom heraus. Die Innenseite zeigt eine Erdbeere, über die ein Präservativ gestülpt ist und den Schriftzug „Unent-beer-lich“.

Mit dieser Idee hat die Schülerin der Gemeinschaftsschule eine Jury überzeugt und den 1. Platz des Kondomwettbewerbs Schleswig-Holstein, eine Initiative der Aidsfachkräfte und der Landesvereinigung für Gesundheitsförderung, nach Niebüll geholt. Insgesamt waren 280 Entwürfe eingegangen.

Dr. Petra Schulze-Lohmann von der Landesvereinigung überbrachte gemeinsam mit Katrin Samulowitz von der Aids-Hilfe Sylt „aktHIV für Nordfriesland e. V.“ kurz vor den Ferien die Urkunde. Sie hatten auch einen Stoffbären sowie die finanzielle Belohnung im Gepäck. Der 1. Platz ist mit 150 Euro dotiert. „Deine Kondome werden jetzt in ganz Schleswig-Holstein verteilt“, so Katrin Samulowitz zur Preisträgerin. Von den kleinen Kondom-Päckchen, die Marlene Spaude entworfen hat, sind insgesamt 12.000 Stück hergestellt worden. 1000 werden alleine in Nordfriesland „unter das Volk“ gebracht, beispielsweise an Schulen und in Jugendzentren oder bei der Aids-Gala auf Sylt. Man werde sie mit bedacht verteilen, ergänzt Samulowitz. „Die Kondome sind begehrt.“ Sie würden wegen ihrer jährlich wechselnden Motive auch gesammelt, doch dafür sind sie natürlich nicht gedacht. „Sie sind zu wertvoll, um Wasserbomben daraus zu machen. Ziel ist es, dass die Jugendlichen die Kondome benutzen.

Schulleiter Hans Ferdinand Sönnichsen freut sich das Engagement seiner Schüler – und ist auch stolz auf deren Erfolg. Zum fünften Mal wurde der Wettbewerb landesweit ausgeschrieben, vier Mal gingen Preise nach Nordfriesland, drei Mal an „seine“ Gemeinschaftsschule nach Niebüll. Und das alles für eine gute Sache, denn Sexualität, übertragbare Infektionen und das Thema Aids sind nach wie vor wichtige Themen, und das nicht nur in den 9. Klassen, macht Samulowitz deutlich: „Wir wollen mit dem Wettbewerb erreichen, dass ihr euch mit dem Thema auseinandersetzt, offen darüber redet – nicht nur im ‚Stillen Kämmerlein‘. Es soll euch nicht peinlich sein.“

Kunstlehrerin Elke Knaack hat sich in etlichen Unterrichtsstunden gemeinsam mit den 24 Schülern des Wahlpflichtkurses Kunst den Entwürfen gewidmet. Dabei mussten sie einige Regeln einhalten. So sollte die Botschaft klar und deutlich sein. „Das Äußere der Verpackung soll sich auf das Innere beziehen.“ Man liest also wie in einem Buch. Gewaltmotive sind verboten, die Text müssen gut lesbar sein, und auch bei der Farbgebung müssen Vorgaben eingehalten werden. Außerdem soll man nicht auf den ersten Blick sehen, dass es sich um Kondome im Inneren handelt. Schulze-Lohmann: „Auch sollten um jeden Preis ‚erhobene Zeigefinger‘ vermieden werden.“

Der zweite Preis ging übrigens nach Kiel, den dritten Preis holte sich Tade Gravert von der Nordseeschule in St. Peter-Ording. Katrin Samulowitz mit Blick auf die Teilnehmer: „Es ist ein gutes Zeichen, dass so viele Schulen hinter der Aktion und dem Wettbewerb stehen.“


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