Sozialverband Husum : 100 Jahre für den sozialen Frieden

Kurt Modemann, Karl-Heinz Möller, Hans Böttcher und Anna Mommsen.
Kurt Modemann, Karl-Heinz Möller, Hans Böttcher und Anna Mommsen.

Der Sozialverband Husum feiert am Wochenende seinen 100. Geburtstag.

shz.de von
06. November 2018, 16:54 Uhr

„Wir kämpfen immer noch“, sagt Hans Böttcher. Unermüdlich setze sich sein Verein für soziale Gerechtigkeit ein: „Für bezahlbaren Wohnraum, für eine würdige Pflege, gegen Kinder- und Altersarmut und für ein angemessenes Rentenniveau“, führt der Vorsitzende des Sozialverbandes Ortsverband Husum aus. Der 77-Jährige ist seit 28 Jahren Vorsitzender des SoVB-Ortsverbandes Husum, der am Sonnabend, 10. November, in der Messe Husum & Congress seinen 100. Geburtstag feiert.

2706 Mitglieder betreuen Böttcher und seine aktiven Kollegen. „Gemeinsam sind wir stark“ – das ist für ihn und seine Mitstreiter nicht nur eine politische Parole, sondern eine Maxime. Egal, ob es um Fragen zur Rentenversicherung oder zur Pflegebetreuung geht – die Ehrenamtlichen versuchen, durch die Bürokratie hindurch zu helfen und Kontakte zu vermitteln. Dabei betreuen sie auch Mitglieder anderer Verbände, beispielsweise des Mieterbundes – „wir sind gut vernetzt, das finde ich sehr wichtig“, sagt Böttcher.

Doch der Sozialverband in Husum macht noch mehr: „Wir sind bei allen großen Volksfesten vertreten“, sagt Vorstandsmitglied Karl Heinz Möller. Umfangreiche PR-Arbeiten gehören für die Ehrenamtler genauso dazu wie persönliche Gratulationen und Krankenhausbesuche. „Die Menschen freuen sich darüber“, bestätigt Anna Mommsen, ebenfalls Vorstandsmitglied im SoVD-Ortsverband. Für strahlende Gesichter und schöne Erinnerungen sorgen auch die regelmäßigen Nachmittage in Gemeinschaft sowie Lotto-Veranstaltungen, Grünkohl-Essen, Ausflüge und Reisen.

Zur Geburtsstunde am 18. Oktober 1918 nach Ende des Ersten Weltkrieges war an Grünkohl-Essen noch nicht zu denken. Kriegsversehrte und Witwen gründeten den Reichsbund der Kriegs- und Wehrdienstopfer, um ihren Forderungen Gewicht zu verleihen. Mit Erfolg: Binnen weniger Jahre wuchs der Verband zu beachtlicher Größe heran. Nachdem der Reichsbund während der NS-Zeit mit all seinem Vermögen und Strukturen einverleibt worden war, begann 1946 der Neustart. Es gab erneut Kriegsversehrte, doch schon bald schlossen sich dem solidarischen Bund auch Ältere oder Menschen mit Behinderung an. Fortan beriet der Verband vor allem in sozialen Belangen, sodass 1999 der Name in Sozialverband geändert wurde.

Der Einsatz der Ehrenamtlichen erfordert viel Zeit und Gemeinschaftssinn, aber auch „die Unterstützung durch den Partner. Ohne geht es nicht“, weiß Mommsen. Seit einiger Zeit drückt jedoch genau an dieser Stelle der Schuh: „Wir haben zwar sehr viele Mitglieder, aber uns fehlt der Nachwuchs in ausübender Tätigkeit“, sagt Karl-Heinz Möller. „Wir sind auf Freiwilligkeit angewiesen“, betont auch Böttcher. Ohne die ist der gemeinsame Kampf gefährdet. Hans Böttcher hat für die Zukunft schon einen Plan: „Ich möchte verstärkt Hospitationen anbieten, damit die Leute unsere Arbeitsweise kennen lernen können.“

Bis dahin werden die Aktiven des großen Vereins sich auch weiterhin persönlich für andere einsetzen – und vielleicht hier und da in die Welt tragen, dass soziale Gerechtigkeit keine Selbstverständlichkeit ist.

>Die Jubiläumsfeier beginnt am Sonnabend, 10. November, um 10 Uhr mit einem Festakt in der Messe Husum & Congress. Ab 13 Uhr wird ein Bunter Nachmittag mit Bauchredner Jörg Jara und der Musikband In2Parts geboten. Nichtmitglieder und Begleitpersonen können Karten in der Buchhandlung Liesegang in Husum erwerben.

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