Ein Artikel der Redaktion

Vertrag mit Universität Sonderburg Grenzenloser Wissenstransfer

Von Torsten Beetz | 16.12.2014, 13:00 Uhr

Der Kreis Nordfriesland und die Kommune Tondern kooperieren mit der Süddänischen Universität Sonderburg – und wollen jungen Menschen in der Region neue Perspektiven aufzeigen.

Landrat Dieter Harrsen formulierte es kurz und bündig: „Die größten Chancen haben wir, wenn wir die Grenze gar nicht wahrnehmen.“ Damit spielte er auf die vielfältigen Formen der deutsch-dänischen Zusammenarbeit an – sei es bei diversen Förderprogrammen oder bei Fragen um die Verkehrsinfrastruktur. „Wir spüren, dass wir stärker sind. Dass wir eher wahrgenommen werden.“ Am Montag (15. Dezember) schlossen Harrsen und Vertreter der Süddänischen Universität (SDU) einen Kooperationsvertrag ab, der jungen Menschen in der Region neue Perspektiven eröffnen und zugleich die Wirtschaft fördern soll.

Zwar gebe es schon hervorragende Ausbildungsmöglichkeiten in der Region. Und schon jetzt kooperiere der Kreis mit Universitäten und Fachhochschulen in Flensburg und Heide. Doch die jetzt beschlossene Kooperation mit der Universität in Sonderburg sei die „Krönung“ der Bestrebungen. „Sie stellt einen Beitrag zur Vorbeugung des Fachkräftemangels dar, wenn unser Nachwuchs in der Region eine qualifizierte Ausbildung machen kann und anschließend auch einen adäquaten Arbeitsplatz findet“, so Harrsen.

Der Leiter des Mads-Clausen-Instituts an der SDU, Professor Dr. Horst-Günter Rubahn, gab zu, dass der Universität oft der Zugang zur Wirtschaft fehle. Mit der Kooperation werde dem entgegengewirkt. „Wir freuen uns, wenn wir Kontakte auch zu kleinen Handwerksfirmen bekommen, die uns eine praktische Aufgabe stellen. Auf diese Weise erhalten unsere Studenten einen direkten Bezug zur Praxis und sehen den direkten Erfolg ihrer Arbeit“, sagte Rubahn bei der Vertragsunterzeichnung im Husumer Kreishaus. „So etwas verursacht keinen riesigen Aufwand. Formulare und Bürokratie sind uns fremd.“ Das Mads-Clausen-Institut mit dem Schwerpunkt Ingenieurswissenschaften an der Technischen Fakultät der SDU befasst sich mit innovativer Mechatronik, Design und Wirtschaftswesen. „Dabei achten wir darauf, Forschung, Ausbildung und Industriekontakte eng zu verknüpfen. So können sich unsere Studenten mit industrie- und forschungsrelevanten Fragestellungen auseinandersetzen und gleichzeitig den Betrieben in der Region nützen“, so Rubahn.

Wenn ein deutscher Unternehmer es möchte, laufen alle Kontakte über die Wirtschaftsförderungsgesellschaft. „Jedes Unternehmen – ob groß oder klein – aus jeder Branche kann sich an uns wenden, wenn es in seiner Arbeit auf eine Hürde stößt, die mit einem Forschungsprojekt oder Unterstützung von Studenten überwunden werden kann. Wir stellen dann die Kontakte her und begleiten den gesamten Prozess“, so Dr. Matthias Hüppauff, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordfriesland.

Mit der Kooperation will die SDU zugleich ihre Studiengänge bekannter machen. „Den norddeutschen Bereich haben wird ein wenig stiefmütterlich behandelt“, so Rubahn, der sich erhofft, dass die Universität in Sonderburg durch das Projekt mehr in den Fokus von Schülern an der Westküste gerät – nicht nur, weil an „seinem Haus“ keine Studiengebühren gezahlt werden müssen.

In den nächsten Monaten will die Wirtschaftsförderungsgesellschaft den Vertrag mit Leben erfüllen, indem sie zunächst Kontakte zwischen der SDU und dem Nordfriesischen Innovations-Center in Niebüll, den Beruflichen Schulen des Kreises Nordfriesland in Husum und Niebüll sowie den nordfriesischen Gymnasien herstellt.

Vorteile verspricht sich auch die dänische Kommune Tondern, die ebenfalls einen Kooperationsvertrag mit der SDU unterzeichnete. „Das Innovationshaus in Tondern wird Drehpunkt unserer Kooperation sein. In diesem Haus werden junge Menschen mit Innovations-Prozessen arbeiten und zwar mit Ausgangspunkt in praktischen Themen der Unternehmen“, erklärte Bürgermeister Laurids Rudebeck. „Dass wir dabei auch grenzüberschreitend denken, ist für uns selbstverständlich.“