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Husum Gnadenhochzeit im Hause Dierks

Von hjm | 18.11.2020, 13:00 Uhr

Sieben Jahrzehnte lang gehen Ruth und Werner Dierks schon gemeinsam durchs Leben

Wir schreiben das Jahr 1950, als der Bundestag den Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zum Europarat beschließt. Konrad Adenauer war gerade mal seit einem Jahr Bundeskanzler. Ruth und Werner Dierks erinnern sich noch sehr gut an dieses aufregende Jahr. „Wir haben am 18. November 1950 geheiratet“, sagt Werner Dierks.

Heute feiern die beiden 92-jährigen Jubilare ihre Gnadenhochzeit. Zu gerne hätten sie dieses außergewöhnliche Fest im großen Kreis gefeiert, so wie damals ihre Goldene Hochzeit. Doch Corona habe ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht: „Wir werden im kleinen Familienkreis in den eigenen vier Wänden feiern“, erklärt Ruth Dierks. Dazu gehören die beiden Töchter und ein Sohn mit Enkel und einem Urenkel. „Wir waren gerade mal 20, als wir uns beim Tanzen kennen gelernt haben“, erinnern sich die beiden. Von Oldersbek fuhr er mit dem Fahrrad zu seiner Angehimmelten nach Rantrum. Bei Bekannten haben sie in einer Scheune das Tanzen eingeübt, begleitet von Akkordeonmusik. „Wir waren 22 Jahre, als wir gut vier Wochen vor Weihnachten geheiratet haben“, erinnert sie sich.

Während der ersten Ehejahre wohnten sie bei seinen Eltern in Oldersbek, bevor sie in Husum eine kleine Wohnung beziehen konnten. „Selbst fünf Jahre nach dem entsetzlichen Krieg herrschte immer noch zum Teil bittere Armut und wir hatten nicht viel und noch weniger Geld“, erinnert er sich. Alles hätten sie sich hart erarbeiten müssen. Und zur Veranschaulichung ihrer Situation beschreiben sie ihre kleine Wohnung, die sie mit ihren drei Kindern bewohnten. „Wir hatten in der Wohnung kein fließendes Wasser, geschweige denn eine Toilette.“ Die befand sich im Flur ein Stockwerk höher. Und in der Küche stand immer ein Eimer Wasser für die Morgenwäsche beziehungsweise zum Kochen. Der Holzbackofen diente nicht nur zum Kochen, wie Ruth Dierks weiter berichtet. „Morgens haben wir den Backofen geöffnet, damit die Wohnung wenigstens etwas aufgewärmt werden konnte.“

In dieser Zeit arbeitete er als Kraftfahrzeug-Schlosser im Einzelhandelsgeschäft Eisen C. Mader, während sie die Kinder groß zog. Diese prekäre Wohnsituation änderte sich jedoch schlagartig, als er die Stelle des Hausmeisters beim Finanzamt in Husum bekam. Damit verbunden war eine Dienstwohnung, die mindestens doppelt so groß war. „Es war für uns der absolute Luxus, den wir uns selbst im Traum nie vorstellen konnten“, verrät er.

Als Hausmeister wurde ihm auch ein Auto zur Verfügung gestellt. „Es war ein VW-Käfer mit drei Gängen und 24 PS“, erinnert er sich. Als die Kinder groß waren, arbeitete sie zeitweise im Kaffeegeschäft Arko und in der Drogerie Schmidt bis ins Rentenalter.

Doch mit dem Namen Werner Dierks verbinden die älteren Husumer weit mehr als den bekannten Hausmeister beim Finanzamt. So entwickelte er sich als Kellner zu einer Husumer Institution. Bei allen großen Bällen im Schützenhof und im Handwerkerhaus war er präsent und bediente die Gäste.

„Ich war damals bekannt wie ein bunter Hund“, erzählt er lachend. Gefragt nach einem Rezept, wie eine Ehe so lange gelingen kann, gibt es für die beiden nur eine Antwort. Man könne die heutige Zeit mit damals nicht vergleichen, gibt er zu bedenken.

„Und dennoch galt damals wie heute, zufrieden zu sein mit dem, was man hat.“ Und sie fügt noch hinzu. „Wir und unsere Kinder hatten nicht viel, aber wir waren dennoch glücklich und dankbar für alles.“