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Husum Ein Schicksal dem Vergessen entreißen

Von hn | 06.10.2009, 09:52 Uhr

Die Theater-AG der Theodor-Storm-Schule plant ein Stück über eine jüdische Schülerin des Gymnasiums, die 1943 in Auschwitz ermordet wurde. Wer hat noch Informationen über Mirjam Cohen?

Ein sensibles Thema hat sich die Theater-AG "SpielRaum" der Theodor-Storm-Schule (TSS) vorgenommen: Sie plant ein Theaterstück über das kurze Leben von Mirjam Cohen, einer ehemaligen Schülerin des Gymnasiums, die 1943 in Auschwitz ermordet wurde. Um die Vergangenheit historisch möglichst fundiert künstlerisch aufzuarbeiten, suchen die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft dringend nach Informationen über die ehemalige TSS-Schülerin.

Unter dem Motto "Dem Vergessen entreißen - der Gegenwart zurückgeben" wollen die Mitwirkenden an dem Projekt - knapp 30 Schülerinnen und Schüler der zehnten bis zwölften Klasse - die Erinnerung an Mirjams Schicksal lebendig werden lassen. Unter der Leitung der Lehrerin für Deutsch, Geschichte und Darstellendes Spiel Ulrike Steenbuck und des Referendars für Musik und Geschichte Jan Kanehl soll eine Collage aus Theaterszenen, Liedern und Texten über Mirjam und ihre Familie entstehen. Die Aufführung ist für Juni 2010 geplant.

Die 1923 geborene Mirjam Cohen war das wahrscheinlich einzige jüdische Mädchen, das bis 1937 die Theodor-Storm-Schule besuchte, die allerdings bis 1932 noch das "Städtische Oberlyzeum" war und sich auf dem Gelände der heutigen Volkshochschule befand. Als Tochter des Friedrichstädter Rabbiners Dr. Benjamin Cohen und seiner Frau Bertha lebte Mirjam in Friedrichstadt, bis die Familie 1937 nach Hamburg zog. Von dort aus floh Mirjam mit ihrer Mutter wohl 1939 nach Holland. Sie und ihre Eltern wurden 1943 über das Auffanglager Westerbork nach Auschwitz deportiert. Mirjam wurde dort im November 1943 im Alter von 20 Jahren ermordet. Auch ihre Eltern fanden in Auschwitz den Tod. Heute erinnert ein Stolperstein in Friedrichstadt an das Schicksal des Mädchens und ihrer Eltern.

Innerhalb der Theater-AG ist ein siebenköpfiges Recherche-Team damit beschäftigt, das bereits vorhandene Forschungsmaterial zu sichten und weitere Informationen zu sammeln. Das Nordfriisk-Institut in Bredstedt und das Stadtarchiv in Friedrichstadt lieferten bereits wertvolle Hinweise. Nun suchen die Schüler dringend nach Zeitzeugen. Sie bitten alle Personen, die in den 1930-er Jahren das Städtische Oberlyzeum besucht haben, Mirjam Cohen kannten oder auch nur etwas über Mirjam wissen, diese Informationen weiterzugeben. "Erst dann können wir unser Projekt zum Leben erwecken und Mirjam Cohen ein Denkmal setzen", sagt Lisa Schwarz von der Projektgruppe. Informationen nimmt das Sekretariat der TSS unter 80560 entgegen.