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Elektro-Raucher E-Zigarette: Wie zieht sie in Husum?

Von sp | 29.01.2017, 12:00 Uhr

Sie dient als Mittel zum Ausstieg aus der Sucht oder als Ersatz für echte Tabakwaren – und hat in der Storm-Stadt einen festen Kundenkreis.

Rauchen gefährdet die Gesundheit – das ist allen Tabakkonsumenten bekannt. Viele greifen deshalb inzwischen zur elektrischen oder E-Zigarette, die als weniger schädlich gilt. Wir wollten wissen: Wie stehen die Husumer zu diesem Gerät?

„Die E-Zigarette kocht in der Storm-Stadt sozusagen auf kleiner Flamme“, weiß der Husumer Tabakwaren-Großhändler Gunnar Rathmann. Er beliefert Geschäfte im nördlichen und westlichen Schleswig-Holstein von Flensburg über Niebüll und Schleswig bis nach Brunsbüttel. Mit dem Aufkommen der E-Zigarette vor fünf Jahren habe es „einen Hype“ gegeben, sagt Rathmann. Danach sei es um das Gerät aber wieder ruhiger geworden – besonders, seitdem die EU-Gesetzgebung im Mai 2016 dem Hersteller BAT die Werbung für sein E-Produkt verbot. „Obwohl das gar keine Tabakwerbung war.“ Dennoch: „Der harte Kern hat weiter gedampft.“ Der in der E-Zigarette durch Erhitzung von Flüssigkeit entstehende Nassdampf wird inhaliert oder gepafft und dient als Umstieg zum Ausstieg aus dem Rauchen oder als weniger gefährlicher Ersatz. Denn im Unterschied zur echten Zigarette findet hier kein Verbrennungsprozess statt.

Mehr Bewegung auf dem Markt erwartet Rathmann im Laufe dieses Jahres, wenn das Unternehmen Philipp Morris seine E-Zigarette Iqos auf den Markt bringt: „Das ist ein ganz neues Produkt, das nah an der echten Zigarette sein wird.“ Überhaupt seien alle großen Hersteller an dem Thema dran.

Betrachtet man den Tabakkonsum als Ganzes, so gebe es heutzutage zwar weniger Raucher als früher. „Aber es haben trotz des Wegfalls der Werbung und der Schockbilder lange nicht so viele Menschen mit dem Rauchen aufgehört wie allgemein angenommen wird – auch in Husum.“ Allerdings sei ein deutlicher Trend weg vom Fertigprodukt in der Schachtel hin zu Stopfzigaretten zu beobachten: „Die sind preiswerter.“

In Rathmanns Tabakwarenfachgeschäft in der Großstraße berät Kirsten Peters. „Die E-Zigarette ist im Prinzip gut angenommen worden“, berichtet sie. Im Durchschnitt würden sich zwei Interessenten pro Tag über die Verdampfungsgeräte informieren. Auch eine Probierstation mit unterschiedlichen Geschmacksrichtungen hält sie parat. Insgesamt mache der Anteil der E-Zigaretten-Raucher wohl zehn Prozent ihres Kundenstammes aus, schätzt sie. „Die meisten sehen das Gerät aber nicht als Mittel zum Aufhören an, sondern als Ersatz.“ Immerhin sei die E-Zigarette ja nicht so gesundheitsschädlich, da sie viele der in einer echten Zigarette enthaltenen Zusatzstoffe nicht enthalte. „Und der Teer fällt ganz weg und damit schon nach kurzer Zeit der Raucherhusten“, weiß Kirsten Peters aus eigener Erfahrung.

Für die Onkologin Karin Bendig vom Medizinischen Versorgungszentrum der Husumer Klinik ist die E-Zigarette allerdings nicht ganz so problemlos. „Als Hilfsmaßnahme für Menschen, die mit dem Rauchen aufhören wollen, ist sie sicherlich geeignet und auch ,gesünder‘ als eine echte Zigarette“, so die Krebs-Fachärztin, warnt aber vor Dauer-Gebrauch: „Erstens gibt es keine Langzeitstudien und zweitens soll der Hauptbestandteil Propylenglykol zwar nicht krebserregend sein, aber es wird weiterhin Nikotin verdampft und auch in den Aromastoffen können sich krebserregende Bestandteile befinden.“ Die Zusatzstoffe reizten zudem die Atemwege und könnten Asthma, Bronchitis oder allergische Reaktionen hervorrufen.

Was den Ausstieg zusätzlich erschwere: „Ein Raucher ändert durch den Umstieg auf die E-Zigarette sein Ritual nicht, was zum Rückfall führen kann.“ Zudem sei es durchaus möglich, dass die E-Zigarette bei jungen Leuten genau das Gegenteil bewirke und als Einstieg in das „richtige“ Rauchen fungiere. Ihr Rat: „Besser völlig aufhören und echte wie E-Zigarette ganz weglegen.“