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Husumerin beim Papst Als die Husumerin Gisela Sobeczko Papst Benedikt traf

Von o | 22.09.2011, 02:22 Uhr

"Was der liebe Gott mir vor die Füße legt, das muss ich tun", sagt Gisela Sobeczko aus Husum. Die 80-Jährige gehört zu den 25 Schleswig-Holsteinern, die der Papst heute in Berlin empfängt.

"Ich glaube, wenn ich keine Verwandtschaft in Berlin hätte, würde ich nicht fahren", sagt Gisela Sobeczko. "Für Bahntickets und Unterkunft müssen wir nämlich selbst aufkommen." Aber unter diesen Umständen könne sie die Einladung des Bundespräsidenten natürlich nicht ablehnen, sagt die 80-jährige Husumerin lächelnd.

Und eigentlich gehe es bei ihrem Besuch in der Hauptstadt ja auch um eine höhere Instanz, für die Christian Wulf sozusagen nur der weltliche Wegbereiter sei: Sobeczko ist eine von 25 Schleswig-Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteinern, die heute im Schloss Bellevue zum Besuch „seiner Heiligkeit“, des Papstes, eingeladen sind.

Wie sie zum Besuch bei Papst Benedikt kam

Dazu gekommen ist die Mitbegründerin des Internationalen Figurentheater-Festivals (das wegen ihres Berlin-Besuchs allerdings für einige Tage ohne sie auskommen muss) wie die Jungfrau zum Kind. „Nach Anfragen aus Berlin und Kiel hat mich die katholische Kirchengemeinde St. Knut als mögliche Kandidatin benannt.“ Anfangs habe sie allerdings nur auf der Warteliste gestanden.

Dass sich ihr „Besucher-Status“ mittlerweile geändert hat, nimmt die rührige Rentnerin mit dem ihr eigenen Humor: „Was der liebe Gott mir vor die Füße legt, das muss ich tun“, sagt sie, und wieder huscht dieses spezielle Lächeln über ihr Gesicht. Außerdem könne sie bei dieser Gelegenheit auch gleich ihre allein stehende Schwägerin und die Cousine besuchen.

Mit großer Ehrfurcht vor Papst Bendikt

„Nicht, dass das jetzt falsch verstanden wird“, scheint Sobeczko den eigenen Schalk im Nacken in die Schranken weisen zu wollen: „Mein Glaube hat mich stets durchs Leben getragen.“ Im Heiligen Vater sieht sie dann auch den Nachfolger Christi. Dass er zudem noch aus Deutschland kommt, „würde mich niemals zu so blödsinnigen Überschriften wie „Wir sind Papst“ hinreißen, aber eine gewisse Bedeutung hat es schon.“

Sie habe Ehrfurcht vor Benedikt, spinnt Sobeczko den Gedanken weiter, „aber ob er auch ehrwürdig ist, muss er – wie wir alle – erst noch beweisen“. Und normalerweise sei er ja auch weit weg.
Nicht so am heutigen Donnerstag. Da dürfte Sobeczko „seiner Heiligkeit“ ziemlich nahekommen. Und weil das so ist, muss sie sich – wie andere Papst-Besucher auch – zunächst einem Sicherheits-Check unterziehen.

Dann erst geht es weiter ins Schloss Bellevue, wo Papst Benedikt – ganz im Stile eines Heiligen Vaters – gegen 11.15 Uhr mit dem Hubschrauber einschweben wird. Viel Zeit, mit dem Oberhaupt der katholischen Kirche zu sprechen, bleibt den geladenen Gästen aber nicht, denn um 12 Uhr soll bereits das Mittagessen auf dem Tisch stehen.

Sobeczko über ihren Glauben

Gisela Sobeczko sieht auch das gelassen. Ihr Glaube hat sie gelehrt, die Dinge so zu nehmen, wie sie sind. Das heißt aber nicht, dass sie etwa zum Fatalismus neige. Im Gegenteil. Wenn sie von ihrem „reichen Leben“ spricht, dann meint sie damit nicht nur dessen schönen Seiten.

In Berlin geboren und infolge des Zweiten Weltkrieges aus Ostpreußen vertrieben, ist Sobeczko viel herumgekommen, bevor sie in Husum ein dauerhaftes Zuhause fand. Ihren verstorbenen Mann hat die 80-Jährige durch die kirchliche Jugendarbeit kennengelernt, „und mit 25 Jahren hatte ich bereits vier Kinder“. Inzwischen ist die Familie, die über die halbe Welt verstreut ist, um neun Enkel- und drei Urenkelkinder gewachsen.

Als Hausfrau und Mutter hat sich Gisela Sobeczko nie gesehen. Eher schon als Lenkerin eines mittleren Familienunternehmens, die es gelernt hat, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Dazu zählt auch ihr ehrenamtliches Engagement, das Kirche und Politik ebenso umfasst hat wie Pole Poppenspäler. „Als Rentnerin hat man ja überall Verpflichtungen“, lässt Gisela Sobeczko noch einmal ihren Berliner Humor aufblitzen. Und fast scheint, als könne sich Papst Benedikt glücklich schätzen, dass sie heute Zeit für ihn hat.