Zwischen Schicksal und Lebensmut

Einer der ganz großen Momente in der Karriere von Stefan Moik (2. v. li.): Gemeinsam mit seinem VfR-Teamkollegen Klamo Ostrowski beobachtet er, wie Torwart Thorsten Fabritz einem Angriff der SG Wattenscheid 09 ausgesetzt ist - eine Szene aus dem Zweitrunden-Rückspiel der deutschen B-Jugend-Meisterschaft im Juni 1982. Foto: archiv
1 von 2
Einer der ganz großen Momente in der Karriere von Stefan Moik (2. v. li.): Gemeinsam mit seinem VfR-Teamkollegen Klamo Ostrowski beobachtet er, wie Torwart Thorsten Fabritz einem Angriff der SG Wattenscheid 09 ausgesetzt ist - eine Szene aus dem Zweitrunden-Rückspiel der deutschen B-Jugend-Meisterschaft im Juni 1982. Foto: archiv

shz.de von
04. Juni 2010, 03:59 Uhr

neumünster | Er ist stets eine positive Erscheinung. Er strahlt immer Ruhe und Zufriedenheit aus. Er ist einer, der sich in seiner beruflichen wie sportlichen Laufbahn viel Respekt erarbeitet hat: Stefan Moik. Morgen tritt der 44-jährige Defensivrecke von der Fußballbühne ab. Viele alte Freunde aus der Szene, Fans und Zuschauer werden ihn dabei begleiten. Es wird ein schwerer Weg werden. Denn Stefan Moik ist unheilbar krank. Glaubt man der Medizin, dann wäre es ein Wunder, wenn er seinen 50. Geburtstag noch erleben würde.

Alleine das wäre dem gelernten Bankkaufmann zu gönnen. Denn selbst die heimtückische Muskel- und Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) hat ihm den (Lebens-)Mut nicht genommen. Im Courier-Gespräch strahlt er, als würde er gerade wieder ein neues Projekt anschieben - so wie das große Lichtkick-Turnier im Städtischen Stadion, zu dessen Gründervätern er zählt. Oder noch einmal seine eigene Karriere von vorne beginnen. Eine Karriere, die ihn über den TSV Gadeland zum VfR Neumünster, zur SG Padenstedt, zurück zu Gadeland und dem VfR sowie schließlich zum FC Torpedo führte.

Ab 15 Uhr werden morgen drei Teams anlässlich der Verabschiedung des 38 Jahre lang aktiven Fußballers Stefan Moik auf dem Olympia-Platz zusammenkommen und am Forstweg in Turnierform einen - in sportlicher Hinsicht völlig nebensächlichen - Sieger ausspielen: die mit vielen Ex-Profis und bekannten Gesichtern gespickte Nord-Ostsee-Auswahl, ein Allstar-Team des VfR Neumünster sowie die aktuelle Ligamannschaft des FC Torpedo, dessen Altligateam seine letzte Station war.

"Ich dürfte einer der wenigen Fußballer sein, die in Schleswig-Holstein in allen Klassen gekickt haben", sagt Stefan Moik. Er war sich trotz der Erfahrung aus 48 Landesauswahlspielen nie zu schade, auch mal in der B-Klasse die Knochen hinzuhalten. Die Knochen, die ihn jetzt nur noch schwerlich auf den kraftlosen Beinen halten. Wer ihn gehen sieht, der fragt sich, warum das Schicksal mit denen so hart umgeht, die es am allerwenigsten verdient haben. Doch der 44-Jährige klagt nicht. "Ich habe in meinem Leben viel Glück gehabt und nach der schlimmen Diag nose vor einem Jahr nie nach dem Warum gefragt. Denn ich bin dankbar für das, was ich erleben durfte", sagt er - und setzt dabei sein Lächeln auf. "Wir müssen denen helfen, denen es bei weitem schlechter geht als uns", sagt ein Mann, dem es - zumindest körperlich - gar nicht gut geht. Und weil Stefan Moik das ernst meint, wird morgen im Rahmen des Turniers und des ab 19 Uhr folgenden gemütlichen Beisammenseins zu Gunsten traumatisierter Kinder in Sri Lanka gesammelt. "Kinder, die nach dem Tsunami ihr Gedächtnis verloren haben", wie Stefan Moik erklärt. Live-Musik von Crossing Storm (Irish Folk) sowie ein DJ werden abends am Forstweg für Abwechslung sorgen. "Ich will kein Turnier, das posthum zu meinen Ehren veranstaltet wird. Ich möchte viel lieber jetzt noch einmal mit allen meinen Freunden zusammenkommen", lautet Moiks Motto. Mit rund 100 alten Weggefährten rechnet er bei seinem Abschiedsturnier. Wer sich dieser Tage in der Szene umhört, der stellt schnell fest: Es dürften deutlich mehr werden. Gemeinsam geht sichs leichter. Auch und besonders auf dem letzten Weg. Eben jenen wird Stefan Moik morgen in fußballerischer Hinsicht gehen. Über alles andere wird das Schicksal entscheiden.

Das Aufgebot der Nord-Ostsee-Auswahl bilden Ulf Paetau, Frank Drews, Andreas Klitzke (alle Holstein Kiel), Rudi Diener ("Pahlazzo" Pahlen), Peter Hidien, Tobias Homp (beide Hamburger SV), Thorsten Grümmer, Carsten Hinrichsen (beide VfB Lübeck), Gregor Strebel, Andrew Pfennig (beide FC St. Pauli), Dr. Bernd Brexendorf (Werder Bremen), Rolf Nielsen (TSB Flensburg), Thomas Hinrichsen (VfR Neumünster), Ketel Prahl (TSV Westerland) und der aktuelle Co-Trainer des Erstligisten 1. FC Nürnberg, Dirk Bremser. In Klammern ist der am höchsten spielende Club in der Laufbahn des jeweiligen Fußballers angegeben.

Zum Allstar-Team des VfR, das von Peter Siegel betreut wird, zählen unter anderem Ralf Hartmann, Torsten Peetz, Stefan Meseberg, Helge Wendt, Joachim Schnoor sowie die Schnack-Brüder Dirk und Thorsten.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen