Poetry Slam : Zwischen Melancholie und Wortwitz

Für Johanna Vogt (16) aus Nortorf war das „Stattgespräch“ bereits der dritte Poetry Slam. Am Ende reichte es aber nicht zum Einzug ins Finale.
Für Johanna Vogt (16) aus Nortorf war das „Stattgespräch“ bereits der dritte Poetry Slam. Am Ende reichte es aber nicht zum Einzug ins Finale.

„Stattgespräch“: 150 Besucher kürten im Statt-Theater die Beiträge von sieben Teilnehmern mit Hilfe des Applauses.

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02. Juni 2014, 05:00 Uhr

Neumünster | Zum zweiten Mal in diesem Jahr präsentierte das Statt-Theater am Freitagabend den Poetry Slam „Stattgespräch“. 150 Gäste folgten begeistert sieben Teilnehmern, die jeweils sechs Minuten Zeit hatten, selbst geschriebene Texte auf der Bühne zu präsentieren. Nicht erlaubt waren Hilfsmittel wie Musik oder Verkleidung, gern gesehen dafür eine ausdrucksstarke Performance.

„Ein Poetry Slam lebt von Vielfältigkeit und Facetten“, erklärte der Moderator und mehrfach ausgezeichnete Slammer Björn Högsdal. So gab es denn inhaltlich wie formal Verschiedenes zu hören: Mona Gloy berichtete in filmartigen Sequenzen von Turbulenzen einer Sommernacht im Internat. Sie war die erste Vortragende des Abends und trug ihren mit witzigen Einfällen versehenen Text frisch und zackig vor.

Ernsthafter war die in Prosa verfasste Beschwerde von Kalep Erdmann aus München über die Resignation der Postmoderne und die Apathie der Gesellschaft. Urkomisch gestaltete sich der Text von Tom Schildhauer, der Alltägliches sprachlich und darstellerisch so aufbereitete, dass das Publikum tosend applaudierte. Großen Applaus bekam auch Johanna Vogt (16) aus Nortorf: „Ich schreibe eher melancholische Texte und sage Sachen, die man sonst nicht sagt“, erzählte sie. Dies war bereits ihr dritter Poetry Slam, und ihre Familie begleitete sie. „Ich finde Johannas Hobby großartig. Die Sätze sprudeln einfach so aus ihr heraus. Sie regt uns an mit dem, was sie sagt. Und bisweilen bin ich echt überrascht“, erzählte Johannas Mutter Susanne Vogt. „Es passt zu ihr, sie hat bereits mit zehn Jahren sehr ausdrucksstark Theater gespielt“, ergänzte der Vater Thomas. Johanna trug ihren Text über das Leben als Spiel leidenschaftlich und vehement vor. Einen Dichterwettstreit hatte die Schülerin bereits gewonnen, aber dieses Mal reichte es nicht für das Finale.

Bewertet wurden die Vorträge von einer Jury aus dem Publikum auf einer Skala von 1 bis 10, wobei eine 1 einem Text gilt, „der besser nicht geschrieben worden wäre“, erklärte Högsdal. Im Finale entschied hingegen die Kraft des Publikumsapplauses. Wuchtig fiel er aus für Tom Schildhauer (25) aus Halle und ebenso für Fee, die U20-Poetry-Slam-Gewinnerin aus München. Beide teilten sich entsprechend den ersten Platz. Fees Beitrag – betitelt mit „Heidis Horror Picture Show“ – nahm die Bedeutungslosigkeit der Modelshows auf und bekam für die glänzende Performance Riesenbeifall.

Die Zuschauerin Uta Lausen aus Kiel sagte: „Es gefällt mir sehr gut hier. Sonst gehe ich immer in Kiel in die Pumpe, aber ich freue mich, dass es einen Poetry Slam in Neumünster gibt.“

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