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Gericht : Zwinger-Kontrollen liefen ohne Beanstandungen

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Im Prozess gegen Hundezüchter hatten jetzt die Verbände das Wort: Klares Jein zur Inzucht

Neumünster | Hat ein Hundezüchterpaar aus Padenstedt seinen Kunden über Jahre wissentlich kranke Tiere verkauft? – Auch am dritten Verhandlungstag kam das Schöffengericht Neumünster gestern einer klaren Antwort auf diese Frage kaum näher.

Nach Lesart der Staatsanwaltschaft haben die beiden 44 und 60 Jahre alten Züchter zwischen 2011 und 2014 in insgesamt 35 Fällen Hundeliebhaber betrogen, indem sie ihnen junge Labrador-Welpen verkauften, die unter einer tückischen Erbkrankheit leiden. Die chronische Hüft- beziehungsweise Ellenbogendysplasie (ED und HD) behindern die Tiere lebenslang in ihren Bewegungsabläufen.

Hunde, die an ED oder HD leiden, werden in der Regel nicht zur Zucht zugelassen. Allerdings ist auch nicht ausgeschlossen, dass die Krankheit bei der Zusammenstellung der Zuchtpapiere übersehen wird, wie gestern ein als Sachverständiger auftretender Zuchtverbandsvertreter vor Gericht einräumte. Zwar werden die zur Zucht angemeldeten Hunde vorab geröntgt, aber auch Tierärzte hätten die Bilder schon fehlinterpretiert, sagte etwa Mathias Wend vom Deutschen Hunde-Club (DHC). Da werde dann aus einer (problematischen) D-Hüfte eine (gute) A-Hüfte und umgekehrt. „Unsere Zuchtwarte empfehlen daher stets, einen Gutachter hinzuzuziehen“, sagte der Verbandsvertreter. „In der Zucht kann auch mal was passieren, aber der Züchter ist dann zumindest rechtlich auf der sicheren Seite.“ Beschwerden gegen die angeklagten Züchter seien ihm „nicht bekannt“, sagte Wend, dessen Verband die beiden Angeklagten bis 2008/2010 angehört hatten.

Auch Manfred Schulz, Vorsitzender des Rassehundeclubs, dessen Verband die Angeklagten seither angehörten, trug unter dem Strich eher zur Entlastung des Padenstedter Züchterpaares bei.

In der Regel einmal pro Jahr kontrolliere der deutschlandweit aktive Verband seine angeschlossenen Züchter über – zumeist – unangemeldete Zwingerkontrollen, unterstrich der Zuchtexperte. In Padenstedt habe es keine Beanstandungen gegeben, sagte Schulz, der mehrmals persönlich aus Neubrandenburg angereist war. Ob es nach den Unterlagen ein „Missverhältnis in der Zahl von Hündinnen zu Welpen“ gegeben habe, hakte die Richterin nach. Dies hätte immerhin ein Hinweis auf „schwarz“ gehaltene Hunde sein können, die dann der offiziellen Zucht untergeschoben werden. Wiederum verneinte der Zeuge.

Auch der Vorwurf der regelwidrigen Inzucht auf dem Hof der Padenstedter verfing nicht: Zwar ist nach den Statuten der Zuchtverbände die Inzucht 1. Grades, also die Paarung von Vater und Tochter oder Mutter und Sohn, grundsätzlich verboten. Aber eben nur „grundsätzlich“ und nicht in jedem Fall, wie eine Verteidigerin insistierte. Um spezielle Charaktereigenschaften zu vererben, sei es mitunter eben doch notwendig und sinnvoll, „sehr dicht an der Linie zu arbeiten“, erklärte der Angeklagte dem Gericht.

Sein Verbandschef als Sachverständiger mochte der Argumentation nicht widersprechen. Mehr noch: Auf Nachfrage der Richterin räumte er ein, einer Ausnahmegenehmigung am Telefon möglicherweise zugestimmt zu haben.

Der Prozess im Gericht an der Boostedter Straße wird heute fortgesetzt.

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erstellt am 01.Mär.2016 | 08:30 Uhr

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