Urteil in Neumünster : Zweite Chance für frechen Autobahnraser

Das Gericht verurtelite den Täter zu einer Haftstrafe
Das Gericht verurtelite den Täter zu einer Haftstrafe

Junge Bundeswehrsoldaten tarnten sich als Polizisten. Einer stoppte Bußgeldzahlung aus Geldnot - jetzt darf er noch nachzahlen.

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23. August 2018, 17:15 Uhr

Neumünster | Auf der Autobahn im Stau zu stehen ist ärgerlich. Aber als Reaktion frech zur Selbsthilfe zu greifen, ist nicht immer eine gute Idee. Diese Erfahrungen machten zwei junge Autofahrer bereits vor einem Jahr vor dem Amtsgericht.

Um sich auf der Autobahn mehr Respekt und freie Bahn zu schaffen, hatten sich die jungen Bundeswehrsoldaten einen LED-Frontblitzer organisiert. Mit dem leuchtenden Schriftzug „Polizei im Einsatz!“, den sie illegalerweise in der Frontscheibe platzierten, kamen sie tatsächlich schneller voran – allerdings nur, bis sie ihre Masche überreizten. Auf der A 7 Richtung Hamburg stießen sie kurz hinter der Ausfahrt Großenaspe auf einen aus ihrer Sicht besonders lahmen, Fahrer. Weil der die Fahrbahn partout nicht freimachen wollte, winkte der Beifahrer den Widerspenstigen auf die Standspur. Die falsche Zivilstreife setzte sich vor den verdutzten Fahrer und bremste ihn auf Null herunter, um dann wieder Gas zu geben. Der gefoppte Fahrer erstattete Anzeige wegen Nötigung.

Im Prozess stellte das Gericht das Verfahren gegen die beiden falschen Polizisten vorläufig ein, verdonnerte sie jedoch zu 600 beziehungsweise 1000 Euro Geldbuße. Der Beifahrer zahlte, der Fahrer stellte die Ratenzahlung nach wenigen Monaten ein – und stand daher am Donnerstag erneut vor Gericht. Mittlerweile vom Bund entlassen, habe er den Rest der Geldbuße schlicht nicht mehr aufbringen können, entschuldigte sich der 25-jährige ehemalige Marine soldat. Richter und Staatsanwalt rügten, dass sich der Mann nicht rechtzeitig gemeldet, sondern die Zahlung kommentarlos eingestellt hatte. „Wenn wir Sie jetzt verurteilen, sind die gezahlten 750 Euro weg“, machte der Richter dem Mann die möglichen Folgen seines erneuten Fehlverhaltens klar. Der Ex-Soldat bekam dennoch eine zweite Chance: Zahlt er die ausstehende Restbuße von 250 Euro bis Ende September, wird das Verfahren endgültig eingestellt.

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