Zweite Chance für Einbrecher

justizhammer

Gericht verurteilt 32-Jährigen trotz langen Vorstrafenregisters zur Bewährung / Stehlgutliste war nicht glaubwürdig

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30. Januar 2018, 13:35 Uhr

Stefan M. (32) redete erst gar nicht lange um den heißen Brei herum, sondern gab den Bruch sofort zu: Im Juni vergangenen Jahres war er in der Carlstraße am helllichten Tag durch ein offenes Fenster in eine Souterrain-Wohnung eingestiegen und hatte dort ein hochwertiges Laptop, ein I-Pad und einen goldenen Siegelring eingesteckt, um die heiße Ware wenig später auf dunklen Kanälen in Kiel zu Geld zu machen. „Laptop, I-Pad und Siegelring, ja – mehr aber auch nicht“, beteuerte der geständige Einbrecher im Amtsgericht immer wieder.

Das wiederum machte stutzig, denn die Staatsanwältin hatte neben Mini-PC und Goldring eine lange Liste mit weiterem Diebesgut aufgezählt. In der „Stehlgutliste“, die die geschädigte Familie auf Anraten der Polizei in aller Ruhe zusammengestellt hatte, fanden sich darüber hinaus auch wertvolle Kopfhörer, eine Armani-Uhr, Spitzenkamera, Halskette und Armband im Wert von 200 bis 300 Euro und nicht zuletzt ein gut gefülltes Sparschwein – Gesamtschaden etwa 4000 bis 5000 Euro, weit mehr als durch PC und Siegelring allein darstellbar.

Wieso räumt der Angeklagte die teuren Computer und Goldring ein, will aber mit dem kaum noch strafverschärfenden „Kleinkram“ partout nichts zu tun haben? Das Gericht fragte sich das und fühlte den Zeugen genauer auf den Zahn.

Tatsächlich stellte sich die „Stehlgutliste“ schnell als äußerst wackelig heraus. So wurden darin etwa auch Dinge aufgelistet, die die vor längerer Zeit ausgezogene Tochter aus ihrem Gedächtnis per Telefon beisteuerte. Motto: „Meine Kamera müsste eigentlich noch im Schrank liegen!“ Die Armani-Uhr war, wie sich erst im Laufe der Vernehmung herausstellte, nicht echt und in dem Sparschwein befanden sich lediglich Kleingeldmünzen.

Das Gericht verzichtete angesichts der wackelnden Liste darauf, genauer festzustellen, was tatsächlich gestohlen worden war, hielt die Einlassung des jungen Einbrechers („Mehr war da nicht!“) jetzt aber erst recht für glaubwürdig.

Die Staatsanwältin hinderte das nicht, gegen den 32-Jährigen Strenge einzufordern. Sie verwies auf das einschlägige und lange Vorstrafenregister des Angeklagten: Nur zwei Monate vor seinem Einbruch in der Carlstraße war er nach fünfjähriger Haft aus dem Knast entlassen worden. Für den neuerlichen Einbruchdiebstahl forderte sie daher 14 Monate Gefängnis ohne Bewährung.

Die Richterin glaubte dagegen den Beteuerungen des Angeklagten, sein Leben neu ausrichten zu wollen. Sein Lebenspartner, den er noch im Gefängnis kennengelernt habe, sei dabei, eine gemeinsame Wohnung einzurichten, sagte er. In den nächsten Tagen könne er mit einer Drogentherapie beginnen. Eine entsprechende Zusage der Klinik legte er vor.

Die Richterin verurteilte den 32-Jährigen zu elf Monaten Gefängnis, setzte die Strafe aber auf drei Jahre zur Bewährung aus, stellte ihm einen Bewährungshelfer zur Seite und machte zur Auflage, die Entgiftung auch tatsächlich anzutreten.

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