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Latendorf : Zweimaster von Charlie Chaplin wird wieder flott gemacht

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das Schiff gehört Michael Heidelmann aus Bordesholm, und Kurt-Ernst Scharlibbe hat seinen Hof in Latendorf zur Werft gemacht.

Latendorf | Eine Werft in Latendorf – wer wollte das glauben? Und doch ist es wahr. Kurt-Ernst Scharlibbe (62) hat auf seiner Hofstelle eine gebaut. Grund für den ungewöhnlichen Umbau eines Fahrsilos ist ein Segelschiff, dessen pittoreskem Charme jedoch nicht nur der Landwirt erlegen ist. Und: Die „Cleone“ gehörte einmal Charlie Chaplin!

Zunächst einmal hatte sich Michael Heidelmann (58) aus Bordesholm in die Gaffelketsch (Zweimastsegler) „Cleone“ verliebt. Gefunden hat der ehemalige IT-Manager das Schiff auf Borkum. Dort war es bereits sieben Jahre seinem unausweichlichen Ende ausgesetzt. Doch der passionierte Segler kaufte das Boot, und nun wird die stolze Lady im Latendorfer Trockendock wieder flott gemacht.

Nicht nur von der besonderen Form des Schiffes schwärmt Heidemann: „Wenn die richtig in Fahrt kommt, gleitet sie wie ein Katamaran“. Die „Cleone“ hat auch eine abenteuerliche Geschichte. 1919 in Southampton in England gebaut, gewann sie 1923 und 1924 die Transatlantik-Regatta England-New York. Und von 1928 bis 1937 war sie im Besitz des bekannten Schauspielers und Regisseurs Charlie Chaplin (1889-1977). Gesegelt wurde die „Cleone“ jedoch vorwiegend von dessen Halbbruder Benjamin Chaplin, der ein begeisterter Hochseesegler war. Belegt ist ebenfalls, dass dieser im Jahr 1933 während eines Sturms das Wagnis einging, ohne Motorunterstützung an ein havariertes Boot heranzufahren und so sechs Menschen das Leben retten konnte. „Das ist eine Höchstleistung, die enormen Mut und Erfahrung voraussetzt. Einen Dieselmotor erhielt das Schiff nämlich erst 1965“, bescheinigt Heidelmann dem Chaplin-Bruder sein großes Können.

Zuletzt gehörte die „Cleone“ dem niederländischen Künstlerpaar Luke und Gema Kaelen, die auf dem Schiff lebten und schließlich auf Borkum an Land gingen, um dort sesshaft zu werden. Mit diesem Entschluss war dann eigentlich auch das Schicksal des Schiffes besiegelt – ja, wenn dort nicht zufällig Michael Heidelmann aufgetaucht wäre.

Ebenso durch einen glücklichen Zufall kam es zur Bekanntschaft mit Kurt-Ernst Scharlibbe sowie weiteren, mittlerweile zum „Freundeskreis Cleone“ gehörenden Helfern. Zu diesem zählt auch der Wahl-Latendorfer Rolf Lemke (57), der sich als leidenschaftlicher Mechaniker der Technik rund um das Schiff annimmt. „Unsere Maschinen sind Originale und teilweise 100 Jahre alt. Da muss man sich schon etwas einfallen lassen, um die wieder in Gang zu bringen“, erzählt der aus dem Schwarzwald stammende gelernte Schlachter begeistert.

Etwa 30 000 Teile werden die Restauratoren ersetzen müssen. „Hier gibt es kein gerades Stück Holz. Alles muss ausgebaut und genauestens nachgebaut werden. Doch alle Zubehörteile, wie zum Beispiel die Beschläge, sind vorhanden. Selbst die Segel existieren noch“, schwärmt der Eigner, der die Restauration zudem zu einem Sozialprojekt für Jugendliche ausbauen möchte.

Die neuen Masten für den Langstreckensegler haben die Männer bereits geschlagen. „Im Februar haben wir in einer stürmischen Vollmondnacht zwei 37 Meter hohe Douglasien gefällt. Eine sogenannte Mondfällung ist sinnvoll, da die Bäume zu diesem Zeitpunkt am wenigsten Saft führen und deshalb besonders stabil sind“, erklärt dazu Scharlibbe wissend.

„Wir wollen, dass die ‚Cleone‘ zu ihrem 100. Geburtstag wieder seetüchtig ist“, erläutert Heidelmann. Ganz schön mutig, möchte man meinen. Doch wer den „Bootsbauern“ beim Fachsimpeln zuhört, dem wird klar, mit welcher Liebe, Lust und Leidenschaft hier gewerkelt wird. Oder, so drückt es Kurt-Ernst Scharlibbe aus: „Eigentlich müssten wir eine Million haben. Die haben wir nicht, aber wir haben diesen Traum!“ Und so ist fast sicher, dass sich die „Cleone“ in fünf Jahren wieder richtig schmuck aufgetakelt in ihrem Element präsentieren wird. Und dann wollen die Männer natürlich gemeinsam auf große Fahrt gehen.

Für weitere Informationen steht Kurt-Ernst Scharlibbe unter Tel. 01 72 / 7 50 94 65 zur Verfügung.



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