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Holsteinischer Courier

21. August 2017 | 13:49 Uhr

Premiere : Zwei Engel für Adam und Eva

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Mit „Jüstemang de letzte Schangs“ ging die Niederdeutsche Bühne in die zweite Runde der Theatersaison

Neumünster | Die letzte Chance hat viele Gesichter. Im Falle von Eva (Birgit Müller) und Adam (Jürgen Göttsche) stellt sie sich als Expertenliste für Verhaltensregeln dar. Auf Anraten seiner Therapeutin mietet sich das Ehepaar für ein Wochenende auf einer Berghütte ein. Fernab von Alltag und Zivilisation sollen Eva und Adam „jüstemang de letzte Schangs“ nutzen, um ihre kriselnde Beziehung zu retten. Das ist die Ausgangssituation des neuen Stückes der Niederdeutschen Bühne (NBN). Am Freitagabend feierte die Komödie „Jüstemang de letzte Schangs“ von Charles Lewinski in der plattdeutschen Übertragung von Gerd Meier ihre Premiere vor 120 Besuchern im ausverkauften Studiotheater.

Rasant war der Einstieg und versöhnlich das Ende. Doch bis es soweit kommen konnte, erlebten die Zuschauer auf der Bühne vier Amateur-Schauspieler, die mit großem Können glänzten, mit absoluter Textsicherheit während der gesamten anderthalb Stunden überzeugten – und die selbst als Akrobaten eine gute Figur machten.

Buchstäblich mit der Tür ins Haus fielen Eva und Adam gleich zu Beginn des Stückes. Denn natürlich entpuppte sich die romantische Berghütte als schrottreife Bude, in der weder Türangeln noch Licht funktionierten. Für die beiden Streithähne war das Anlass genug, sofort in alte Verhaltensmuster zu fallen und sich gegenseitig die Schuld für sämtliche Unwägbarkeiten zuzuschieben. Zwar wurde ab und zu die Therapeuten-Liste bemüht, doch die Situation eskalierte zusehends. Wären da nicht die beiden Schutzengel Lou (Kerstin Stölting) und Ferdie (Thomas Büssert), das Wochenende hätte für alle Beteiligten ein böses Ende genommen.

Die Geschichte ist verzwickt, der Inhalt thematisiert die Problematik menschlicher Kommunikation, und trotzdem gelingt es den vier Schauspielern, der gelungenen Inszenierung von Holger Krützfeld Leichtigkeit und Humor zu verleihen. Mit überzeugender Mimik und gekonnter Gestik, gerade in den nonverbalen Momenten, bewiesen Birgit Müller, Jürgen Göttsche, Kerstin Stölting und Thomas Büssert ihre intensive Auseinandersetzung mit dem Stoff und ihre Freude am Schauspiel.

Das war natürlich ganz im Sinne von Frank Juds und Dieter Milkereit. „Auf keinen Fall Zoten, dafür jede Menge anspruchsvolle Unterhaltung“ – mit dieser Maxime machten sich die beiden Bühnenleiter vor der Theatersaison an die Vorauswahl der Stücke. „Es gibt viele Vorlagen, da jagt ein Schenkelklopfer den nächsten“, sagte Frank Juds. Das sei aber nicht die Intention der NBN. „Wir wollen gute Unterhaltung mit Tiefgang auf die Bühne bringen“, ergänzte Dieter Milkereit.

Damit die Niederdeutsche Bühne ihr anspruchsvolles Programm beibehalten und neue Formate, wie etwa das Familienmusical „Alles Banane“, etablieren kann, ist sie auf die Arbeit des Fördervereins angewiesen. Am Freitag begrüßte Dieter Milkereit deshalb den 1. Vorsitzenden des Vereins, Uwe Döring, als Ehrengast.

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erstellt am 02.Nov.2015 | 06:30 Uhr

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