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Zwei außergewöhnliche Musiker beeindruckten in der Christuskirche

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2013 | 00:34 Uhr

Zu einem wahren Event vor kleinem Kreis geriet das dritte Konzert in der Reihe der Bordesholmer Herbstklänge in der Christuskirche.Mit Ulrich von Wrochem an der Viola und Wolfram Lorenzen am Klavier mischten zwei sympathische Käuze Moderne wie Klassik gleichermaßen auf.

Wann hat man so etwas schon mal bei einem Konzert gesehen? Ein Bratschist, der in gekrümmter Haltung den Mittelgang der Kirche erlief und mit Papiertaube am Instrument sowie eigenen szenischen Improvisationen sein ganz persönliches Friedenspamphlet abgab, seine Bratsche zupfte und streichelte und tief in ihr Inneres vordrang. Ulrich von Wrochem ist der etwas andere Musiker, mit Reputation wie dem Solopart am Orchester der Mailänder Scala reich gesegnet und in reiferem Alter als Semi-Performancekünstler unterwegs. Dabei kam die Ernsthaftigkeit bei diesem besonderen Konzert nicht zu kurz , mit Joseph Joachims „Hebräischen Melodien“ mischten sich Tragik und Komödie zu bittersüßer Komik. Bei den „Totenliedern“ von Alexander Veprik zitierte Pianist Lorenzen beinahe „Mussorskys Bilder einer Ausstellung“, bei Morton Feldmans „The Viola in my life“ schaute Happening-Komponist John Cage um die Ecke. Melancholie und Düsternis wurden an diesem dunklen Nachmittag zum Schluss abgelöst durch die vielseitige Sonate „f-Moll op.120 Nr.1“ von Johannes Brahms, bei der die nur 50 Zuhörer noch einmal mit vielen Stimmungen und elegischen Phasen verwöhnt wurden. Es war ein Konzert der anderen Art, das viel mehr Besucher verdient hätte.


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