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Holsteinischer Courier

19. Oktober 2017 | 06:26 Uhr

Heidmühlen : Zwei Auen bekommen ein neues Bett

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

In Heidmühlen bekommen die Rothenmühlenau und die Radesforder Au neue Sandfänge So soll Sauerstoffmangel verhindert werden.

shz.de von
erstellt am 15.Okt.2014 | 17:00 Uhr

Heidmühlen | Unter großem Aufwand an Technik und Material wird derzeit der Natur in Heidmühlen auf die Sprünge geholfen – genauer gesagt, die Rothenmühlenau und die Radesforder Au werden „in Schwung“ gebracht. Quasi mit der Baggerschaufel wird den Wasserläufen hier das Bett neu gemacht.

Künftig werden die Läufe durch einen sogenannten Mäandersandfang weniger Sand führen, sodass auch die aus den beiden Bächen im Segeberger Forst entstehende Osterau davon profitiert.

„Wir bauen an beiden Auen neue Sandfänge, da die überhöhte Sandfracht die Kiesbetten abdeckt. Die aber dienen in der Osterau unter anderem den Forellen als Laichplätze. Der so entstehende Sauerstoffmangel verhindert dann den gewollten Nachwuchs“, erklärt Hans Kröger (69), Verbandvorsteher des Gewässerpflegeverbandes Osterau (GPV Osterau), zum Hintergrund der aufwendigen Maßnahme. „Außerdem brauchen wir den Wasserabfluss, um das Grundwasser zu regulieren. Sonst stehen ruckzuck die Keller der Anlieger unter Wasser. Wir leben ja nicht mehr in der Urzeit. Heute wird an jedem Platz gebaut“, erläutert er weiter.

Das Besondere an den neuen Sandfängen (hier am Beispiel der Rothenmühlenau erläutert) ist, dass der GPV auf eine Linienführung setzt, die dem natürlichen Verlauf der Gewässer nahekommt. „In den beckenartigen in den Bögen angelegten Vertiefungen, die ständig durchflossen werden, setzt sich der Sand durch den Sog und die Verringerung der Fließgeschwindigkeit ab“, erläuterte dazu der seit 32 Jahren im Amt stehende Fachmann. Einmal in Betrieb genommen, werden die Sandfänge nach Bedarf ausgebaggert. Der Aushub wird dabei auf die neu angelegten Lagerflächen gebracht.

In der Rothenmühlenau werden für die Baumaßnahme rund 2500 Kubikmeter Material bewegt. Es werden zentimetergenau Steine und Wurzeln eingebracht sowie auch sogenannte Böschungsfußsicherungen aus Holzpfählen und Flechtwerk errichtet. Zudem wird die Uferbepflanzung mit Bäumen und Buschwerk ergänzt. „Dann haben auch der Eisvogel und die Neunaugen hier wieder ein Zuhause“, erzählt der erfahrene Baggerführer Jürgen Ewers, der seit 30 Jahren an den Wasserläufen dieser Region arbeitet.

Die 200 Meter lange Neuanlage ist die erste, die der GPV in dieser Form in Auftrag gibt. Und mit Kosten in Höhe von 123 000 Euro ist es auch nicht die billigste Lösung. Die Finanzierung erfolgt jedoch zu 70 Prozent aus EU-Mitteln, 12 Prozent der Kosten übernimmt das Land, und die verbleibenden 18 Prozent werden vom Bund getragen. „So wird der Verband finanziell nicht belastet. Doch wir haben durch die Aufsicht über 200 Kilometer offenes und rund 30 Kilometer verrohrtes Gewässer finanziell auch so genug am Hacken“, berichtet Hans Kröger hier aus Erfahrung.

Der GPV Osterau hat rund 5000 Mitglieder, die als Eigentümer (in der Regel über Kooperationsmitgliedschaften der Gemeinden) dafür Sorge tragen, dass die Ökosysteme der Auen, erhalten bleiben und die Füße der Anrainer nicht nass werden. „Dennoch denken sich wohl viele, dass dies nicht nottut. Doch es ist eine wichtige Arbeit, die die schönen Auen für künftige Generationen erhält“, sagt Hans Kröger.

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