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Holsteinischer Courier

17. August 2017 | 00:15 Uhr

Lebensgefahr : Zwangspause auf SWN-Baustelle

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Berufsgenossenschaft Bau bemängelte am Hansaring schwerwiegende Sicherheitsverletzungen.

Neumünster | Wegen eklatanter Sicherheitsverletzungen hat die Berufsgenossenschaft Bau in der vergangenen Woche die Fernwärme-Baustelle am Hansaring vorübergehend mit sofortiger Wirkung stillgelegt. Erst am Freitag durften die Arbeiten wieder aufgenommen werden. Insgesamt fünf Punkte kritisierte der Kontrolleur, teilte Anton Wibbeke, Leiter der Prävention im Bezirk Nord der BG Bau, gestern auf Nachfrage mit. Die Bauarbeiter hätten „unter Lebensgefahr“ gewerkelt.

Seit 16. September sind verschiedene Firmen im Auftrag der SWN dabei, Rohre unter dem Hansaring im Bereich zwischen Roonstraße und Max-Richter-Straße zur Versorgung der Böcklersiedlung mit Heizwasser zu verlegen. Als Hauptunternehmer wählten die Stadtwerke die Strabag aus. Der Konzern mit Sitz in Köln und Wien ist eines der größten Bauunternehmen Europas und sollte laut Wibbeke „eigentlich die Vorschriften kennen“. Dennoch fand der Kontrolleur „Gefahren für Leib und Leben“, wie es in der Stilllegungs-Anordnung heißt.

So waren Baugruben von zwei Metern Tiefe nicht gesichert. Wibbeke: „Brechen die Seitenwände ein, werden die Arbeiter einfach zerquetscht. Ein Kubikmeter Erde wiegt zwei Tonnen.“ Auch was er sonst noch sah, begeisterte den Berufsgenossenschaftler wenig. „Arbeiter waren mit Baumaschinen in nicht abgesperrten Bereichen tätig, und der Verkehr wurde viel zu dicht an der Baugrube vorbeigeführt. Scharf kritisierte Wibbeke auch die Stadtwerke als Bauherrn. Sie hätten kein nötiges Sicherheits- und Gesundheitsschutzkonzept vorgelegt. Viel schwerwiegender aber noch: Ein Räumkonzept vom Kampfmittelräumdienst fehlte ebenfalls. „Das Land Schleswig-Holstein hat den Bereich der Baustelle als Verdachtsfläche deklariert. Das heißt, dort könnte alte Munition im Erdreich liegen“, erklärte Wibbeke. Ihm ist wichtig zu sensibilisieren. „Die Unternehmen sagen sich, das ist 50 Mal gut gegangen, das geht auch beim 51. Mal gut. Es muss aber in die Köpfe, dass es auch schief gehen kann.“

Stadtwerke-Sprecher Nikolaus Schmidt betonte gestern, es sei das erste Mal überhaupt, dass die Berufsgenossenschaft eine SWN-Baustelle wegen Sicherheitsbedenken gesperrt habe. Grund sei „eine Verkettung unglücklicher Umstände“. So habe es ein Sicherheitskonzept gegeben, allerdings konnte es im Moment der Prüfung vor Ort nicht vorgelegt werden. Über die Strabag und ihr Vorgehen sei man empört: „Das finden wir gar nicht witzig.“ Und: „Die Vorschriften für die Kampfmittelräumung ändern sich sehr schnell. Da müssen wir in der Tat besser werden.“ Eine Strafe für die Stadtwerke gebe es nicht. Allerdings verschiebe sich die Fertigstellung und damit auch das Ende der Sperrung von ursprünglich Ende November nun auf den 10. Dezember.

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erstellt am 12.Nov.2015 | 08:00 Uhr

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