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Bordesholm : Zwangsarbeiter bekommen ein Gesicht

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

In dem 300 Seiten starken Werk und mit einer Ausstellung wird jetzt an ein dunkles Kapitel im Amt Bordesholm von 1939 bis 1945 erinnert.

Bordesholm | Die Präsentation des Buches „Zwangsarbeit und Kriegsgefangenschaft im Amt Bordesholm 1939 - 1945“ und die Eröffnung der gleichnamigen Ausstellung bildeten im Rathaus den Abschluss der Spurensuche, zu der sich ein engagierter Arbeitskreis vor rund drei Jahren aufgemacht hatte.

Vor rund 120 Gästen ließ der Moderator der Gruppe, Ronald Büssow, die Entstehung der knapp 300-seitigen Abhandlung noch einmal Revue passieren. Demnach stammt die erste Idee, sich der eigenen Geschichte in diesem Zeitraum zu widmen, bereits aus dem Jahr 2012. Die konstituierende Sitzung des Arbeitskreises fand schließlich im Februar 2014 statt. „Bis zur Vollendung des Buches erforderte es dann 30 Treffen zuzüglich ungezählter Interviews, Redaktionsbesprechungen und vieler weiterer Tätigkeiten“, berichtete er. Seit März 2015 sei der Arbeitskreis zudem Mitglied im Bundesverein „Gegen Vergessen – für Demokratie“. Dieser unterstützte die Recherchen der zahlreichen Mitwirkenden durch die Arbeit von Günter Neugebauer (Sprecher der regionalen Gruppe Schleswig-Holstein).

Mehr als 1000 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene lebten in den Jahren 1939 bis 1945 im Amt Bordesholm. Das Buch benennt die damaligen Lager und Arbeitsstätten und Arbeitgeber in den Dörfern. Dokumente, Fotografien und Aufzeichnungen geben Einblick in das schwierige Leben und Überleben der Menschen, die in vielen Fällen als 15-, 16-Jährige aus ihren Heimatländern zum Arbeitseinsatz nach Deutschland verschleppt wurden. Zudem berichten Augenzeugen über ihre Erlebnisse und Erinnerungen während dieser düstersten Ära deutscher Geschichte.

Mit dem Projekt, sich dem Leben und dem Schicksal der Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen auseinanderzusetzen, habe das Amt Bordesholm eine bedeutende Leistung erbracht, die weit über die Region hinaus wirke. „Denn in Schleswig-Holstein gibt es nur wenige Gemeinden, die den Mut haben, sich dieser Herausforderung zu stellen“, lobte auch der Historiker und Bundesvorsitzende des Vereins „Gegen das Vergessen – für Demokratie“, Prof. Dr. Bernd Faulenbach, die Ergebnisse.

„Das Buch ist noch einmal etwas ganz Anderes als zum Beispiel der Besuch eines Konzentrationslagers. Der Gang durch die Gedenkstätte Bergen-Belsen war erschütternd. Aber jetzt bekommen die Menschen, die hier vor Ort unter Zwang lebten, einen Namen, Gesichter und eine Geschichte“, erklärten unter anderem der Schülersprecher der Hans-Brüggemann-Gemeinschaftsschule (HBS), Ole Schümann (19), und seine Mitschülerin Nele Kowalewski (18), die für die Schule einen Klassensatz der Veröffentlichung entgegennahmen. Denn ebenso wie in der Gemeinde soll die Aufarbeitung der Bordesholmer Geschichte künftig auch in der Schule weitergeführt werden.

Das Buch ist zunächst in einer Auflage von 300 Exemplaren erschienen. Im Verkauf ist es ab sofort im Rathaus, auf der Klosterinsel und in der Ahlmannschen Buchhandlung zu haben. Es kostet 25 Euro.

Die Ausstellung wird bis Ende Januar im Rathaus zu sehen sein. Anschließend wird sie in der HBS gezeigt.  


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