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Bordesholm : Zwangsarbeit: Es wird ein ganzes Buch

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das Projekt des Bordesholmer Arbeitskreises hat sich zu einem großen Projekt entwickelt.. In Loop gab es 1939 genau 30 Zwangsarbeiter

Bordesholm | Der „Arbeitskreis Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene im Bordesholmer Land“ hat bei seiner Gründung vor knapp zwei Jahren etwas ins Rollen gebracht, womit die zwölf Mitglieder selbst nicht gerechnet hätten. Das bisher wissenschaftlich nicht bearbeitete Gebiet der Geschichte der Zwangsarbeiter von 1939 bis 1945 im Amt Bordesholm hat sich zu einem großen Projekt entwickelt.

Eigentlich wollten die Forscher lediglich eine Broschüre verfassen, begleitend zu einer Ausstellung. „Von einer Broschüre kann man aber nicht mehr reden. Es wird vielmehr ein Buch“, berichtete Uwe Fentsahm aus Brügge. „Es ist eine offizielle Angelegenheit geworden. Wir haben mittlerweile von der Amtsverwaltung einen Arbeitsauftrag erhalten“, so der Historiker.

Mit 5500 Euro beteiligt sich die Verwaltung in diesem Jahr auch finanziell an der Forschungsarbeit. Ronald Büssow ist nicht nur Mitglied im Arbeitskreis, sondern auch erster stellvertretender Amtsvorsteher und kann ebenfalls feststellen: „Das Buch wird ein Knaller. Es ist eine Arbeit auf höchstem wissenschaftlichen Niveau. Wir benennen Sachverhalte, ohne anzuklagen.“

Geplantes Veröffentlichungsdatum ist der Volkstrauertag im November, im Dezember soll im Rathaus die Ausstellung stattfinden. Nach der Ausstellung übernimmt die Hans-Brüggemann-Schule die Tafeln der Ausstellung, eventuell kann eine Wanderausstellung daraus werden.

Eigentlich hatte der Arbeitskreis schon in diesem Winter fertig sein wollen. Aber dafür wird das Buch 60 Kapitel mit rund 200 Seiten umfassen. „Der oberste Grundsatz lautete: Es darf keine Bleiwüste werden. Daher wird das Buch reich illustriert mit Bildern und Plakaten“, erklärte der Experte Fentsahm. Er befürchtet, dass nachfolgende Generationen sich dem düsteren Thema nicht widmen: „Was jetzt nicht veröffentlicht wird, wird nie veröffentlicht.“

Der Geschichtslehrer forscht schon lange zur Zwangsarbeit im Amt: „Das Buch bedeutet auch einen gewissen Abschluss meiner 20-jährigen Arbeit.“ Etwa ein Drittel des Buches ist bereits fertig, als federführende Autoren werden Uwe Fentsahm und Nils Lange genannt. „Aber jeder aus unserem Kreis hat seinen Teil dazu beigesteuert.“ Fast jede Gemeinde im Amt haben die Forscher unter die Lupe genommen, insbesondere die Einwohnermelderegister aus der Zeit im Zweiten Weltkrieg. „Bis auf Groß Buchwald und Bissee können wir Aussagen machen, wie viele Zwangsarbeiter aus welchem Land wo angesiedelt worden sind. In einem Dorf wie Loop, das 1939 genau 107 Einwohner hatte, waren 30 Menschen als Zwangsarbeiter angemeldet“, sagt Fentsahm.

Das Buch wird vermutlich vom Amt Bordesholm verlegt – in zunächst einer Auflage von 300 Stück. Es wird über jeden Buchhandel zu beziehen sein.


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