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Holsteinischer Courier

17. Oktober 2017 | 04:49 Uhr

Kunstflecken : Zum Jubiläum Haydns Schöpfung

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Bach-Chor präsentierte das umfangreiche Werk vor 550 begeisterten Besuchern in der Vicelinkirche. Die Freude aller Musiker steckte an.

shz.de von
erstellt am 24.Sep.2014 | 12:23 Uhr

Neumünster | „Das schönste Geschenk für uns war das Konzert“, meinte Chorsänger Henning Möbius am Sonntagabend während einer kleinen Feierstunde im Gemeindehaus der Vicelinkirche. „Geschenk deshalb, weil wir uns glücklich schätzen können, Haydns Schöpfung singen zu dürfen, weil wir das große Glück hatten, heute gemeinsam mit außergewöhnlichen Sängern und einem großartigen Orchester auf der Bühne stehen zu dürfen und nicht zuletzt, weil es viele Freunde und Förderer des Bach-Chores gibt, die uns dieses Konzert erst ermöglicht haben“, erläuterte Möbius seine Gedanken. Anlässlich seines 80-jährigen Bestehens hatte der Bach-Chor im Rahmen des Kunstfleckens „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn einstudiert und am Sonntagabend von 550 begeisterten Besuchern in der Vicelinkirche dargeboten.

Für die 70 Sänger eine echte Herausforderung. Denn erstens lag die letzte Aufführung des anspruchsvollen Werkes 14 Jahre zurück, und zweitens verlangt „Die Schöpfung“ den Chorsängern „eine hohe Konzentration und großes Können ab“, wie Chormitglied Sabine Holland die Auseinandersetzung mit einem der bekanntesten Oratorien der Musikgeschichte beschrieb: „Es gibt in Haydns Werk immer wieder längere Passagen, in denen wir Pause haben. Was nicht bedeutet, dass wir uns ausruhen können. Denn in dieser Zeit heißt es: Spannung halten, um im richtigen Moment den richtigen Ton zu treffen.“

Am Sonntagabend ist ihnen das ganz ausgezeichnet gelungen. Besonders beeindruckend gelang dem Chor die Lobpreisung Gottes im dritten Teil der Schöpfung. Hier zeigte die vorangegangene, intensive Probenarbeit deutlich ihre Früchte. Mithilfe Karsten Lüthges engagierten Dirigats bei den Choreinsätzen und seiner auffordernden Mimik Richtung Sänger verpasste keine Chorstimme jemals ihren Einsatz. Auch nach knapp zwei Stunden, das Konzert neigte sich bereits dem Ende zu, hatte der Chor nichts von seiner Dynamik eingebüßt. Das Gleiche galt für das Orchester. Mit dem Engagement des Kölner Ensembles Accademia filarmonica unter Leitung von Konzertmeisterin Gabriele Nußberger hatte der Bach-Chor einen Glücksgriff getan. Äußerst professionell und mit großer Spielfreude auf ihren alten Instrumenten der Wiener Klassik wusste das Ensemble sein Neumünsteraner Publikum zu bannen. Wenn es etwa im Rezitativ des Uriel hieß: „In vollem Glanze steiget jetzt die Sonne strahlend auf...“, meinte man die wärmenden Strahlen zu spüren, um gleich darauf allein durch das gekonnte Spiel der Musiker „den Mond mit leisem Gesang und sanftem Schimmer durch die stille Nacht schleichen“ zu sehen. Am guten Gelingen des Konzertes war das Accademia filarmonica maßgeblich beteiligt. Das Ensemble trug Chor und Solosänger durch den Abend.

Die Sopranistin Cecilia Nanneson, Tenor Knut Schoch und der Bass Lucas Singer schienen sich in ihren Gesangsrollen äußerst wohl zu fühlen. Immer wieder lächelten sie einander zu. Diese Stimmung übertrug sich auf ihren Gesang. Sämtliche Soli meisterten die drei Profis ausdrucksstark und mit sehr viel Gefühl. Dem Publikum blieb das natürlich nicht verborgen. Es ließ sich von der Freude aller Musiker anstecken, und als das Konzert nach zwei Stunden zu Ende war, sah man im gesamten Kirchenraum strahlende Gesichter – bei sämtlichen Künstlern und beim tosend applaudierenden Publikum.

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