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Holsteinischer Courier

12. Dezember 2017 | 08:09 Uhr

Gnutz : Zum Fest kommt Geflügel auf den Tisch

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Enten, Gänsen und Co. geht es derzeit an den Kragen.

von
erstellt am 04.Dez.2015 | 15:56 Uhr

Gnutz | Ein Gänsebraten mit Rotkohl und Klößen gehört in vielen Haushalten ebenso zu Weihnachten wie ein geschmückter Tannenbaum und Geschenke. Dem Federvieh geht es deshalb bereits ab Oktober an den Kragen – auch auf dem Geflügelhof Ahrens in Gnutz.

Silke und Hartmut Siebken halten hier zwischen 1200 und 1500 Enten, Gänse, Puten und Hähnchen. „Unsere Hauptsaison ist direkt vor Weihnachten. Wir haben aber auch Kunden, die sich ihren Braten jetzt schon holen und bis zum Fest einfrieren“, berichtet Silke Siebken. Ihre Eltern, Horst und Erika Ahrens, gründeten den Betrieb vor 50 Jahren. „Die Nachfrage nach Enten- und Gänsebraten hat sich seither nicht verändert“, weiß die 53-Jährige. Beim Weihnachtsessen wird nicht gern herumexperimentiert – die meisten setzen beim Festessen auf Traditionen.

Wenn die Tiere von Hartmut Siebken geschlachtet werden, sind sie zwischen fünf und sieben Monate alt. Die Küken kauft das Ehepaar in Niedersachsen. Wenn sie drei Wochen alt sind, kommen sie nach Gnutz. „Das hat den Vorteil, dass sie zu dem Zeitpunkt zweimal gegen verschiedene Krankheiten wie beispielsweise die Geflügelpest geimpft wurden. So müssen wir ihnen in der Regel keine Medikamente wie Antibiotika verabreichen“, erklärt Silke Siebken. Anschließend werden die Tiere zunächst in Ställen, die mit Stroh und Wärmelampen versehen sind, gepäppelt. Mit einem Alter von fünf bis sechs Wochen dürfen sie auf die Koppel. Gefüttert werden sie dann mit einem Mastfutter, das vor allem aus Getreide und Nährstoffen besteht. Geschlachtet wird auf dem Geflügelhof in Gnutz ab Oktober – in den großen Mastbetrieben meist viel früher. „Dort werden die Tiere geschlachtet, sobald sie ausgewachsen sind, also mit etwa zwölf Wochen. Bei uns leben sie mindestens 20 Wochen“, sagt Hartmut Siebken. In dieser Zeitspanne kämen die Tiere dreimal in die Mauser, die Erneuerung des Federkleides. „Während der Mauser fressen sie viel, nehmen also an Gewicht zu. Durch das viele Flattern während der Mauser bauen sie Muskeln auf.“

Silke Siebken ist es wichtig, dass die Tiere es gut haben, so lange sie bei ihr leben. „Man redet auch mal ein Wort mit ihnen. Namen haben sie aber nicht.“ Das Schlachten überlässt sie ihrem Mann – das habe sie noch nie gekonnt, obwohl sie damit aufgewachsen ist. „Das Schlachten gehört dazu, davon leben wir“, sagt sie. Besonders gern habe sie die Gänse: „Die Küken kann man sogar rufen und sie kommen dann angelaufen, weil sie einen für die Mutter halten.“ Obwohl man immer von der „dummen Gans“ rede, seien die Tiere sehr schlau „Sie sind wie Wachhunde und schlagen an, sobald ihnen etwas merkwürdig vorkommt.“

Bis im Jahr 2006 die Vogelgrippe Wellen schlug, habe der Verkauf lebender Tiere auf den Wochenmärkten für die Siebkens eine wichtige Rolle gespielt. „Ab dann war der Lebendverkauf für zwei Jahre auf Märkten verboten, und es gab auch beim Fleischverkauf Einschnitte“, berichtet Hartmut Siebken. Ohnehin sei der Lebendverkauf rückläufig: „Niemand schlachtet mehr selbst oder hat überhaupt Zeit, die Tiere aufzuziehen.“ Auch die Wochenmärkte würden irgendwann aussterben, fürchtet der 56-Jährige. Die Marktbeschicker, die fast alle schon etwas älter seien, würden keine Nachfolger finden. Ein paar Jahre wollen Siebkens aber noch weitermachen.

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