Gericht : Zum Ärgern aus der Klinik abgesetzt?

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Kurioser Kleinkrieg in Gadeland beschäftigt das Amtsgericht / Anklage will 51-Jährigem falsche Anschuldigung nachweisen

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15. Januar 2015, 11:00 Uhr

Neumünster | Kleine Ursache, große Wirkung: Wie ein eigentlich harmloser Nachbarschaftsstreit eskalieren kann, ist derzeit vor dem Amtsgericht an der Boostedter Straße zu verfolgen.

Angeklagt ist ein 51-jähriger Mann aus dem Umland, die Anklage lautet auf falsche Anschuldigung: Der Mann hatte einen ehemaligen Nachbarn aus Gadeland angezeigt, mit dem er seit Jahren im Streit liegt. Weil es immer wieder zu Reibereien zwischen den Parteien in dem Mehrfamilienhaus gekommen war, hatte der Angeklagte bereits vor längerer Zeit eine einstweilige Anordnung gegen seinen Widersacher erwirkt. Um Konfrontationen zu vermeiden, sollte sich der Nachbar künftig nicht dichter als 50 Meter nähern dürfen, legte das Gericht seinerzeit fest. Genau gegen diese Auflage habe sein Ex-Nachbar aber verstoßen, versicherte der Angeklagte jetzt vor Gericht. Danach soll der Ex-Nachbar ihn trotz des Verbots bei einem Besuch in Gadeland vor der Haustür aufgelauert haben, um dann „provozierend dicht“ mit dem Hund an ihm vorbeizugehen.

Obwohl auch dem Angeklagten zufolge bei der Begegnung nichts weiter passiert war, zeigte er seinen Intimfeind erneut an. Dumm für ihn: Bei den Ermittlungen stellte sich heraus, dass der Beschuldigte zum angegebenen Zeitpunkt gar nicht in Neumünster ansässig, sondern wegen einer Trauma-Behandlung in einer Hamburger Klinik untergebracht war, die er nur zum Wochenende verlassen durfte.

Die Staatsanwaltschaft drehte daraufhin den Spieß um und klagte den Anzeigeerstatter wegen falscher Anschuldigung an. Der Verdacht: Der 51-Jährige habe die angebliche Begegnung vor der Haustür nur erfunden, um seinem Intimfeind eins auszuwischen.

Der angezeigte Nachbar, der in Hamburg die Folgen eines Arbeitsunfalls auskurierte, erhärtete den Verdacht: Er sei während seiner Klinikzeit ausschließlich von seiner Frau übers Wochenende abgeholt worden und habe sich regelmäßig am Sonntagabend in der Klinik zurückmelden müssen, versicherte er vor Gericht. Soweit bestätigt das auch das Krankenhaus.

Der Angeklagte selbst blieb allerdings auch vor Gericht bei seiner Version. Auch eine Verwechslung der Personen oder des Datums – die ominöse Begegnung sollte an einem Dienstagmorgen stattgefunden haben – schloss er kategorisch aus.

Die Richterin ließ bereits am ersten Verhandlungstag durchblicken, dass sie der Geschichte wenig Glauben schenkt. Die im Gerichtssaal hängende Frage: Wie wahrscheinlich ist es, dass der Widersacher des Angeklagten das Krankenhaus in Hamburg heimlich verlässt, nur um den Angeklagten in Neumünster „im Vorübergehen“ einmal kurz zu provozieren?

Dennoch ließ sich die Richterin auf die Argumentation der Verteidigung ein: Die hält immerhin für möglich, dass der Mann sich vorübergehend aus der Klinik abgesetzt haben könnte, ohne dass das dort bemerkt worden ist. Um das abzuklären, will die Richterin vor ihrem Urteil erneut in der Klinik nachfragen. Die Verhandlung in dem kuriosen Nachbarschaftskrieg wird am 3. Februar fortgesetzt.

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