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Holsteinischer Courier

17. Dezember 2017 | 04:12 Uhr

Boostedt : Zuhörer kamen sogar aus Schweden

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Andreas Frye präsentierte im Hof Lübbe Lieder von Carl Michael Bellman.

shz.de von
erstellt am 20.Mai.2014 | 17:00 Uhr

Boostedt | Andreas Frye hat sein Programm „Vivat Bellman“ vor knapp 20 Jahren anlässlich des 200. Todestags Carl Michael Bellmans produziert. Am Sonntagabend kam der ausgebildete Berliner Sänger und Schauspieler nach Boostedt in den Hof Lübbe und unterhielt 80 Zuschauer mit der Lyrik des „schwedischen Anakreon“, wie der schwedische König Gustav seinen Günstling einst geehrt hatte.

Die Titulierung offenbart den Themenkreis des Bellmanschen Werks: Natur und Musik, Erotik, Vergänglichkeit und Alkohol kehren in Variationen immer wieder. Mit einer animalisch-urwüchsigen Kraft sang Frye aus dem Hauptwerk Bellmans, der Liedersammlung „Fredmans Episteln“ und „Fredmans Lieder“, die Frye bearbeitet hat. Von „lieblicher Brust“ und „reizendem Schoß“ ist die Rede, und „Bruder Bacchus“ ist allzeit gegenwärtig. Aber nicht nur das rauschhafte Sinnenleben kommt zur Sprache, auch das andere Ende der Skala ist präsent: In „Trink aus Dein Glas“ wird der körperliche Verfall eines Schwindsüchtigen besungen, in „Blas, Vater Berg“ bekennt das lyrische Ich „Ich speie Mark und Bier“.

Bellman hat sich nicht gescheut, das Hässliche zu thematisieren und Personen der unteren Schichten als Figuren aufzunehmen. Damit lief die Lyrik des Schweden synchron zum deutschen Sturm und Drang, und damals wie heute ist der hier kaum bekannte Bellman in Schweden ein in allen Gesellschaftsklassen populärer Dichter.

Frye gelang es, mit Mimik, Stimme und Gitarre dem Inhalt eine facettenreiche Form zu geben. Mal flüsterte er, dann sang er laut; mal zeigte er sich genießerisch, dann wieder fordernd – das Spektrum der Welt Bellmans wurde durch die manierierte Darstellung reizvoll.

„Ich höre gerne Bellman, und die Aufführung gefällt mir sehr gut“, bekundete die schwedische Zuschauerin Ulla Rosengren aus Helsingborg. „Heute können wir den bisher größten Anfahrtsbereich verzeichnen. Bellman-Freunde aus Kiel, Hamburg und Lübeck haben sich hierher aufgemacht“ sagte Michael Stenzel vom Kulturverein Lübbe.

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