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Theaterkritik : Zufall oder Schicksal? NBN spielt eindringlich

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Niederdeutsche Bühne feierte die Premiere von „Tiet to leven“ vor 120 Zuschauern.

von
erstellt am 15.Feb.2016 | 09:00 Uhr

Neumünster | Im Februar ist bei der Niederdeutschen Bühne (NBN) immer die Zeit für das besondere Stück gekommen. Dann geht es mal ernster, nachdenklicher, gelegentlich auch dramatischer zu. All das trifft auf „Tiet to leven“ zu, eine Sozialkomödie, die am Freitagabend vor 120 Zuschauern in der ausverkauften Studiobühne eine viel beklatschte Premiere feierte.

Das Stück ist vor wenigen Monaten erstmals auf die Bühne gebracht worden. Der Flensburger Autor Michael Wempner wurde dafür vom Niederdeutschen Bühnenbund Schleswig-Holstein mit dem 1. Konrad-Hansen-Autorenpreis ausgezeichnet. Er war am Freitag mit seiner Frau zu Gast bei der Premiere.

Anna Bergkamp (gespielt von Birgit Müller) hat vor einem Jahr ihren Mann verloren und leitet nun mit ihrem Schwager Phillip (Ulli Thode) die Maschinenbaufirma der Familie. Eines Tages fährt Phillip vor Annas Haus einen Fußgänger (Michael Schmidt) an und bringt ihn ins Haus. Anna hilft dem sympathischen Martin Mertens und bietet ihm eine Anstellung als Hausverwalter an. Er macht sich schnell unentbehrlich, kümmert sich liebevoll um den dementen Opa Hinrich (Klaus Reumann) und entwickelt eine besondere Nähe zu Anna. Auch mit ihrer Tochter (Jana Brehmer) kommt er gut zurecht. Aber der misstrauische Phillip kriegt raus, dass die letzte Adresse von Martin ein Krankenhaus war. Irgendwas stimmt mit diesem Besucher nicht!

Das merkt der Zuschauer recht schnell – und fast zu schnell wird klar, dass Martin eine Organtransplantation hinter sich hat und Annas verstorbener Ehemann der Spender war. Das ist nicht das einzige Mal, dass dem Zuschauer an diesem Abend ein kalter Schauer über den Rücken läuft. Hier geht es um den Sinn des Lebens, um die verbleibende Zeit (die „Tiet to leven“), um die Frage: Zufall oder Schicksal? Martin hat darauf eine Antwort: „Der Zufall würde sagen: Es gibt mich nur solange, bis mich das Schicksal nicht mehr braucht.“

Regisseur Manfred Kaack hat den Stoff mit seinen Akteuren schön auf die Bühne gebracht. Mit so bewährtem Personal wie Birgit Müller und Klaus Reumann, den bereits bekannten Gast-Schauspielern Michael Schmidt und Ulli Thode und einer gelungenen NBN-Premiere von Jana Brehmer kannst du auch nicht viel falsch machen. Ok, vielleicht hätte hier und da etwas mehr Tempo dem Stück gut getan, vielleicht hätte man auch die dramatischen Momente noch mehr betonen können. Aber unter dem Strich bietet die NBN wieder einen sehr gelungener Abend.

>Die weiteren Termine: 15. bis 17. Februar (20 Uhr), 20. Februar (20 Uhr), 21. Februar (16 Uhr, alle NBN-Studiobühne), 18. und 19. Februar (20 Uhr, Theater in der Stadthalle).





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