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Ärger mit der Stadt : Zufahrt zum eigenen Haus nur auf Antrag

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Anlieger an der Haartallee streitet mit der Stadt um eine Sondergenehmigung. Wer die Sperre ignoriert, riskiert bis zu 2000 Euro Ordnungsgeld

Neumünster | Wenn bei Peter Braker die Handwerker anrücken, kommt er immer leicht ins Schwitzen. Nicht etwa, weil er den Männern die fachgerechte Arbeit nicht zutraut oder Angst vor deren Rechnungen hätte, sondern weil ihm dann unter Umständen mal wieder ein Ordnungsgeld der Stadt droht.

Immerhin bis zu 2000 Euro kann es kosten, wenn er ohne vorherige schriftliche Genehmigung der Stadt Fahrzeuge vor die Tür seines Hauses an der Haartallee Nr. 2 fahren lässt. Denn was für andere Hausbesitzer selbstverständlich ist – eine freie Zufahrt bis zur Eingangspforte –, ist für Hausbesitzer Braker jedes Mal ein besonderer Angang: Weil die Haartallee vor seiner Haustür in einen Rad- und Gehweg mündet, ist die Zufahrt von der Plöner Straße 60 Meter weiter in aller Regel mit versenkbaren Pollern blockiert. Fußgänger, Radler – und zum Ärger mancher Anlieger auch Moped- und Motorrollerfahrer – können passieren, Autos oder Lieferwagen aber nicht. Die Stadt will damit das wilde Parken oder auch die verbotene Durchfahrt über die zum Gehweg umgestaltete Haartallee verhindern.

Soweit, so gut. Was Hausbesitzer Braker wurmt, ist allerdings der enorme bürokratische Aufwand, den er betreiben muss, um sein eigenes Grundstück zu erreichen: In dem schriftlichen Antrag muss er unter anderem Zweck und Anlass des Anfahrmanövers, Fahrzeug, Gewicht des Fahrzeugs und voraussichtliche Dauer des Aufenthalts angeben, bevor die Stadt die Sperre aufhebt.

„Das ganze Verfahren ist doch realitätsfern“, klagt Braker. Das funktioniere schon dann nicht mehr, wenn der Handwerker das vorgesehene Zeitfenster aus welchen Gründen auch immer nicht einhalte oder der Klempner zu einem Noteinsatz anrücke. „Bei einem Wasserrohrbruch am Wochenende kann ich nicht warten, bis das Rathaus am Montag wieder geöffnet hat“, argumentiert der Hausbesitzer.

In der Nachbarschaft sieht man das offenbar ähnlich, will das aber nicht an die große Glocke hängen: Ein Nachbar Brakers gibt offen zu, dass er sich den passenden Kantschlüssel „anderweitig besorgt“ hat, um die Sperre im Bedarfsfall aufzuheben. Allerdings riskiert er dann besagtes Ordnungsgeld. Braker will diesen Weg nicht gehen. Er hat seinen Anwalt eingeschaltet, um für sich als Anlieger eine Art Dauergenehmigung durchzuboxen: „Warum gibt man uns den Schlüssel nicht offiziell? Wir haben doch selbst das größte Interesse, den Verkehr und wilde Parker aus unserer Straße herauszuhalten“, sagt der Hauseigner.

In der Stadtverwaltung hielt man sich gestern, auf den konkreten Fall angesprochen, bedeckt und verwies auf ein schwebendes Verfahren. Viel Hoffnung auf eine Sondergenehmigung mag man Braker aber nicht machen: Die Straßenverkehrsordnung gebe eine solch pauschale Ausnahmeregelung nicht her. In der Behörde sieht man auch wenig Grund, von der bestehenden Regelung abzuweichen: Rettungsfahrzeuge könnten die Sperre in einem echten Notfall selbstverständlich überwinden, es gelte aber, Präzedenzfälle zu verhindern, die den verkehrsberuhigten Charakter der Haartallee aufweichen könnten, heißt es aus dem Ordnungsamt.

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erstellt am 05.Aug.2014 | 12:00 Uhr

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