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Holsteinischer Courier

14. Dezember 2017 | 04:00 Uhr

Zündende Idee hilft bei der Wehrübung

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Rettung von Kleinkindern wird mit Dummys trainiert

shz.de von
erstellt am 03.Feb.2014 | 00:31 Uhr

Feuer in der Kindertagestätte: Die Rauchmelder schlagen Alarm und tödlicher Qualm breitet sich im Erdgeschoss aus. Einige Kinder beginnen zu schreien und wollen ins Freie flüchten. „Bis zum Eintreffen der Feuerwehr sind die Erzieherinnen für einen Zeitraum von etwa acht Minuten nun auf sich allein gestellt. Sie müssen dafür sorgen, dass keine Panik ausbricht“, sagt Wasbeks Gemeindewehrführer und Brandschutzbeauftragter des Amtes Mittelholstein, Heinrich Kühl. Damit eine Übung in der Wasbeker Kindertagesstätte möglichst realistisch ablaufen kann, hat Marlen Kühl neun Krippenkinder-Dummys genäht.

Kinder, die älter als drei Jahre sind, wissen dank vorheriger Übungen schon, wie sie sich verhalten sollen. Sie befolgen die Anweisungen der Erzieherinnen und krabbeln zum Beispiel auf allen Vieren durch den Eingangsbereich ins Freie, um sich an bestimmten Sammelpunkten außerhalb des Gebäudes zu treffen. Deutlich brisanter gestaltet sich dagegen die Rettung von Krippenkindern unter drei Jahren, die weder laufen noch sprechen können. Hinzu kommt, dass eine Feuerwehrübung mit Krippenkindern nicht zulässig ist.

Doch der erfahrene Brandschutzbeauftragte Heinrich Kühl hatte eine zündende Idee. In mühevoller Kleinarbeit haben seine Ehefrau Marlen und er über Wochen neun Kinder-Dummys angefertigt. Die Puppen entsprechen von der Größe und vom Gewicht (rund sieben bis zwölf Kilogramm schwer) her einem Krippenkind. Da diese Dummys einzigartig im Land sind, werden sie mittlerweile von Wehren im ganzen Land gerne ausgeliehen.

Der Einsatz der Puppen macht die Übung für die Erstretter inner- und außerhalb einer Betreuungseinrichtung besonders wirklichkeitsnah. Die Dummys müssen von einer Person im Gebäude behutsam durch das Fenster an einen weiteren Helfer übergeben werden. Damit beansprucht schon einmal ein einziges Kind gleich zwei Erwachsene. „Das ist eine gewaltige Verantwortung, die mit dem Einsatz der Dummys noch realer wird“, sagt die Wasbeker Erzieherin und Kita-Sicherheitsbeauftragte Angela Harbst. Bei den unter Dreijährigen sollte sich eine Erzieherin jeweils um zwei Kinder kümmern. Sie sollte ihre Schützlinge an der Hand oder auf dem Arm aus dem Gebäude zu den eingerichteten Sammelplätzen bringen. Dort werden die Kleinen von einer eingeteilten Aufsichtsperson betreut. Das kann auch die Küchenhilfe oder die Reinmachefrau sein. Anhand von Gruppenbüchern wird die Vollzähligkeit der außer Gefahr gebrachten Kinder überprüft. Sollte ein Kind fehlen, erfolgt sofort eine Nachsuche.

Doch es sind nicht nur die Erzie herinnen in einem Kindergarten, die sich bei diesem Thema ohne ein schlüssiges Konzept etwas hilflos fühlen. Selbst Brandschützer der Freiwilligen Feuerwehren in den Neumünsteraner Umlandgemeinden bekennen, dass Sonderübungen zu dem speziellen Thema längst überfällig seien. So sollen künftig Brandschutzerzieher über das Amt Mittelholstein für die Amtsgemeinden eingesetzt werden.

Ilona Dudeck vom Landesverband der Feuerwehren berichtet, dass die Pionierarbeit von Heinrich Kühl landesweit ein starkes Echo gefunden hat. Die stellvertretende Verbandsvorsitzende und Fachwartin für die Brandschutzerziehung kündigte an, dass noch in diesem Jahr ein Handlungskonzept erarbeitet und herausgegeben werden soll. „Es wird eine Empfehlung an die Brandschutzbeauftragten und Gemeindewehrführer sein, denn wir können keiner Erzieherin vorschreiben, was sie zu tun oder zu lassen hat.“




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