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Geflügelpest : Züchter halten Stallpflicht für „Quatsch“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Trotz Vogelgrippe: Gelassene Stimmung bei der Jahreshauptversammlung vom Rassegeflügelverein Konkordia von 1897.

shz.de von
erstellt am 06.Feb.2017 | 07:00 Uhr

Neumünster | Vor einer Woche verendete ein Kormoran am Einfelder See. Am Freitag bestätigte das zuständige Amt als Todesursache das für die Vogelpest verantwortliche H5N8-Virus. Noch am selben Tag errichtete die Stadt rund um den Fundort ein Sperrgebiet von drei Kilometern (der Courier berichtete). Während der Jahreshauptversammlung des Rassegeflügelvereins Konkordia von 1897 und des Kaninchenzuchtvereins U 52 am Freitagabend war von Aufregung rund um den ersten offiziellen Geflügelpest-Fall in Neumünster wenig zu spüren. Allerdings war das Problem durchaus ein Thema auf dem Treffen.

Den großen Schrecken scheinen die Züchterfreunde hinter sich zu haben, oder wie Willi Sinterhauf in seinem Jahresbericht anmerkte: „Wir haben ein sehr aufregendes Jahr hinter uns. Das erste Halbjahr verlief für alle sehr erfreulich“, erklärte der 1. Vorsitzende. Im zweiten Halbjahr brach dann jedoch eine ansteckende Krankheit bei den Kaninchen aus, konnte jedoch durch Medikamente schnell in den Griff bekommen werden. Im Spätherbst begann dann die Katastrophe für die Geflügelzüchter. „Wegen der Stallpflicht hat es seit November keine Geflügelschauen mehr gegeben“, erklärte der Vorsitzende den 45 Mitgliedern, die gekommen waren. Insgesamt hat der Verein 104 Mitglieder.

Zügig und ohne Zwischenfragen wurde die Tagesordnung bis zum letzten Punkt „abgearbeitet“. Als es um Schauangelegenheiten 2017 ging, schnitt Willi Sinterhauf das Thema Geflügelpest noch einmal an. „Unsere Vereinsschauen finden beide im November statt – die Geflügelpest werden wir bis dahin vom Hof jagen“. Als Reaktion erhielt der 1. Vorsitzende ein verhaltenes „Ja, ja. Das hoffen wir“, aus den Besucherreihen.

Die Kaninchenzüchter des Vereins können auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. 975 Jungtiere wurden tätowiert, mit Gero Kröger kann der Verein sogar auf einen Bundessieger verweisen. Bei den anstehenden Wahlen wurde Willi Sinterhauf für weitere drei Jahre zum 1. Vorsitzenden gewählt, Jörg Hansen ist der neue 2. Schriftführer.

Für ihre 15-jährige Vereinstreue ehrte Willi Sinterhauf die beiden Geflügelzüchter Frank Höhn und Hermann Randau. Der 79-Jährige züchtet seit über 30 Jahren Rassegeflügel. 11 Zwerg-Sussexhennen und ein Hahn teilen sich Randaus 400 Quadratmeter großen Schrebergarten. Seit Ende November leben die Hühner auf fünf Quadratmetern. „Ein bisschen mehr Auslauf würde ich ihnen schon wünschen“, sagte der Rentner, „doch in meinem Alter baut man nicht mehr einfach so einen größeren Stall“. Er halte die Stallpflicht für Quatsch. „Die Vogelgrippe bricht nur bei Massentierhaltung aus“, ist Hermann Randau sicher. Seine Hühner abschaffen, kommt für ihn nicht in Frage. „Das ist mein Hobby“, sagte Randau. „In unserem Verein hat noch niemand ans Aufgeben gedacht“, ergänzte Christiane Wachsmuth, aber traurig sei es schon, dass die Hühner nun schon so lange im Stall bleiben müssten, meinte die 1. Schriftführerin des Vereins.

Auch Willi Sinterhauf sieht das Ganze gelassen. Der 75-Jährige ist seit über 50 Jahren Züchter aus Leidenschaft. „Meine Zwerg-New-Hampshire und meine Ramelsloher Hühner züchte ich, um sie auszustellen. Jetzt im Februar habe ich nur den Zuchtbestand von 32 Tieren. Die kommen mit Stallplatz gut zurecht. Schwierig wird es im Sommer werden. Dann ist mein Bestand auf 150 Hühner angewachsen. Bis dahin wird der Stallpflicht aufgehoben sein“, ist Willi Sinterhauf aber sicher. „Dafür wird die Industrie sorgen“.

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